Buchempfehlung: Influence - Fehler im System von Christian Linker
Hauptsache, das Internet funktioniert.

Nachdem ich im vergangenen November „Das Ting“ aus dem dtv-Verlag, Marke bold, gelesen und für gut befunden habe, bin ich schnell auf das neue Buch von Christian Linker „Influence – Fehler im System“ aufmerksam geworden. Linker ist seit Jahren für hochaktuelle, brisante Thriller bekannt, die sich den brennendsten Themen der Gegenwart widmen. Sei es nun der Dschihad, das Darknet oder eben nun die Influencer-Szene. Den Vergleich zu „Das Ting“ habe ich gewählt, da auch Linker einen humorvollen Blick auf die Mikro-, Makro- und Pseudo-Influencer wirft, der die Absurdität, die mitunter in den Sozialen Medien aufkommt, beleuchtet.

Von Beginn an ist „Influence“ ein echter Pageturner. Als (netz-)politisch interessierter Mensch werden viele Aspekte angesprochen, die Lust auf mehr machen. Wir begleiten Amir Karim kurz bevor er verfängliche Daten zu einem großen IT-Unternehmen leaken will. Doch genau am D-Day bricht das Internet zusammen. Amir ist verzweifelt und beginnt nach der Ursache zu forschen. Hängt sein geplanter Leak gar mit dem Internetkollaps zusammen? Sein ominöser Freund aus dem Netz, der Blogger Habakuk, kann ihm dabei vielleicht helfen. Doch auch von ungeahnter Richtung naht Unterstützung.

Viel mehr zum Inhalt wäre schon sehr spoilernd. Mich hat das Buch über zwei Tage nicht losgelassen. Der Rechtsruck der Gesellschaft, die Abhängigkeit von mobilen Endgeräten, die Ohnmacht der Politik, hier wird alles miteinander verbunden und nichts wirkt konstruiert. Die Protagonisten sind sehr sympathisch, auch wenn Amir manchmal sehr unbedacht agiert und man sich nur noch mit der Hand an den Kopf langt. Mit manchmal mehr Glück als Verstand manövrieren sich Amir und seine Mitstreiter durch den Irrgarten aus Instagramfanatikern, Datendiebstahl, Bürgerwehren und Kriegsdrohungen.

Der Schreibstil ist recht jugendlich, was im scharfen Gegensatz zu den mitunter sehr hochtrabenden philosophischen Gedankengängen steht. Das habe ich als sehr spannend empfunden. Die Argumente zeugen von einem sehr hohen politischen Verständnis beim Autor. Linker, als studierter Theologe, bringt auch dezent Inhalte aus seinem Studium mit ein, so heißt doch der große Kritiker der Datengiganten Habakuk, der sowohl im Islam, im Christentum als auch im Judentum als Prophet gilt.

Normalerweise versuche ich meine Erwartungen gering zu halten, um nicht enttäuscht zu werden. Hier hatte ich dennoch hohe Erwartungen, da ich das Thema einfach sehr spannend finde und tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht. Lediglich das letzte Viertel und besonders das Finale war meiner Meinung nach etwas unausgereift und hätte auch noch 100 Seiten mehr vertragen. Der „schlechte“ Schutz der Hauptzielperson wirkte sehr naiv, wo doch sonst alles so professionell ablief.

Die Frage, die sich mir zum Schluss noch stellt, gibt es eine Fortsetzung? Ich hoffe sehr darauf, denn jetzt käme eigentlich der spannende Teil. Eine positive Reinkarnation des Internets ist möglich.

Vielen Dank für das tolle Buch, Herr Linker und nicht vergessen: Das Netz vergisst nie (auch diese Rezension nicht)!

Das Buch ist im dtv-Verlag unter der Marke bold erschienen (ISBN: 978-3-423-23011-7) und kostet 14,90 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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