Buchempfehlung: Dieser weite Weg von Isabell Allende
Allende in bester Erzählstimmung

Spanien in den 1930er Jahren. Mit wechselnder Perspektive wird das Leben von Victor Dalmau und der jungen Pianistin Roser skizziert. Roser ist mit Victors Bruder Guillem glücklich und Victor träumt davon ein richtiger Arzt zu werden. Beiden wird ein gehöriger Strich durch die Rechnung gemacht, denn die grausigen Vorboten des 2. Weltkriegs vertreiben Hunderttausende Spanier und Katalanen aus ihrer Heimat Richtung Frankreich. Dort herrschen schon bald unwürdige Zustände und nur wenigen gelingt eine Flucht nach Südamerika. Leider warten auch dort nicht nur Wohlgesinnte und selbst die Politik beweist, dass Geschichte sich wiederholt.

Vorab möchte ich schon mal eine Leseempfehlung für all jene aussprechen, die sich mit der Geschichte der spanischsprachigen Länder, insbesondere Chiles und Spaniens, nicht gut auskennen. Während die Nazis in Deutschland die Macht ergriffen und auch nach dem Krieg, ging in der übrigen Welt ganz schön die Post ab. Viele der wahren Hintergründe des Romans waren mir nicht bekannt und daher war ich erstaunt, als ich in der Danksagung las, dass sämtliche historische Begebenheiten auf der Wahrheit beruhen. Isabel Allende, als direkte Verwandte von Salvador Allende, plaudert quasi aus dem Nähkästchen. Drumherum spinnt sie eine sehr feine und liebevolle Geschichte, die mit raffinierten Charakteren begeistert. Das Auf und Ab in den Irrungen und Wirrungen der chilenischen Geschichte ist beklemmend und stimmt traurig. Besonders die Gräueltaten zur Zeit Pinochets sind kaum zu ertragen - und leider trotzdem wahr.

Während manch einer Isabel Allende nachsagt, mittlerweile den Bezug zu ihrer Heimat verloren zu haben und "verpilchert" zu sein, ist dieses Buch ein weiteres Highlight der Autorin. Selbst vermeintlich langatmige Sequenzen werden durch die ausgereifte Sprache angenehm gestaltet und ein kontinuierlicher Spannungsbogen wird aufrecht erhalten. Die Liebesgeschichte ist nicht klischeebelastet und ebenso wenig vorhersehbar.

Die häufigen Perspektivwechsel sind gewöhnungsbedürftig, ermöglichen aber vielseitige Einsichten in die Gefühlswelten der Protagonisten. Der allwissende Erzähler lässt keine Lücken (bis auf das Schicksal des Sohns von Laura del Solar, das plötzlich "mitgeteilt" wird).

Am interessantesten waren für mich zweifelsfrei die politischen Hintergründe, die Allende ohne große Effekthascherei beleuchtet.

Ein sehr gelungenes Buch, das sich flüssig liest, aber durch die komplexe Thematik und die bewegende Geschichte nicht mal schnell in zwei Tagen gelesen ist!

Das Buch ist im Suhrkamp Verlag erschienen (ISBN: 978-3-518-42880-1) und kostet 24 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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