Buchvorstellung: Schwarzpulver von Laura Lichtblau
Schall und Rauch

As großer Fan von Dystopien wollte ich unbedingt den Debütroman von Laura Lichtblau lesen. Mit Schwarzpulver bringt sie ein Deutschland auf Papier, das sich hinter einer Spaltung der Gesellschaft befindet, die uns aktuell möglicherweise noch bevorsteht.

Worum geht's?
Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft. Eine patriotische, sicherheitsbesessene und konservative Partei steht an der Spitze des Staates und nutzt jede Möglichkeit für weitere Propaganda. Andersgläubige werden aufs Schärfste beobachtet und die Schaffung einer bis an die Zähne bewaffneten Bürgerwehr sorgt für eine düstere Atmosphäre. In diesem Tunnel der Angst irren drei Personen umher, Burschi, Charlie und Charlotte, die sich allesamt fragen, ob das so richtig ist und wenn nein, was denn der oder die einzelne überhaupt bewirken kann. Die junge Burschi kennt Traditionen von zuhause, ist aber so gar nicht in Einklang zu bringen mit der indoktrinierten herrschenden Meinung der Partei. Charlie widersetzt sich seiner Mutter Charlotte, jobbt bei einem pseudo-rebellischen Musiklabel und Charlotte selbst ist stolzes Mitglied der Bürgerwehr. Bis sie sich und ihren neuen Job mehr und mehr hinterfragt. Letztlich finden sich alle in einem Strudel der Ignoranz, der Sinnlosigkeit und der Verzweiflung wieder und versuchen diesem zu entkommen.

Wie war's?
Schwarzpulver ist eine literarische Dystopie. Nicht zu vergleichen mit thrillerähnlichen, erschreckenden Szenarien, die erhebliche Spannung aufbauen und meistens zwei, drei Helden haben, die sich gegen das System stellen. Viel eher empfand ich Schwarzpulver ähnlich wie 1984 von George Orwell. Ein übermächtiger Staat gibt nicht viel auf Mindermeinungen und regiert mit harter Hand. Gleichgesinnte werden nicht nur bejubelt, sondern im Rahmen der Bürgerwehr sogar noch bewaffnet. Homosexuelle, Ausländer und Systemkritiker werden verachtet, ausgegrenzt und abgestempelt. Ich fand das Buch nicht leicht zu lesen, da das Ziel so verworren war. Was bezweckt das Handeln der Protagonisten und was ist das eigentlich für ein Setting, in dem wir uns befinden? 
Die Autorin schafft mir Burschi eine liebenswerte Person, mit Charlie einen Rebell, der dringend aus der mütterlichen Zwangsjacke fliehen möchte und mit Charlotte eine Parteigenossin par excellence, die nach und nach das System und vor allem sich selbst in Frage stellt. 
Die verschiedenen Perspektiven sind interessant, münden für mein Empfinden aber in zu wenig gemeinsamen Szenen, sodass der große Zusammenhang nur gering ausfällt. Insgesamt wahrlich vielmehr Literatur als Belletristik mit interessanten Elementen einer nahezu paranoiden Gesellschaft und Protagonisten, die auf der Suche nach sich selbst sind.

Ein Buch der leisen Töne, das mit gutem Schreibstil den teilweise literarisch anspruchsvollen Inhalt auffängt und mich etwas ratlos zurücklässt.

Das Buch ist im C.H.Beck Verlag erschienen (ISBN: 978-3-406-75556-9) und kostet 18,95 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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