Zum Leserbrief von Frau L. aus Elsenfeld
Haben Windkraft-Gegner das nötig?
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Gut, dass es die Möglichkeit von Leserbriefen gibt. Nicht gut, wenn durch falsche oder bewusst verzerrte Behauptungen Entscheidungen von Amtsträgern beeinflusst werden sollen. Es geht um die Windkraft und um den Leserbrief von Michaela L. aus Elsenfeld anfangs der Woche im Main-Echo.
Mit der Überschrift geht es los: "Nur die Betreiberfirma würde profitieren". Frau L scheint entgangen zu sein, dass es mittlerweile sehr viel Kommunen gibt, die durch die Pachteinnahmen von Windkraftanlagen wieder etwas Spielraum in den klammen Kassen besitzen. Oder die vielen Bürgergesellschaften, die gelebtes Bürgerengagement bedeuten und solche Projekte zusammen mit der Kommune und auch dem örtlichen Energieversorger stemmen. Am wichtigsten jedoch die Lebensgrundlagen unserer Kinder, indem es hoffentlich gelingt, CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren und so den Klimawandel noch etwas auszubremsen (s.u.).
Mein Hauptpunkt aber, zu dem ich auch als Ingenieur nicht schweigen kann, mein Vorwurf: Frau L. nutzt bewusst ausgewählte Zahlen zur gezielten Manipulation.
Frau L. nennt korrekte Zahlen für 2020 und 2025, was den Zubau an Leistung (MW) und den Zugewinn an Strom (TWh oder MWh) durch Windkraftanlagen betrifft: in diesem Zeitraum ist die Leistung um 25,2% gestiegen, die Strommenge jedoch nur um 1,2%.
Frau L will damit sagen, dass ein weiterer Ausbau an Windenergie, z.B. das Windrad in Hobbach, nichts bringt. Was sonst sollen diese Zahlen bedeuten.
Nun, diese Behauptung ist absurd, kompletter Unsinn, ich habe dafür eben nur 2 Erklärungen:
- Frau L hatte nur diese Zahlen, andere hat sie selbst nach längerer intensiver Recherche nicht gefunden oder ihr sind nur diese Zahlen zugespielt worden
- Frau L versucht mit einem plumpen Trick Bürgerinnen, Bürger und vor allem die Entscheidungsträger zu manipulieren
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Lösen wir das Rätsel auf. Die nachfolgenden zwei Grafiken zeigen den Zuwachs an Windenergieleistung in MW (oben) sowie die erzeugte Strommenge (Einspeisung) in TWh (unten) von 2000 bis 2025 [hier zur Quelle].
Oben: die installierte Windenergieleistung ist von 6.100 MW in 2000 bis auf 68.100 MW in 2025 angewachsen (gepunktete Linie), also um den Faktor 11,1.
- hochgeladen von Christian, Dr. Blaufelder
Unten: die durch diese Windräder eingespeiste Strommenge ist von 9,5 TWh in 2000 auf 132 TWh in 2025 angestiegen, also um den Faktor 14.
Die beiden Linien laufen also ziemlich parallel zueinander, das muss so sein, das ist Physik: mehr Leistung = mehr Menge an Strom (auch wenn der Wind von Jahr zu Jahr nicht immer konstant bläst).
An der Grafik unten ist gut zu erkennen, was Frau L. gemacht hat: sie hat das starke Windjahr 2020 mit dem schwachen 2025 verglichen (die zwei blauen Pfeile).
Nein, ein Versehen kann ich mir leider nicht vorstellen. Es bleibt somit der Versuch einer gezielten Manipulation. Ein solches Vorgehen sagt einiges zum Respekt gegenüber Bürgerinnen und Bürgern aus.
Lassen sich nun durch solche "verdrehten Tatsachen" die Entscheidungsträger in Elsenfeld oder in Miltenberg beeinflussen?
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Ich bitte die Entscheidungsträger, sich zu informieren, wie es um den Spessart heute steht und wie es um den Spessart stehen würde, treffen die Prognosen der Wissenschaft ein und wir 2050 eine erhöhte Temperatur von 5°C haben (hier der Aufruf der Dt. Physikalischen Gesellschaft und der Dt. Meteorologischen Gesellschaft vom Sep. 2025; da sich die Temperatur auf der Landmasse, also bei uns in Europa, doppelt so schnell erhöht wie im globalen Durchschnitt, bedeuten global +2-3°C bei uns +4-6°C).
Ich bitte die Entscheidungsträger, mit ihren Förstern zu sprechen, wie es um den Spessart steht, wenn es im Vergleich zu diesem Jahr deutlich mehr Hitzetage bis über 45°C und längere Dürreperioden gibt. Was macht das mit dem Wald (mit der Landwirtschaft usw.). Wie lange wird es dauern, bis unser Wald zu einem nenneswerten Teil aus "Klimawald" besteht?
Bekannt sein müsste ja, dass Deutschland weltweit zu den 4 größten Verursachern des Klimawandels gehört und kein Land in Europa aktuell so viel CO2 in die Atmosphäre pustet wie Deutschland. Dieses immer wieder gebrachte 2%-Argument ist ein weiteres plumpes Ablenkungsmanöver, bei dem es nur darum geht, keine Verantwortung zu übernehmen (Info zum 2%-Argument hier).
Ich bitte die Entscheidungsträger, sich auch zu informieren welche kurzfristig wirksamen Alternativen es zur Windkraft vor allem in den Wintermonaten gibt, klimaneutralen Strom bereitzustellen.
PS: im Jahr 2023 vermieden erneuerbare Energien insgesamt 221 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Die Stromerzeugung durch Windenergie reduzierte den CO₂-Ausstoß um 108 Millionen Tonnen (Bundesumweltamt).
Und dann wünsche ich Courage der Entscheidungsträger, welche nicht nur kurzfristige Effekte, sondern vor allem mittel- und langfristige Effekte berücksichtigt, denn dann geht es um die Lebensgrundlagen der jüngeren Menschen ... und um den kompletten Spessart (den kompletten Taunus, Sauerland, Eifel, Bayerischer Wald ...).
Abschließend, es ist auch eine Frage des Glaubens, wem glauben die Gemeinde- und Stadträte: diesem netzwerk..., den Argumenten wie denen von Frau L. oder den Warnungen der Deutschen Physikalischen / Meteorologischen Gesellschaft.
Christian Blaufelder
Autor:Christian, Dr. Blaufelder aus Obernburg am Main |
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