MTZ klärt auf - Interview mit David Rose
Gesunde Haltung - mehr als nur "gerade stehen"?
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Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Verspannungen, ein Rundrücken – viele dieser Symptome haben eine gemeinsame Ursache: eine ungünstige Körperhaltung. Doch Haltung ist weit mehr als nur „gerade stehen“. Sie beeinflusst unsere Atmung, unsere Bewegung und sogar unsere Stimmung. Was genau hinter dem Begriff steckt, wie Haltung entsteht und wie man sie nachhaltig verbessern kann, darüber sprechen wir mit Sportwissenschaftler David Rose im Experteninterview.
David, viele denken bei Haltung einfach an „Brust raus, Bauch rein“. Was steckt wirklich hinter dem Begriff?
David Rose: Das ist tatsächlich eine sehr vereinfachte Vorstellung, die aber in der Realität wenig bringt. Haltung ist ein komplexes Zusammenspiel aus Muskelspannung, Gelenkstellung, Koordination, Wahrnehmung und Gewohnheit. Unsere Körperhaltung entsteht unbewusst – durch das, was wir tagtäglich tun oder eben nicht tun. Wer zum Beispiel viel sitzt oder einseitige Bewegungen ausführt, trainiert sich dadurch über Monate oder Jahre gewisse Muster an. Haltung ist also nichts Starres, sie ist dynamisch und lässt sich auch wieder verändern.
Welche Rolle spielt eine gute Haltung für unsere Gesundheit?
David Rose: Eine sehr große. Eine ausgewogene Körperhaltung sorgt nämlich dafür, dass Kräfte optimal über den Körper verteilt werden. Zusätzlich schützt diese unsere Gelenke, die Bandscheiben und die Muskulatur. Fehlhaltungen hingegen führen auf Dauer zu Überlastungen, Verspannungen oder Bewegungseinschränkungen. Auch unsere Atmung kann unter einer eingefallenen Haltung leiden, was wiederum Einfluss auf unsere Energie und sogar auf das Stresslevel hat. Kurz gesagt: Haltung hat nicht nur etwas mit dem Rücken zu tun, sondern mit deutlich mehr Faktoren und dem gesamten Menschen.
Wie kann man seine Haltung überhaupt beurteilen?
David Rose: Viele merken die Folgen einer ungünstigen Haltung daran, dass sie sich verspannt fühlen, Schmerzen haben oder sich im Spiegel nicht „gerade“ sehen. In der Praxis schauen wir uns genau an, wie jemand steht, sich bewegt und welche muskulären Dysbalancen oder Bewegungseinschränkungen vorhanden sind. Technische Hilfsmittel wie eine Haltungsanalyse mit Fotos oder digitalen Tools helfen, Veränderungen sichtbar zu machen. Aber auch ein geschultes Auge erkennt meist schon im Alltag: Sitzt jemand „in sich zusammen“, steht er verlagert, kippt das Becken – das alles gibt uns Hinweise.
Und wie kann man eine ungünstige Haltung verbessern?
David Rose: Der erste Schritt ist immer: Wahrnehmung. Viele Menschen sind sich ihrer Haltung gar nicht bewusst. Daher arbeiten wir zunächst mit Übungen, die helfen, ein Körpergefühl zu entwickeln. Danach geht es darum, gezielt die Muskulatur zu stärken, die für eine aufrechte Haltung notwendig ist, vor allem die tief liegende Rumpfmuskulatur. Gleichzeitig ist es sinnvoll Verspannungen in überlasteten Bereichen, wie z. B. im Nacken oder unteren Rücken zu lösen. Am wichtigsten ist aber: Haltung ist eine Alltagsaufgabe. Es bringt wenig, einmal pro Woche „gerade zu stehen“. Besser ist es, im Sitzen, Stehen, Gehen immer wieder kleine Impulse zu setzen und eine gesunde Haltung als ein Teil des Gesundheitstrainings zu sehen.
Für wen lohnt sich Haltungsarbeit besonders?
David Rose: Eigentlich für alle, aber besonders für Menschen, die viel sitzen, am Schreibtisch arbeiten oder immer wieder unter Rücken- oder Nackenschmerzen leiden. Auch nach Verletzungen, Operationen oder in der Rückbildung nach der Schwangerschaft ist Haltungsarbeit ein wichtiger Teil der Rehabilitation. Und nicht zuletzt auch im Alter: Eine gute Haltung sorgt für mehr Stabilität, Beweglichkeit und ein sichereres Auftreten.
David, vielen Dank für das Interview!
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Autor:MTZ Großwallstadt aus Großwallstadt |
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