Walpurgisnacht in Obernburg
Obernburgs dunkle Seiten- und der Vorhang fällt
- Die Hexe ist erlöst, das Feuer wird entfacht
- Foto: Theaterverein Obernburg
- hochgeladen von Andrea Faggiano
Vollmond über Obernburg, ein klarer Sternenhimmel – und rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich am 30. April 2026 um 20 Uhr auf eine ganz besondere Reise begeben haben: die letzte theatralisch begleitete Stadtführung „Obernburgs dunkle Seiten“ in ihrer bisherigen Form. Eine Walpurgisnacht, wie sie eindringlicher kaum hätte inszeniert werden können.
Geplant waren 90 Minuten. Geworden sind es zweieinhalb Stunden intensiver, bewegender und mitunter erschütternder Eindrücke.
Während draußen die letzten Sonnenstrahlen verschwanden, erhob sich aus dem Inneren der erste mahnende Ruf: Hier werden keine heiteren Anekdoten erzählt – hier sprechen die Schatten der Vergangenheit. Tragödien, die sich tief ins Gedächtnis der Stadt eingebrannt haben.
Die blutverschmierte Tasche am Ufer der Mümling, 2006.
Die Ermordung eines jungen Mannes beim Apfelblütenfest 1996.
Der verheerende Brand im Schwarzviertel im Jahr 1913. Und schließlich das grausame Schicksal einer gefolterten Hexe im Mittelalter.
Keine leichte Kost. Ein schonungsloses Resümee. Und doch: getragen von Respekt, Sensibilität und dem festen Willen, Erinnerung lebendig zu halten. Gerade bei den jüngeren Geschichten hatte der Theaterverein im Vorfeld mit viel Gegenwind zu kämpfen. Doch Mut und Pietät gingen hier Hand in Hand – und wurden am Ende belohnt.
Die wohl schönste Bestätigung kam direkt aus den Reihen der Teilnehmenden: „Bitte hört nicht auf, es ist so toll!“
Und doch wird sich etwas ändern.
Der Verein verabschiedet sich von diesem Format – nicht aus Resignation, sondern aus Überzeugung. „Obernburgs dunkle Seiten“ wird künftig nur noch einmal im Jahr stattfinden. Seltener, aber vielleicht gerade dadurch noch intensiver, noch besonderer.
Der Höhepunkt dieser Walpurgisnacht ließ nicht lange auf sich warten: Unter dem hell leuchtenden Vollmond, begleitet vom Großen Wagen am Firmament, wurden die Teilnehmer selbst Teil der Inszenierung. Gedanken wurden laut, Emotionen greifbar.
Die Hexe wurde schließlich erlöst, das Feuer entzündet, die Nacht erreichte ihren magischen Höhepunkt.
Und während Stille und Ehrfurcht den Moment trugen, erhob der Hexenmeister seine Stimme:
„Bei Vollmond schwören wir: Mögen die schlechten Erinnerungen vorübergehen, die guten bleiben, die besten noch kommen!“
Applaus brandete auf – immer wieder, von Herzen.
Doch das Erlebnis war noch nicht zu Ende.
Fast unbemerkt machten sich die ersten auf den Weg zum Almosenturm. Ein mühsamer Aufstieg – der sich mehr als lohnte. Obernburg bei Nacht, im silbernen Licht des Vollmonds: ein Anblick, der all das Erlebte noch einmal in eine andere, fast friedvolle Perspektive rückte.
Für viele das schönste Geschenk dieses Abends.
Und so verabschiedete man sich schließlich: leise, bewegt, nachdenklich. Eindrücke, die bleiben.
Bis ganz bald, ihr Erdenbürger!
Autor:Andrea Faggiano aus Obernburg am Main |
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