Den AutofahrerInnen an den Kragen, dem bisherigen System aber auch!

Ein lauer Sommerwind am Frankfurter Mainufer, eine hitzige Podiumsdikussion zur Veranstaltungsreihe "Frankfurt machen"- u.A. mit SPD-Planungsdezernenten Mike Josef (2 von rechts)
  • Ein lauer Sommerwind am Frankfurter Mainufer, eine hitzige Podiumsdikussion zur Veranstaltungsreihe "Frankfurt machen"- u.A. mit SPD-Planungsdezernenten Mike Josef (2 von rechts)
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Die Entwicklung vieler Großstädte steht derzeit auf dem Prüfstand.

Umliegende Gemeinden und Orte schauen interessiert hin und verfolgen sie aufmerksam - um daraus zu lernen oder eben um es gleich sein zu lassen...

Stand in Frankfurt die bisherige Nachkriegsgestaltung im Zeichen des Automobils, so soll das zukünftige Erscheinungsbild der Urbanität ganz anders ausschauen- allerdings am besten ohne Auto und bitte schon jetzt!

Im Rahmen des Stadtentwicklungsplanes „Frankfurt 2030+“ und der Veranstaltungsreihe „Frankfurt machen“ war am Donnerstag, den 20.08.2020 eine Podiumsdiskussion der besonderen Art geboten.

Unter dem Titel „Innenstadt Frankfurt“, präsentiert von Tim Frühling (HR-Moderator), gab es von den DiskutantInnen keine oder spärliche Informationen über die Zukunft der Innenstadt - vielmehr ging es um Ansichten, Wünsche und teilweise Schwarz-Weiß-Malereien und um Konfrontationen zwischen der jungen und der alten Generation.

Der SPD-Planungsdezernent Mike Josef stellte die bisherigen Bemühungen der Stadtverwaltung vor: Die Fahrradwege wurden gut ausgebaut, das Gelände unterhalb des Doms (Nördliches Mainufer) für den Kfz-Verkehr gesperrt, einige Straßenzüge verengt- weitere Ausbauphasen folgen.

Manchen ZuhörerInnen geht die Energie- und Verkehrswende zu langsam, zu bürokratisch sind die Hürden, zu unwillig die PolitikvertreterInnen.

Prof. Martin Knöll von der TU Darmstadt betonte die Wichtigkeit einer gesundheitsfördernden Infrastruktur: Gerade in den Corona-Zeiten sei Dank mehrerer Zählungen und infolge der Autosperrung im Gebiet eine Steigerung der Zahl der FahrradfahrerInnen dokumentiert (+30%).
Aus seiner Sicht sind diese Indizien dafür, dass die Gesellschaft vom bisherigen Wege abkommt und die Politik muss somit Antworten auf die aktuellen Bedürfnisse liefern.

Die Diskussion nahm eine andere Dynamik an, als das Publikum an der Reihe war. Insbesondere die jungen Anwesenden wandten sich an die Beteiligten mit scharfen Worten: Die Jugend kommt zu kurz. Die politische Beteiligung an den Entscheidungen, deren Effekte sie zu tragen haben werden, sei gering. Die Lage ist insgesamt verfahren, andere Länder und Städte preschen vor- mehrmals fielen die Namen der Städten Wien, Paris, Amsterdam, Kopenhagen und gar Tallinn als Leuchttürme einer modernen, logisch aufgebauten Infrastruktur.

Der Überbegriff ÖPNV kam nicht zu kurz: Es muss billiger und effektiver werden.

Heiko Nickel vom VCD Landesverband Hessen machte dann keinen Halt vor AutofahrerInnen: Sie müssen raus aus der Stadt. Die Kosten für Dauerparkplätze- welche heute noch max. 30,- € im Jahr kosten- sollten aus seiner Sicht um mindestens das Zehnfache steigen. Der Ausbau der A661 müsste rückgängig gemacht werden, viele Parkplätze in der Innenstadt ersatzlos entfallen- alles zu Gunsten der Rückeroberung der Bereiche durch FußgängerInnen, FahrradfahrerInnen und mit der Ausarbeitung eines neuen Konzeptes im Sinne einer künstlerischen Bespielung, unter Berücksichtigung einer nachhaltigen Begrünung der Plätze und mit Vermeidung der Entstehung von Hitzeinseln.
Die bisher als Tabu geltend „City-Maut“ müsste als Subventionierungsmaßnahme erwogen werden.

Das Thema selbst – zur Erinnerung: INNENSTADT- ging es größtenteils unter, man verzettelte sich zwischen Radwegekonzept, Auto-freie-Stadt und Autobahnausbau.

Lediglich der Hinweis vom Planungsdezernenten auf die Problematik wegen bald anstehenden Leerstände durch den Wegzug größerer Warenhäusern (Karstadt, ESPRIT, Appelrath & Küpper) und die erläuterte Vision des Inhabers des Gastro-Betriebs YOK YOK, Nazim Alemdar, aus den Verkehrsachsen Hauptbahnhof-Kaiserplatz-Hauptwache-Konstablerwache-Fahrgasse-Römerberg eine einzige Fußgängerzone entstehen zu lassen, brachten das Publikum zu dem zurück, wofür es an diesem Abend eigentlich gekommen war.

Die Schwarz-Weiß-Malerei prägte vielmehr diesen: da die Bösen- die AutofahrerInnen, und hier die Guten- der Rest.

Schade, denn für die Gesellschaft wäre es besser: Hier die Einen, da die Anderen- beide machen jedoch das Ganze aus und beanspruchen die Flächen gleichermaßen.
Ob verkehrstechnisch, beruflich wie privat, zur Erledigung von Angelegenheiten, zum An- und Abreisen.

Denn darum sollte es -nicht nur für die Großstadt- gehen: Konzepte für die Bedürfnisse der Einzelnen, Städte für Alle.

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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