Die Geschichte von der Stadt, die keine Stadt sein konnte

Die Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte wird im Hauptstaatsarchiv München aufbewahrt. (Foto: Archiv des Kultur- und Geschichtsvereins Mönchberg-Schmachtenberg e.V.)
 
Die Mönchberger Burg auf dem Hof des Anwesens Wolf, betrachtet von der Schwimmbadstraße aus in einer Aufnahme aus den 1930er Jahren. (Foto: Archiv des Kultur- und Geschichtsvereins Mönchberg-Schmachtenberg e.V.)
Mönchberg: Rathaus |

Mönchberg im Landkreis Miltenberg in Unterfranken feiert in diesem Jahr „650 Jahre Markt Mönchberg“

Eigentlich ist Mönchberg eine Stadt. Das wussten Sie nicht? Doch, die Spessartgemeinde im Landkreis Miltenberg in Unterfranken bekam genau vor 650 Jahren die Stadtrechte verliehen. Just dies ist der Anlass für ein großes Festwochenende, das vom 19. bis 21. Mai 2017 in der Gemeinde stattfindet.

Aber nun ist Mönchberg ein Markt und eben keine Stadt. Was ist damals vorgefallen? Begeben wir uns auf historische Spurensuche. Unsere Recherche führt uns ins Jahr 1367. Am 18. Januar dieses Jahres wurde dem kleinen Spessartort Mönchberg eine ganz besondere Ehre zuteil: Das Dorf, das damals noch „Mencgebur“ hieß, wurde durch Kaiser Karl IV., römisch-deutscher Kaiser, zur Stadt erhoben. Das bedeutete, dass das kleine Spessartdorf mit den gleichen Rechten und Freiheiten ausgestattet wurde, die auch die sehr viel größere Stadt Aschaffenburg bereits innehatte. Dazu zählte die Gerichtsbarkeit, sowohl für niedere, als auch für hohe Fälle. Hohe Fälle waren Kapitalverbrechen wie beispielsweise Mord. Diese wurden in Mönchberg verhandelt und in der Regel mit dem Tod geahndet. So hatte Mönchberg auch eine Hinrichtungsstätte und zwar einen Galgen. Stadtrecht hieß auch, Marktrecht ausüben zu dürfen und eine Stadtbefestigung zu errichten.

Gesagt, getan. Alsbald nach der Erhebung zur Stadt machten sich die Mönchberger also ans Werk und begannen mit der Errichtung der obligatorischen Stadtmauer. Zwei Tore – das Endtor, das gegen Röllbach gelegen war, und das Erdentor gegen Eschau – wurden errichtet. Beide Tortürme stehen heute allerdings nicht mehr. Die Stadtmauer selbst wurde in Schildform angelegt. Sicherlich kein Zufall, jedoch weiß keiner mehr genau, warum gerade diese Form gewählt wurde.

Die Erhebung Mönchbergs zur Stadt hatte übrigens der Mainzer Fürstbischof Gerlach von Nassau erwirkt. Er musste seine Gründe dafür gehabt haben. Schließlich war Mönchberg zur damaligen Zeit relativ unbedeutend. Warum also Stadtrechte? Möglich ist, das Mainz seine Stellung in der Zent gegenüber dem rieneckischen, direkt in der Nachbarschaft gelegenen Eschau stärken wollte. Doch die Fehde zwischen Mainz und Rieneck war bereits ein paar Jahre zuvor zugunsten von Mainz entschieden worden, sodass diese Ehrerweisung im Grunde gar nicht mehr nötig war.

Oder war es vielleicht Kaiser Karl IV. selbst, der wichtige Gründe für die Stadterhebung hatte? Der Kaiser, einer der maßgeblichen Herrscher des Mittelalters, hatte das Problem, dass seine beiden Länder, das Königreich Böhmen und das Land Luxemburg, aus dem er stammte, keine direkte Landverbindung hatten. Er kaufte daher zwischen den beiden Ländern Stützpunkte, damit er nicht durch fremde Gebiete reisen musste und errichtete sich damit eine Landbrücke. Dies könnte der Grund sein, warum er Mönchberg zur Stadt machte.

Da nun Mönchberg eine Stadt war, gab es natürlich auch eine Burg. Diese thronte auf einer Erhebung innerhalb des Ortes in unmittelbarer Nähe der Kirche und stammte wohl aus der Stauferzeit um das Jahr 1200.Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren noch Reste erhalten, heute ist leider nichts mehr davon zu sehen.

Über ihre Stadtrechte freuten sich die Mönchberger allerdings nicht lange. Nur dreißig Jahre nach der Stadterhebung ist im Jahr 1397 in diversen Dokumenten nur noch vom „Flecken Mönchberg“ die Rede. Flecken wiederum ist gleichbedeutend mit Markt. Sollten die Auflagen, Stadtrecht ausüben zu dürfen, doch zu hoch gewesen sein? Oder war Mönchberg am Ende so unbedeutend, dass die Stadtrechte aufgegeben werden mussten? Die genauen Gründe, warum Mönchberg auf seine Stadtrechte verzichtete und sich mit den Marktrechten genügte verlieren sich im Dunkel der Geschichte.

In jedem Fall ist Mönchberg vom 19. bis 21. Mai einen Besuch wert, denn das Jubiläum wird mit einem großen Jubiläumsfest gefeiert. Weitere Informationen zum Jubiläum „650 Jahre Markt Mönchberg“ finden Sie im Internet unter http://www.meine-news.de/gruppen/650-jahre-markt-m...
(Text: Andrea Kaller-Fichtmüller, News Verlag Miltenberg)
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