Krimiempfehlung: Hotel Cartagena von Simone Buchholz
Ein Hauch von ¿Plata o Plomo? weht durch St. Pauli

Ich wage kaum es zu erwähnen, aber dieser neunte Band über Staatsanwältin Chastity Riley ist der erste Krimi von Simone Buchholz, den ich lese. Das ist allerdings gar kein Problem, um die Handlung zu verstehen. Allerdings habe ich ein paar Kapitel gebraucht, um mich an die Hamburger Schnauze zu gewöhnen, die für eine nicht-gebürtige Hamburgerin außergewöhnlich ist. Zum Glück ist das Buch in zwei Handlungsstränge aufgeteilt und die Geschichte von Henning war anfangs deutlich eingängiger. Aber je besser ich Riley und ihre Freunde kennenlernte, desto mehr konnte ich mich dem akzentuierten, ja scharfen Stil öffnen. Nebenbei entfaltete sich eine spannende Geschichte auf der einen und ein beklemmendes Geiseldrama auf der anderen Seite. Während die Verbindung zwischen den Geschichten schnell zu erahnen war, war das Ende stets ungewiss.

Während in Rileys Geschichte kein Wort zu viel verwendet wird, ist die Darstellung von Hennings Leben so lebhaft, dass ich meinte, die Gitarrenklänge aus Kolumbien zu hören und die sich im Wind wiegenden Palmen am Bocagrande zu sehen. So einen Unterschied im Erzählstil in einem Buch abzubilden, erfordert Mut und ist ein Meisterstück. Die Beurteilung der bekannten Charaktere überlasse ich Stammkunden von Simone Buchholz, die neu hinzugekommenen sind authentisch dargestellt, besonders der innere Konflikt bei Henk/Henning/Nummer Eins. Eigentlich ein sympathischer Mann ist er doch vom Leben gezeichnet und nun wütet in ihm das Gesetz der Rache und es kennt keine Gnade.

Mein Kritikpunkt ist tatsächlich der Daumen von Chastity. Selten hat dieser Finger eine solche Aufmerksamkeit in einem Buch bekommen. Am Ende stellte sich mir die Frage: War das nötig? Ich denke, die Handlung wäre auch ohne das Daumenszenario ausgekommen und zum Ende hin wurde doch sehr viel von dem Daumen abhängig gemacht. Durch den Daumen und den daraus resultierenden Schmerz verliert die Handlung in einem der wichtigsten Momente ihre bis dahin klare Linie und Haltung. Was passiert wirklich und was ist Illusion? Das verschwimmt und so hatte ich als Leser das Gefühl etwas zu verpassen. Tatsächlich habe ich vorgeblättert, um zu sehen, wann die Geschichte normal weitergeht, da ich um mein Finale fürchtete.

Die geniale, internationale Story mit Chastity und Henning in den Hauptrollen verdient dennoch ein großes Lob. Dass vermutlich ein Großteil der Leserschaft das Stockholm-Syndrom erleidet, ist hohe Kunst. Auf jeden Fall ein Kriminalroman der etwas anderen Art!

Zum Glück gibt es noch 8 weitere Teile und vielleicht gibt es ja auch noch einen zehnten Band. Das Buch ist im SuhrkampNova-Verlag erschienen (ISBN: 978-3-518-47003-9) und kostet 15,95 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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