"Russische Winterträume"
Brillante Stimmen aus schwermütiger Brust

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Männerchor Rüdenau singt mit St. Daniel´s-Chor aus Moskau in vollbesetzter Miltenberger St. Jakobuskirche Miltenberg.
Es war ei­ne Sch­re­ckens­nach­richt, die die Be­su­cher am Sonn­ta­g­a­bend, be­vor das Kon­zert an­fing, er­eil­te: Der Lei­ter und ers­te Bass des rus­si­schen Cho­res St. Da­niels, Vla­dis­lav Be­li­kov (47), ist vor we­ni­gen Ta­gen nach ei­nem Kon­zert plötz­lich ver­s­tor­ben. Ein entsetztes Flüstern bis in die hintersten Reihen flirrte durch den Kirchenraum von St. Jakobus. Für den Männerchor Rüdenau war es ein großer Schock, schließlich verband die Männer eine über 25-jährige, innige Freundschaft mit dem Chor und dem Verstorbenen. Kurz vor dem Konzert war Vorstandssprecher Arnulf Brand noch intensiv mit Belikov im Gespräch gewesen.
Das unter außergewöhnlichen Umständen dargebotene Konzert trug den Untertitel »Russische Winterträume«. Beide Chöre hatten entsprechend emotionale Literatur dazu einstudiert. Aufgrund dessen, dass aber das russische Quartett plötzlich als Trio auftreten musste, hatten die Männer ihr ursprüngliches Programm abgeändert. Dass Alexji Burmistrov (2. Tenor und Sprecher des Trios), Alexander Borodejko (Tenor) und Kiril Kapacinskich (2. Bass) brillante Stimmen haben, steht außer Frage.
Die Männer singen alle mit einer feinfühligen Gesangstechnik, besitzen warme Klangfarben und glänzen mit Präzision in ihren Stimmen, wie fein geschliffene, funkelnde Diamanten. Trotz Erkältung und einer Stimme weniger sangen alle drei mit einer Intensität, die Gänsehaut erzeugte. Zwar waren sie leise, aber dafür sehr intensiv so wie das »Ich bete an die Macht der Liebe« von Dimitri Bortjansky oder das »Ave Maria« von Schubert, das Alexander Borodejko sang. Beim liturgischen »Kyrieeleison« klang typisch russischer Schwermut mit, das Kiril Kapacinskich ein wenig später mit »Love me tender« wieder auflöste. Die Besucher hörten von ihnen noch ein paar russische Volksweisen.
Der Rüdenauer Männerchor stemmte sein erstes großes Konzert mit dem Organist und neuen Chorleiter Alexander Huhn, der mit den Männern ein strahlendes »Hymne an die Nacht« hervorbrachte. Mit voller Überzeugung und sauber intoniert haben die Männer die Stücke »Wolgaschlepper« und das dynamikgeladene »Kalinka« präsentiert. Am Ende sang der russische Chor gemeinsam mit den Rüdenauern ein herzergreifendes »Das einsame Glöcklein« von Wilhelm Heinrichs und "Die Legende der zwölf Räuber", eine russische Volksweise von Otto Fischer.
Neben den Gesängen bereicherten feierliche Instrumentalstücke das Konzert. Alexander Huhn spielte auf der Orgel das berauschende »Finale« aus der 1. Symphonie von Louis Vierne und die »Sinfonia« aus der Ratswahlkantate von Bach. Das Holzbläserensemble des Musikvereins Rüdenau unter der Leitung von Monika Sudra spielte das »Arioso«, eine Kantate von Bach (arrangiert von Alfred Reed) und »Mood-Romantic« von Johan Nijs. Am Klavier begleitete Clara Schmid.
Am Ende sangen die Chöre mit den Kirchenbesuchern ein kräftiges »Oh Du Fröhliche«. Der russische Chor sammelte nach dem Konzert noch Spenden für ihren plötzlich verstorbenen Sangesfreund, der eine Frau und zwei Kinder hinterlässt. Anja Keilbach

Autor:

Arnulf Brand aus Miltenberg

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