Bleibelastung im Boden: Weitere Untersuchung soll Klarheit bringen

Der Boden hinter dem Wall der Wurfscheibenschießanlage Mainbullau ist stark mit Blei belastet. Das hatte eine orientierende Untersuchung ergeben, so der Leiter des Aschaffenburger Wasserwirtschaftsamts (WWA), Dr. Herbert Walter, bei der Vorstellung der Ergebnisse im Miltenberger Landratsamt. Um den genauen Umfang der Belastung zu ermitteln und um herauszufinden, ob Gefahr für das Grundwasser besteht, müsse Walter zufolge eine Detailuntersuchung folgen.

Wie Walter sagte, seien – der aktuellsten DIN-Vorschrift entsprechend – hinter dem Wall an fünf Stellen mittels Bohrstock in unterschiedlichen Tiefenhorizonten Bodenproben genommen worden. An einer der Stellen sei zudem geschürft worden. Die Proben seien mit einer „Referenzprobe“ zur Ermittlung der Hintergrundbelastung in der Nähe des Schießstands verglichen worden, die nicht durch den Schießbetrieb belastet ist. Das Ergebnis: Während der Bleigehalt an der „Referenzstelle“ 66 Milligramm pro Kilogramm in der Humusauflage betrug, lag dieser Wert an einer Stelle hinter dem Wall bei 25.700 Milligramm pro Kilogramm. Auch im darunter liegenden mineralischen Oberboden waren die Werte deutlich erhöht: In einer Tiefe zwischen fünf und 20 Zentimetern lag der Wert bei 23.600 Milligramm pro Kilogramm (Referenzprobe: 38 Milligramm pro Kilogramm).

Gemessen wurde auch, wie sehr sich Blei in Wasser löst – das sogenannte Eluat. Auch hier waren die Werte sehr hoch: In den ersten fünf Zentimetern des Bodens lag ein Bleiwert bei 5200 Mikrogramm je Liter im Eluat gegenüber 52 Mikrogramm in der Referenzprobe. Auch in einer Tiefe zwischen fünf und 20 Zentimetern wurden erhöhte Werte gemessen, teilweise bis zu 16.000 Mikrogramm pro Liter.

Um die Werte einordnen zu können, bedienen sich die Fachleute Prüfwerten aus den Bodenschutzgesetzen und -verordnungen, die sich auf die Auswirkungen auf den Menschen sowie auf das Grundwasser beziehen.
Der Prüfwert für den Wirkungspfad Boden-Mensch für Park- und Freizeitanlagen – und als solche ist die frei zugängliche Fläche hinter dem Schusswall einzuordnen – beträgt 1.000 Milligramm je Kilogramm. Die in Mainbullau gemessenen Werte liegen aber bei bis zu 25.700 Milligramm pro Kilogramm. Nicht nur Walter, sondern auch das Gesundheitsamt, sehen diese Werte eindeutig: „Der Prüfwert ist hier weit und massiv überschritten“, schreibt der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Erwin Dittmeier, in einer Stellungnahme. Eine Gefahr für Spaziergänger bestehe dort aber nur, wenn das Blei über den Mund aufgenommen wird. Im Rahmen einer Detailuntersuchung muss nun jedoch weiter geprüft werden, durch welche Maßnahmen die Gefahr wirkungsvoll verhindert werden kann.

Bezüglich des Wirkungspfads Boden-Grundwasser ist nach Ansicht der Fachleute bedenklich, dass das Blei durch das Niederschlagswasser ausgewaschen und mit dem Sickerwasser in die Tiefe verfrachtet wird. Der Boden halte das Blei aufgrund seiner Beschaffenheit nicht zurück. Weiter führt die Behörde an, dass der Unterboden – der Boden in einer Tiefe zwischen ca. 20 und je nach Standort bis zu 70 Zentimetern – keine erhöhte Bleibelastung aufweist: Das spreche dafür, dass das mit Blei belastete Wasser durch diesen Horizont nach unten abfließt und kein Blei zurücklässt. Durch Klüfte im Untergrund könnte das Wasser weiter abfließen und man wisse nicht, wo das belastete Wasser im Grundwasser landet, so Dr. Herbert Walter. Deshalb spreche sich seine Behörde auch für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser für eine Detailuntersuchung aus, die die noch offenen Fragen klären soll.

In der orientierenden Untersuchung konnte der Anfangsverdacht nicht ausgeräumt werden, weshalb nun Detailuntersuchungen für beide Wirkungspfade notwendig sind. Einig sind sich die Fachbehörden, dass kein weiterer Bleieintrag erfolgen darf. Mit dem Bayerischen Jagdschutzverein Miltenberg und den Grundstückseigentümern gilt es nun eine Lösung zu finden, stellte Stefan Pache, Leiter der Umweltschutzabteilung am Landratsamt fest. Wer die Kosten für die Detailuntersuchung tragen muss, wird noch geklärt. Die orientierende Untersuchung hat der Freistaat Bayern bezahlt.

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