Buchempfehlung: Sieh mich an von Erin Stewart
Avas Weg zurück ins Leben

Mit "Sieh mich an" ist Erin Stewart einer der besten Debütromane gelungen, die ich kenne. Ohne große Vorkenntnisse habe ich mich einfach von Cover und Klappentext ansprechen lassen und begonnen zu lesen.

Worum geht's?

Ein verheerender Brand hat Ava alles genommen, was sie liebt. Sie ist sich sicher, das ist nicht nur das Ende ihres alten Lebens, sondern auch für sie selbst ein nicht auszuhaltendes Schicksal. Da sie selbst ebenfalls stark vom Feuer gezeichnet ist, wird ihr rund um die Uhr deutlich gemacht, wie anders sie jetzt ist. Obwohl Ava kaum jemanden an sich heranlässt und Trauer und Mutlosigkeit von ihr Besitz ergreifen, gibt es Menschen, die mehr in ihr sehen als nur das verbrannte Mädchen. Da Avas Cousine bei dem Brand ebenfalls ums Leben kommt, spiegelt das Buch den Trauerprozess aus zwei Perspektiven wieder. Einerseits die Sicht von Ava, die als Waise einen neuen Weg ins Leben finden muss, andererseits die ihrer Tante und ihres Onkels, die ohne ihre Tochter nun ein Leben ohne Kind bewältigen müssen

Wie war's?

Ich bin absolut baff. Allein mit dem Ausgangsereignis musste ich erstmal zurechtkommen. Die Situation von Ava ist so gut geschildert und wirkt so real. Ich musste mehrfach beim Lesen innehalten und einen Moment dankbar dafür sein wie gut es meiner Familie und mir geht. Avas Sehnsucht nach zuhause ist so unfassbar traurig!

In dem Buch wird auf wunderbare und ergreifende Art deutlich, dass unser Mensch-Sein durch mehr als nur unseren Körper, unsere Schönheit oder unseren Besitz gekennzeichnet ist. Erin Stewart schildert auf eine eindrückliche Weise wie sich die Blicke und Kommentare anfühlen müssen, wenn man nur noch als das verbrannte, hilflose Mädchen wahrgenommen wird. Das hat mich sehr zum Nachdenken motiviert. Wie gehe ich mit Menschen mit offensichtlichen äußerlichen Erkrankungen oder Beeinträchtigungen um? Ist Mitleid wirklich der richtige Weg? Was löse ich in Menschen wie Ava aus, wenn ich ihnen sage wie inspirierend ich sie finde? Das scheint auch Ava im Buch sehr zu stören. Auch Ava lernt nach und nach, dass das Aussehen wirklich nicht das Entscheidende ist, um akzeptiert zu werden. Jeder Mensch von uns hat Wunden und Narben, bei manchen sind sie zu sehen, bei manchen nicht und jedem kann vor allem durch eines Linderung verschafft werden: Wahre Freundschaft.
Als großer Fan von "Wunder" habe ich dieses Buch genauso geliebt und finde die gefühlvolle Umsetzung einer so dramatischen Idee grandios. Ich hoffe einfach, schon bald mehr von Erin Stewart zu lesen.

Das Buch ist bei heyne fliegt erschienen (ISBN: 978-3-453-27225-5) und kostet 16 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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