Windkraft an der Sehboldsruhe
Fakten statt Falschbehauptungen
- In diesem mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz generierten Bild sind die Windräder an möglichen Standorten in der korrekten Größe dargestellt. Diese wurde von einem Fachmann mit Hilfe des Bayern-Atlasses ermittelt.
- hochgeladen von Sabine Balleier
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
zurzeit kursieren eine Menge Anzeigen, Flugblätter und ähnliches Material von der Bürgerinitiative WK65 Sehboldsruhe, die in Miltenberg und darüber hinaus für große Verunsicherung und Aufregung sorgen. Leider verbreitet die BI eine Reihe von Falschinformationen und Unterstellungen mit dem Ziel, den Menschen Angst zu machen und sie gegen das Vorhaben aufzubringen.
Wir, die Stadträte der SPD/Grünen-Fraktion, möchten hier aus diesem Grund mit den wichtigsten Falschbehauptungen aufräumen und Ihnen sachliche und fachlich fundierte Informationen an die Hand geben, damit Sie sich selbst eine objektive Meinung bilden können. Wir hoffen, damit einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte leisten und Ihnen auch unsere Beweggründe für den Bau von Windrädern näherbringen zu können.
Zum Auftreten der Bürgerinitiative sei vorweg noch gesagt, dass den Vertretern eine Teilnahme an einem Runden Tisch angeboten wurde, wo sie Informationen erhalten und Bedenken anbringen können und damit mittelbar am Verfahren beteiligt wären. Dies lehnt die BI ab, was wir nicht nachvollziehen können.
Im Folgenden nehmen wir Stellung zu den wichtigsten Aussagen der BI:
1. Fotomontage: So, wie die Windräder in der Fotomontage der BI im Verhältnis zu Landschaft und Gebäuden dargestellt sind, wären sie in Wirklichkeit 400 Meter oder mehr hoch – was stark übertrieben ist. Außerdem sind Windräder nicht schwarz und werden in der Landschaft niemals so erscheinen. Damit schürt die BI Ängste.
2. Prüfung/Verfahren: Die Behauptung, dass der Projektierer die Standorte der Windräder selbst prüft, ist falsch. Die BI unterstellt in diesem Zusammenhang, dass der Projektierer aus Rendite-Interessen heraus die Konditionen für sich zurechtbiegen könnte. Das ist nicht korrekt.
Richtig ist: Der Projektierer lässt auf seine Kosten die notwendigen Voruntersuchungen machen, um die genauen Standorte zu ermitteln und das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zu durchlaufen. Im Rahmen dieses Verfahrens werden die Gutachten von den zuständigen Behörden (Umweltaufsicht etc.) geprüft, die spezialisierte Fachleute genau dafür haben. Damit ist sichergestellt, dass alles ordnungsgemäß abläuft und alle Gesetze zum Schutz von Natur und Mensch eingehalten werden.
3. Wirtschaftlichkeit: Die geplanten Windräder haben einen wirtschaftlichen Nutzen für Miltenberg. Pachteinnahmen und ein Teil der Erträge fließen in die Stadtkasse. Es gibt eine Wertschöpfung vor Ort. Mit den zusätzlichen Einnahmen können Aufgaben wie die Sanierung der Feuerwehrhäuser, der Grundschule oder auch ein verbessertes Angebot für die Vereine finanziert werden.
Der Rückbau am Ende der Betriebszeit wird über Bürgschaften abgesichert. Hinzu kommt: Wäre der Projektierer tatsächlich insolvent, wären die Windräder Teil der Insolvenzmasse, würden verkauft und vom neuen Eigentümer weiterbetrieben. Wirtschaftliche Probleme des Projektierers führen also nicht dazu, dass wir „Windradleichen“ im Wald stehen haben.
Die Tatsache, dass ein bestimmter Windpark Verlust macht, sagt nichts über die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts, denn in den ersten Jahren ist die Summe aus Tilgung, Zinszahlungen, Abschreibungen und Pacht immer größer als der Ertrag. Erst in der zweiten Hälfte der Laufzeit kehrt sich das Verhältnis um.
Die Windräder können auch eine Chance für die heimische Industrie sein. In anderen Regionen Deutschlands gibt es bereits Stromdirektlieferungen: Die Unternehmen sind direkt an die Windräder angeschlossen und beziehen Strom von dort. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und bindet Wertschöpfung in der Region.
4. Waldschutz: Klimaschutz und eine Verlangsamung der Erderwärmung sind die beste Hilfe für unsere Wälder. Der extreme Hitze- und Dürresommer 2026 hat auch im Miltenberger Stadtwald schwere Schäden hinterlassen.
Die Zahlen, mit denen die BI bei den Rodungen arbeitet, sind deutlich zu hoch. Eines der geplanten Windräder wird vermutlich außerhalb des Waldes stehen können, so dass für dieses gar keine Rodungen erforderlich sind. Für die übrigen drei sind – je nach Anlieferung der Teile – Rodungen von 1 bis maximal 1,3 Hektar erforderlich, so dass vermutlich insgesamt nicht mehr als vier Hektar betroffen sind. Der größte Teil dieser Flächen wird wieder aufgeforstet. Für andere Bereiche müssen zwingend ökologische Ausgleichsflächen in der Region geschaffen werden.
Auch an der Sehboldsruhe gibt es sogenannte Kalamitätsflächen mit geschädigten Bäumen, die ohnehin gefällt werden müssen. Diese Flächen können vorrangig für den Bau von Windrädern herangezogen werden.
Die Behauptung der BI, die Rodung am Berg könne zu Sturzfluten führen, ist abwegig, da keine Schneisen Richtung Tal geschlagen werden. Die Standorte im Wald bleiben von großen Waldflächen umgeben. Aber auch dieser Punkt wird im Genehmigungsverfahren nochmals geprüft.
5. Grundwasserschutz: 80 Prozent des Windvorranggebiets WK65 Sehboldsruhe liegen in Zone III des Trinkwasserschutzgebiets, 20 Prozent ganz außerhalb. In Zone III gelten im Vergleich zu den Zonen II und I geringere Auflagen, aber es gibt natürlich welche. Zum Beispiel dürfen Windräder dort nur ohne Getriebe und damit ohne Öl in diesem Getriebe betrieben werden. Auch Rodungen unterliegen strengeren Auflagen.
Der Regionale Planungsverband für den Bayerischen Untermain hat die Windvorrangfläche in einem langen Verfahren festgelegt, in dem Kriterien wie Siedlungsabstände, Natur-, Arten-, Grundwasser- und Denkmalschutz anhand von Expertengutachten untersucht wurden. Dabei wurde die Fläche an der Sehboldsruhe als besonders geeignet bewertet. Deswegen möchten wir sie als Stadt nutzen.
Die Unterstellung der BI, mögliche Karstböden könnten einen Anlagenbau gefährlich machen, dient der Verunsicherung. Es gibt am gesamten Untermain keinen Karst. Dieser tritt nur in bestimmten Kalkfelsen auf.
6. Vogelschutz: Ja, es sterben Vögel durch Windräder. Ehrlicherweise darf man das nicht abstreiten. Wichtig ist jedoch die Relation: Bis zu 115 Millionen Vögel pro Jahr verenden an den Glasscheiben unserer Gebäude. Bis zu 70 Millionen sterben im Verkehr durch Autos, Lastwagen und andere Fahrzeuge. Lediglich 100.000, also weniger als ein Promille der Glasscheibenopfer, sterben durch Windräder.
Welche geschützten Tierarten an der Sehboldsruhe leben, wird im BImSch-Verfahren geprüft. Sollten beispielsweise Fledermäuse gefunden werden, können die Windräder mit einer entsprechenden Abschaltautomatik zu Flugzeiten der Tiere ausgestattet werden. Außerdem sind beispielsweise Rotmilane in der Lage, zu lernen: Vor einigen Jahren hat ein Rotmilanpaar in Sichtweite der Windräder in Guggenberg direkt an der Kreismülldeponie seine Jungen erfolgreich großgezogen.
Warum wir Windräder auf Miltenberger Gemarkung für richtig halten:
• Durch die Verpachtung städtischer Grundstücke und die Vereinbarung mit dem Projektierer ist sichergestellt, dass Pacht und ein Teil der Einnahmen aus dem Betrieb bei der Stadt Miltenberg landen. Dieses Geld hilft uns, die Grundschule und unsere Feuerwehrhäuser zu sanieren und andere wichtige Dinge für die Stadt zu finanzieren. Es trägt damit indirekt dazu bei, dass wir Steuern und Gebühren geringer halten können als ohne Windräder. Wir handeln also sehr wohl zum Wohle der Bürger, auch wenn die BI das Gegenteil behauptet.
• Wir schaffen die Voraussetzungen, um unsere Firmen als wichtige Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler künftig möglicherweise direkt mit eigenem Strom aus unseren Windrädern versorgen zu können. Netzentgelte, Umlagen und Stromsteuer entfallen damit für die Unternehmen und machen einen Strompreis von 8 bis 9 Cent möglich. In anderen Regionen wird dies bereits praktiziert. Günstige Energie ist ein wichtiger Faktor, um Wirtschaftsbetriebe hier halten zu können.
• Mit eigenen Windrädern machen wir uns ein kleines Stück weiter unabhängig von russischem Gas, arabischem Öl und den Auswirkungen der Kriege, die Putin und Trump anzetteln.
• Wir leisten als Stadt unseren Beitrag zur Energiewende, die die Voraussetzung für künftig günstigen Strom ist.
• Wir sparen langfristig große Mengen des Treibhausgases CO2 ein.
Bitte überlegen Sie selbst, ob Sie sich von der Bürgerinitiative Angst machen lassen, die eine Zusammenarbeit und Kompromisse ablehnt und die Windräder grundsätzlich verhindern möchte, oder ob Sie unsere Argumente für nachvollziehbar halten und darauf vertrauen können, dass wir uns mit den Vor- und Nachteilen von Windkraft an der Sehboldsruhe sorgfältig auseinandergesetzt und alles gegeneinander abgewogen haben.
Für die Fraktion SPD/Grüne im Miltenberger Stadtrat
Sabine Balleier und Frank Küster
Autor:Sabine Balleier aus Miltenberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.