Stadtrat Wolfgang Giegerich
Abschied aus dem Stadtrat Aschaffenburg
- Jeweils mehrere Amtsperioden haben sich die Stadträte Anne Lenz-Böhlau, Wolfgang Giegerich und Erika Haas im Aschaffenburg Stadtrat ehrenamtlich engagiert.
- Foto: Anne Lenz-Böhlau
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Vergangenen Montag war die letzte Plenumssitzung der Aschaffenburger Stadträte Wolfgang Giegerich, Anne Lenz-Böhlau und Erika Haas. Die drei SPD-Stadträte waren zusammen 72 Jahre im Stadtrat. Wolfgang Giegerich gehörte dem Kommunalparlament von 1996 bis 2026 an, Anne Lenz-Böhlau von 2002 bis 2026 und Erika Haas von 2008 bis 2026. Die Drei, die alle im Aschaffenburger Stadtteil Nilkheim wohnen, hatten unterschiedliche Schwerpunkte.
Anne Lenz-Böhlau, die auch Vereinsringvorsitzende in Nilkheim ist, kümmerte sich vor allem um Schule und Bildung und soziale Fragen. Dabei kam ihr die Berufsausbildung als Krankenschwester und ihre zupackende Art zugute.Sie versteht es Themen direkt anzusprechen und in einer Gruppe auszugleichen und sie zusammenzuhalten. Sie war 18 Jahre im Aufsichtsrat der Aschaffenburger Versorgungs GmbH. Kommunale Versorgung war ihr wichtig.Die letzten Jahre führte sie die Geschäfte der SPD-Stadtratsfraktion.
Auch Erika Haas hat eine Ausbildung in der Krankenpflege. Außerdem war sie im Betriebsrat des Klinikums Aschaffenburg.Folglich konnte sie ihre beruflichen Erfahrungen gut als Vertreterin im Krankenhauszweckverband nutzen. Mit Akribie und Ehrgeiz arbeitete sie sich in die Themen des Planungs- und Verkehrssenats und des Umwelt- und Verwaltungssenats ein, wo sie als Sprecherin die Standpunkte der SPD-Fraktion vertrat.
Wolfgang Giegerich war 30 Jahre im Stadtrat, davon 11 Jahre als Fraktionsvorsitzender. Er erlebte die drei SPD-Oberbürgermeister Dr. Willi Reiland, Klaus Herzog und Jürgen Herzing, drei unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ein Macher, ein Integrator und ein Krisenerprobter, die richtigen Personen zur richtigen Zeit.
Wolfgang Giegerich zitierte in seinen Abschiedsworten Max Frisch: "Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen." Für mich bedeutet es, dass die Busse fahren und bezahlbar sind, ausreichend Kitaplätze, ein vielfältiges Kulturangebot, bezahlbare Wohnungen, genügend öffentliche Toiletten, auch in den Stadtteilen, Unterstützung des Ehrenamts, ein solider Haushalt und vieles mehr. Dabei geht es nicht um mich, sondern um die Gemeinschaft, um die Stadt mit allen ihren Einwohnern.
Nach 30 Jahren im Stadtrat unserer Stadt Aschaffenburg endet für mich eine Zeit mit unterschiedlichen Herausforderungen. Das wäre nicht ohne einen kooperativen Stadtrat und eine funktionierende Verwaltung zu bewältigen gewesen. Dabei sollte aber eines klar sein: der Souverän ist der Stadtrat. Der Stadtrat ist kein Bremsklotz, sondern der maßgebliche Entscheider. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass dies vergessen wurde.
Ich war 30 Jahre lang Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion. Eine politische Heimat, die geprägt war von Engagement und dem festen Willen, unsere Stadt sozial gerecht, lebenswert und zukunftsfähig zu gestalten. 11 Jahre durfte ich als Fraktionsvorsitzender Verantwortung tragen. Diese Aufgabe war fordernd – aber ich habe sie gerne gemacht, auch wenn es neben der normalen Berufstätigkeit noch fast ein Halbtagsjob war.
Politik auf kommunaler Ebene bedeutet Nähe. Nähe zu den Menschen, zu ihren Anliegen, zu ihren Sorgen – aber auch zu ihren Hoffnungen. Wir entscheiden hier nicht abstrakt, sondern ganz konkret über das Leben in unserer Stadt: über Schulen, Straßen, Wohnraum, Kultur und das soziale Miteinander. Diese Verantwortung habe ich immer sehr ernst genommen. Das ist kein „komm ich heute nicht, komm ich morgen.“ Das ist ein Auftrag der Bürgerinnen und Bürger. Sie haben uns Vertrauen entgegengebracht, und dem müssen wir gerecht werden. Wir haben in Nilkheim 24 Jahre unsere Sprechstunden gehabt. Unser Motto war: "Wir kümmern uns um ihre Anliegen, von der Mülltonne bis zum Klassenzimmer und zur Tempo 30 Zone, aber wir versprechen nichts.“
Natürlich lief in diesen drei Jahrzehnten nicht immer alles reibungslos. Stichworte: Finanzkrise 2008, Zuwanderung 2015, Corona 2020, Mord im Schöntal 2025. Es gab unterschiedliche Meinungen, harte Debatten und auch Konflikte. Doch genau das gehört zur Demokratie. Und ich bin überzeugt: Gerade in der sachlichen Auseinandersetzung liegt ihre Stärke. Mein Dank gilt daher ausdrücklich allen Fraktionen dieses Hauses. Der respektvolle Umgang miteinander – auch bei unterschiedlichen Positionen – war und ist die Grundlage unserer Arbeit.
Ein besonderer Dank gilt meinen Freunden in der SPD-Fraktion. Ebenso danke ich der Verwaltung für die oft nicht einfache, aber stets konstruktive Zusammenarbeit. Wenn ich heute zurückblicke, dann bin ich dankbar für das Vertrauen, das mir über so viele Jahre entgegengebracht wurde. Dankbar für die vielen Begegnungen und Gespräche. Dankbar, dass ich ein Stück zur Entwicklung unserer Stadt beitragen durfte.
Gleichzeitig ist es Zeit, Platz für neue Ideen und neue Kräfte zu machen. Jetzt sollen mal die Jungen ran und die Frauen, hier hat der Stadtrat in Aschaffenburg Defizite. Ich verabschiede mich heute mit einem guten Gefühl. Aschaffenburg ist eine starke, lebenswerte Stadt – und ich bin stolz, ein Teil ihrer politischen Geschichte gewesen zu sein. Vielen Dank für Ihr Vertrauen, für die Zusammenarbeit und für diese Zeit.
"Alles Gute für Sie – und für unsere Stadt."
Autor:wolfgang giegerich aus Aschaffenburg |
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