Zum 250. Geburtstag Beethovens: Skurril und sehr musikalisch

Zum Abschluss gestalten Stephan Picard, Tina Teubner und Ben Süverkrüp eine außergewöhnliche Interpretation von Beethovens "Ich liebe dich".
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Elsenfeld. Es war zugleich eine amüsante und tiefgründige Aufführung, die am Freitagabend, 2. Oktober, im Elsenfelder Bürgerzentrum stattfand und vom Kulturreferat im Landkreis Miltenberg im Rahmen des diesjährigen Kulturwochenherbstes veranstaltet wurde. Unter dem Titel »Beethoven – Unsterblichkeit für Fortgeschrittene« schufen die Kabarettistin Tina Teubner, der Geiger Stephan Picard und der Pianist und Autor Ben Süverkrüp eine interessante literarische und hoch musikalische Verbindung zwischen Ludwig van Beethovens Sonaten für Violine und Klavier, verknüpft mit einer Lesung, die Ben Süverkrüp eigens für das Programm zum 250. Geburtstag des berühmten Komponisten geschrieben hatte.

Die knapp 40 Besucher wurden ins Jahr 1827 zurückgeführt, an Beethovens Sterbebett gesetzt und in ein Musikgedankentheater entführt. Das als Despot bekannte Musikgenie wünscht sich nach seinem Ableben eine Musik der Zukunft nach seiner Vorstellung. Eine »Beethovenmaschine« soll von Johann Mälzel, einem gut betuchten k. und k. Hof-Kammermaschinist, konstruiert werden. Leider hat Besagter wenig erfolgreich Hörrohre für den nahezu tauben Komponisten entworfen. Mälzel war allerdings Schöpfer des Metronoms, das er als einziges seiner Erfindungen patentieren ließ. Die Männer diskutieren über Fragen der Zukunft: Es geht um die Gefahren der Moderne, aber auch um Europa, über die Freiheit, die Liebe und die Einsamkeit. Eine putzmuntere Tina Teubner rezitiert, zwischendurch spielen Stephan Picard und Ben Süverkrüp Auszüge aus Beethovens Sonaten. Unter anderen den ersten Satz aus der Sonate F-dur op. 24 (Frühlingssonate), die Sonate G-Dur (Opus 96) und die c-Moll-Sonate (Opus 30/2). Die künstlerische Note der Darbietung lässt in ihrer Virtuosität nichts zu wünschen übrig.

Der alte Ludwig van Beethoven hadert mit sich und der Welt. Er gibt sich dem Suff hin, beschimpft seine Zimmerwirtin und wirft mit Weingläsern um sich. Eine Komponiermaschine könnte ihn unsterblich machen. Mälzel soll sie entwickeln. Doch letztlich gelingt es dem Kammermaschinisten nicht, Beethovens Wunsch, eine Musik der Zukunft zu schaffen, die seinen Vorstellungen

entspricht, in die Realität umzusetzen. Eine Musik, die den Menschen in seinem Inneren bewegt. Die Maschine gibt zwar einige krächzende Töne von sich, doch die hören sich an wie »Atemlos durch die Nacht«.

Dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen, entscheidet sich Beethoven letztlich fürs irdische Leben. Er habe schon Bekanntschaft mit der Etage tiefer gemacht. Es habe ihm nicht gefallen, denn dort sei es zu langweilig. Eine Metapher, die wie andere einfallsreiche Ideen in die Geschichte eingebaut wurde und Fiktion mit dem realen Leben Beethovens verknüpfte.

Ziemlich skurril hat der Autor die Geschichte gestaltet, die sich im Kern an den historischen Hintergrund und an die Persönlichkeit Beethovens, dem mürrischen Genie, hält. Dem Publikum in Elsenfeld hat es gefallen. Es klatschte langanhaltend. Als Lohn wurde es mit einer Zugabe beglückt. Beethovens »Ich liebe dich«, eigentlich von Vocalisten intoniert, spielten Musiker und Rezitatorin in einer außergewöhnlichen Besetzung mit Klavier, Geige und gestrichenem Sägeblatt (Tina Teubner).

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