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Wo Licht singt und Schatten klingt.
- Klarheit, Kontrast, Klangkultur. Canto chiaro machte aus dem Wechselspiel von Hell und Dunkel keine bloße Idee, sondern eine hörbare Erfahrung – und setzte damit einen gedanklich starken Schlusspunkt unter die Miltenberger Kirchenmusiktage 2026.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Canto chiaro beschließt die Miltenberger Kirchenmusiktage in St. Jakobus mit „Chiaroscuro“ – einer feinsinnigen Reise durch Hell und Dunkel, Trost und Trauer, Spannung und Stille.
MILTENBERG. Am Sonntagnachmittag, 4. Oktober 2026, wurde die Stadtpfarrkirche St. Jakobus zum Resonanzraum für jene Zwischentöne, die sich einfachen Gewissheiten entziehen. Zum Abschluss der Miltenberger Kirchenmusiktage stellte das Würzburger Vokalensemble canto chiaro sein Programm „Chiaroscuro“ vor.
Der Titel, der Malerei entlehnt, bezeichnet das Spiel von Licht und Schatten. Musikalisch wurde daraus mehr als ein hübsches Bild: ein dramaturgisches Prinzip, das Gegensätze nicht gegeneinander ausspielte, sondern ihre Berührung hörbar machte.
Canto chiaro, 2022 in Würzburg gegründet und auf Vokalmusik des 16. und 17. Jahrhunderts spezialisiert, denkt Alte Musik ausdrücklich aus der Gegenwart heraus.
In Miltenberg spannte das Ensemble den Bogen deshalb weit: vom Madrigal und der geistlichen Musik des Frühbarocks über romantische Klangwelten bis zu Vokalsprache und Klangexperimenten des 20. und 21. Jahrhunderts.
Im Zentrum stand Johann Sebastian Bachs Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227 – ein Werk, in dem Glaubensgewissheit und Weltabkehr, Trost und Unruhe auf engstem Raum ineinandergreifen.
Schon die Programmausschnitte benannten die Pole mit großer Deutlichkeit:
Claudio Monteverdis „A un giro sol“ ließ das Licht des Tages in die Flüchtigkeit menschlicher Empfindung fallen.
Heinrich Schütz’ „Die mit Tränen säen“ verwandelte Klage in Hoffnung.
Thomas Tomkins führte mit „To the shady woods“ in schattige Trauer.
Dem standen James MacMillans „O Radiant Dawn“ und Max Regers „Nachtlied“ gegenüber – Musik, die Dunkelheit nicht vertreibt, sondern in Leuchten verwandelt.
Gerade in der Akustik von St. Jakobus gewann dieses Konzept Plausibilität.
Die Kirche war nicht bloß Kulisse, sondern klanglicher Mitspieler: Töne durften ausschwingen, Linien sich überlagern, Pausen Gewicht bekommen. So entstand kein hastiger Epochenparcours, sondern ein Gespräch über Jahrhunderte hinweg.
Monteverdis affektgeladene Textnähe, Schütz’ geistliche Beredsamkeit, Bachs strenge und zugleich zutiefst menschliche Architektur, Regers spätromantische Wärme und MacMillans klare Moderne erschienen als unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Wie viel Schatten braucht das Licht, um sichtbar zu werden?
Die Mitwirkenden:
Das solistisch besetzte Ensemble sang mit Katharina Schneider (Sopran), Carolina Schremmer (Sopran), Kea Niedoba (Alt), Marcel Hubner(Tenor /Altus) sowie Simon Kuhn (Bass). An der Orgel spielte Philipp Steigerwald.
Die Programmkonzeption von canto chiaro setzte dabei auf den Reiz charakteristisch unterschiedener Einzelstimmen und ihre Bündelung zu einem transparenten Ensembleklang.
Als Abschlusskonzert der Reihe „Die Sprache der Musik“ fügte sich „Chiaroscuro“ folgerichtig in die Miltenberger Kirchenmusiktage ein: Sprache wurde Klang, Klang wurde Raum, Raum wurde Deutung.
Fazit:
Klarheit, Kontrast, Klangkultur. Canto chiaro machte aus dem Wechselspiel von Hell und Dunkel keine bloße Idee, sondern eine hörbare Erfahrung – und setzte damit einen gedanklich starken Schlusspunkt unter die Miltenberger Kirchenmusiktage 2026.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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