Eine Stadtführung, die nicht loslässt
Der Fall Katharina Märchtin: Zwischen Akten und Angst
- Der Hexenturm auf einer Zeichnung von 1927
- Foto: Heimat- und Verkehrsverein Obernburg
- hochgeladen von Andrea Faggiano
Am Samstag, 17. Januar 2026, lädt der Obernburger Theaterverein zu einer ganz besonderen Stadtführung ein. Doch wer hier an einen gemütlichen historischen Spaziergang denkt, wird schnell merken: Dieser Rundgang führt mitten hinein in eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte. Im Mittelpunkt steht unter anderem das Schicksal der Katharina Märchtin, einer Frau aus Obernburg, die im 17. Jahrhundert ins Mahlwerk der Hexenverfolgung geriet.
Die theatralisch begleitete Stadtführung, gestaltet vom Theaterverein Die Granatsplitter e.V., verbindet historische Fakten mit eindrucksvollen Spielszenen. Darstellerinnen und Darsteller lassen an Originalschauplätzen Geschichte lebendig werden – nicht abstrakt, sondern spürbar, nah und erschütternd.
Besonders eindringlich wird der Blick auf den Fall Katharina Märchtin. Lange glaubte man, dass die Hexenprozesse in Obernburg ohne Todesopfer geblieben seien. Doch ein im Staatsarchiv Würzburg wiederentdecktes Dokument beweist: Auch hier forderte der Hexenwahn Menschenleben. Katharina Märchtin wurde 1642 verhaftet, schwer gefoltert und über Jahre hinweg in einem rechtlichen Schwebezustand festgehalten – weder freigesprochen noch verurteilt. Ihr Fall zeigt beispielhaft, wie Angst, Aberglaube und Denunziation ganze Existenzen zerstörten.
Während der rund 90-minütigen Führung begegnen die Teilnehmenden nicht nur historischen Orten, sondern auch den Fragen, die bis heute nachhallen: Wie konnte es so weit kommen? Wer geriet ins Visier – und warum? Und was sagt dieses Schicksal über eine Gesellschaft aus, die sich ihrer eigenen Zweifel nicht mehr sicher war?
Der Weg führt unter anderem
– in die Tiefenschichten der Anna-Kapelle,
– über den Friedhof, wo Geschichte und Legende ineinandergreifen,
– durch das geheimnisvolle Schwarzviertel,
– und schließlich in den Hexenturm, der mit einer eindrucksvollen Szene zur Hexenverfolgung einen beklemmenden Schlusspunkt setzt. Gerade hier wird die Geschichte der Katharina Märchtin greifbar – als Mensch, nicht nur als Akteneintrag.
Die Führung beginnt um 15:30 Uhr an der Annakapelle und findet bei jedem Wetter statt. Festes Schuhwerk und warme Kleidung werden empfohlen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung wird daher dringend angeraten.
Diese Stadtführung richtet sich an alle, die Geschichte nicht nur hören, sondern fühlen möchten – an Einheimische ebenso wie an Gäste, an historisch Interessierte, Familien mit älteren Kindern und alle, die bereit sind, sich auch den Schattenseiten der Vergangenheit zu stellen.
Weitere Informationen und Anmeldung telefonisch unter 0170 / 9881681 sowie per Mail unter obernburgertheaterverein@yahoo.com
Tickets online unter www.eventfrog.de
Ein Rundgang, der bewegt – und der lange nachwirkt.
Autor:Andrea Faggiano aus Obernburg am Main |
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