Buchempfehlung: Nacht in Caracas von Karina Sainz Borgo
Ein Land in Schutt und Asche

Da ich mich sehr für Außenpolitik interessiere und besonders die Situation in Venezuela angespannt verfolge, habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Das Cover finde ich super, es gibt eine erste Idee von der Lage in Venezuela. Ein buntes, lebendiges Land, das immer mehr ins Dunkel abrutscht.
Worum geht’s?
Adelaida Falcon beerdigt ihre Mutter. Sie war in den sich aufdrängenden Zeiten des Schreckens ihr Anker und ihre Hoffnung. Aber nun ist sie nicht mehr da. Mit steigender Verzweiflung begegnet Adelaida ihrem Schicksal. Marodierende Terrorgruppen, die unter dem Schutz der Regierung stehen, ziehen durch die Straßen und machen das alltägliche Leben zum Spießrutenlauf. In ihrer Aussichtslosigkeit sucht Adelaida nach dem berühmten Licht am Ende des Tunnels, aber immer mehr bekommt sie das Gefühl sie ist in einer Sackgasse und es wird nur immer dunkler.
Wie war’s?
Ich denke, dass kein Außenstehender einen Roman über die Situation in Venezuela schreiben kann, der ansatzweise beschreibt wie dramatisch die Zustände vor Ort sind. Lebensmittelknappheit, Verrohung, Kriminalität – all das schildert Karina Sainz Borgo ohne Übertreibungen, sondern mit einer beklemmenden Nüchternheit. Mit Adelaida als Protagonistin wirft sie einen intelligenten Blick auf das Grauen, das sich in dem Heimatland der Autorin abspielt. Solch ein Buch zu schreiben, finde ich absolut bemerkenswert. Der Schmerz über das Unglück ihrer Heimat ist ständig präsent. Ich verstehe das Buch von Sainz Borgo als wichtigen Beitrag zur lateinamerikanischen Literatur und auch, um ihren unterdrückten Mitbürgern (und Verwandten) vor Ort eine Stimme zu verleihen. Ihr seid nicht alleine und ihr werdet gehört. Der Schreibstil ist „typisch“ lateinamerikanisch mit einer Melancholie und Traurigkeit versetzt, die einem das Herz schwer macht. Die Beschreibungen von den „Mörserfrauen“ und dem Leben vor dem Horror in Venezuela sind authentisch und vermitteln einen guten Eindruck von einem der ehemals florierendsten Staaten Südamerikas. Die Geschichte ist spannend und Adelaida sympathisch. Der Leser erhält viele Einblicke in ihre Gedankenwelt und kann so mitfühlen. Bis auf an einer Stelle ist sie sehr selbstbewusst und schlagfertig.
Die Übersetzung ist gut, teilweise ist die bildliche Sprache aber schwer in deutsche Worte zu fassen. Ich denke, dass die Originalversion ein wahres literarisches Highlight ist.
Insgesamt ein sehr schönes Buch mit vielen Momenten, in denen man an dem Guten im Menschen zu zweifeln beginnt. Ständig im Bewusstsein, dass es sich hier nur sehr bedingt um Fiktion handelt. Für diesen wichtigen Roman zur Situation in Venezuela gibt es 5 Sterne und die Hoffnung, dass endlich wieder Frieden in diesem schönen Land einkehrt!

Das Buch ist im S.Fischer-Verlag erschienen (ISBN: 978-3-10-397461-4) und kostet 21 Euro in der gebundenen Ausgabe.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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