Wirtschaft und Soziales
Warum Verbraucher Verluste höher gewichten als Erträge

Das Thema Verlustaversion erklärt, warum es für uns so schwer ist etwas aufzugeben, was wir bereits besitzen.
  • Das Thema Verlustaversion erklärt, warum es für uns so schwer ist etwas aufzugeben, was wir bereits besitzen.
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  • hochgeladen von Heinz Stanelle

(TRD/WID) Die Sparsamkeit der Deutschen ist bekannt. „Geiz ist geil“ – das Motto muss man nicht gut finden, doch es gibt nicht viele Nationen, die dieses Motto so ausleben wie die Deutschen. Preise werden verglichen, Rabatte errechnet, jedes Angebot hinterfragt. Und trotzdem verhalten wir uns in gewissen Bereichen irrational. Darüber gibt es sogar wissenschaftliche Studien.

Ein Beispiel: Kein Umweg ist beim Tanken zu weit, um noch ein paar Cent zu sparen. Gleichzeitig werden aber hunderte von Euro verschwendet, weil dem Stromanbieter eine kaum zu erklärende Nibelungentreue entgegengebracht wird. Ein ganzer Wissenschaftszweig namens Verhaltensökonomie beschäftigt sich mit diesem Phänomen des irrationalen Handelns. Stichworte wie „Verlustaversion“ oder „Status Quo Verzerrung“ geben Aufschluss darüber, warum uns gewisse Handlungen so schwer fallen.

Das Thema Verlustaversion erklärt, warum es für uns so schwer ist etwas aufzugeben, was wir bereits besitzen. Dabei reicht bereits lediglich das vage Gefühl, potenziell etwas aufgeben zu müssen. In Verbindung mit der Status Quo Verzerrung, der bisherigen Situation mehr Wert beizumessen als einer neuen potenziell deutlich attraktiveren Alternative, führt dies im Strommarkt dazu, dass in den letzten 20 Jahren seit Marktliberalisierung gerade einmal 31 Prozent der Haushalte in Deutschland ihren Stromanbieter gewechselt haben.

Die Krux: Dieses irrationale Verhalten sorgt dafür, dass viele Anbieter wie selbstverständlich Tarifangebote im Markt etabliert haben, die wechselwillige Kunden belohnen während sie ihre treuen Kunden bestrafen. Eine aktuelle Erhebung von Check24 zeigt: eine Familie mit 5000 kWh Verbrauch im Grundversorgertarif zahlt im Schnitt 215 Euro mehr im Jahr als beim günstigsten Alternativanbieter.

Marktexperten gehen für das kommende Jahr von einer durchschnittlichen Erhöhung der Strompreise von rund 1,5 Cent je kWh aus, was bei 5000 kWh Verbrauch Zusatzkosten von 75 Euro zur Folge hätte. Eine weitere Zahl, die das Dilemma verdeutlicht: Allen Verbrauchern, die sich noch immer beim Grundversorger befinden, entstehen in Summe Mehrkosten von 4,1 Milliarden Euro pro Jahr. Eine teure Trägheit.

Es gibt aber Hilfe gegen das irrationale Verhalten: Sogenannte Tarifaufpasser, mitunter auch Wechselhelfer, Wechseldienste oder Wechselassistenten genannt, richten sich an alle, die keine Lust haben, sich jedes Jahr mit ihrem Strom- oder Gastarif zu beschäftigen.

Im Gegensatz zu den klassischen Vergleichsportalen steht hier nicht ein einmaliger Anbieterwechsel im Vordergrund, sondern die kontinuierliche Tarifoptimierung. Stiftung Warentest hat diese Tarifaufpasser einem Langzeittest unterzogen und kam dabei zu einem klaren Fazit: „Das ist bequem und lohnt sich“. So wurden zum Beispiel die vier Dienstleister esave, SwitchUp.de, Wechselpilot und Wechselstrom als „sehr empfehlenswert“ eingestuft.

Autor:

Heinz Stanelle aus Aschaffenburg

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