Bildergalerie und Essay
Von wegen "Altes Eisen"!
- Mit dabei Mara Emmert (11 Jahre), die jüngste Musikerin spielt Waldhorn.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Erste Impressionen aus Wertheim vom 20.09.2026 aus dem Burggraben von einem gelungenen Frühschoppen-Konzert mit junggebliebenen Musikerinnen und Musikern aus Lengfurt (Main-Spessart).
Weitere Infos und Bilder folgen!
Blech, Burg, Brezel, belegte Brötchen. – „Kein Altes Eisen“ brennt im Burggraben.
Man nehme eine geschichtsträchtige Kulisse, ein sichtlich hungriges Publikum und ein Orchester, das den Begriff „Ruhestand“ maximal als Fremdwort aus dem Duden kennt.
Am vergangenen Sonntag verwandelte sich der Burggraben von Burg Wertheim ab 11 Uhr in ein Epizentrum der puren Lebensfreude.
Die All/Alt Stars der Musikkapelle Lengfurt luden zum musikalischen Frühschoppen – und bewiesen eindrucksvoll, dass dieses „Alte Eisen“ so glänzend poliert ist wie die Trichter ihrer Posaunen.
Nachdem man dem Publikum diesmal die fast sommerliche Kernschmelze im einstigen, glühend heißen Juni 2025 clevererweise erspart hatte, harmonierte der Ausweichtermin am 20. September 2026 so perfekt wie Schlüssel und Schloss.
Bei angenehmen Temperaturen und wohligem Spätsommerwetter entfesselte der Dirigent Andy Emmert sein rund dreißig-köpfiges Ensemble, das seit fast 15 Jahren erfolgreich die Gesetze der klassischen Blasmusik aushebelt.
Wer hier dröge Marschmusik im Bierzelt-Takt erwartete, wurde von einer Soundwand überrollt, die so bunt war wie das Publikum selbst.
Von den Beach Boys über Udo Jürgens bis hin zu den Blues Brothers – das gleichmäßig besetzte Register feuerte die Hits mit so viel Charme, Herz und Esprit ab, dass selbst die alten Burgmauern im Takt mitzuwippen schienen. Begleitet von einer launigen Moderation flog die Zeit zwischen Speis, Trank und Taktstrichen nur so dahin.
Die Stimmung im Graben war dementsprechend ausgelassen, was sich auch in den Meinungen der sichtlich begeisterten Besucher widerspiegelte:
* Monika W. (52, Wertheim): „Ich dachte, ich gehe nur wegen der Verpflegung hin, aber die Blues Brothers auf Blechblasinstrumenten haben mich komplett umgehauen. Dieses ‚Alte Eisen‘ hat mehr Drive als so manche junge Rockband!“
* Karl-Heinz G. (71, Marktheidenfeld): „Dass der Eintritt frei war, war eigentlich eine Frechheit für diese Leistung. Ich habe meinen Hut gerne und tief für die Kollekte geöffnet. Die Moderation war herrlich spritzig und das Evita-Stück am Schluss hat das Ganze perfekt abgerundet.“
Bei dem angebotenen digitalen Wunschkonzert konnten die Gäste per QR-Code aktiv in das Programmgeschehen eingreifen. In der ersten Abstimmungsrunde setzte sich mehrheitlich ein Titel von Eric Clapton durch und wurde mit großem Beifall aufgenommen.
Die zweite Runde entschied das Publikum zugunsten des Rock-Klassikers „Proud Mary“, der schließlich auch eine sehr umjubelte Zugabe des Abends bildete. Mitklatschen, Mitsummen und viele strahlende Gesichter zeigten, dass die Idee des interaktiven Wunschkonzerts ein voller Erfolg war. So wurden die Zuhörer selbst zu Mitgestaltern eines musikalischen Finales, das noch lange nach dem letzten Ton nachklang.
Mit den Klängen aus dem Musical Evita erhielt der Abend schließlich einen Hauch großer Bühne. Die Geschichte der charismatischen Eva Perón, einer Frau zwischen Volksnähe, Glanz und politischer Symbolkraft, zählt bekanntlich zu den bewegendsten Stoffen der Musicalgeschichte. Leidenschaft, Sehnsucht und ein unbeugsamer Wille prägen die Figur bis heute und verleihen den berühmten Melodien ihre besondere Strahlkraft.
So klang der Konzertabend mit einem musikalischen Blick über den Alltag hinaus aus. Zwischen Rockklassikern, Wunschkonzert und den großen Gefühlen von Evita entstand als zauberhafte Zugabe eine Stimmung, die noch lange nach dem letzten Applaus nachwirkte.
Fazit: Der verlegte Burg-Frühschoppen war ein Volltreffer. Die Musikkapelle Lengfurt hat gezeigt, dass Leidenschaft kein Verfallsdatum kennt. Wer diesen Vormittag verpasst hat, hat nicht nur exzellente Musik, sondern auch eine charmante Party des Spätsommers versäumt.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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