Finanzielles Risiko für Deutschen Wandertag ist Kreisausschuss zu hoch

Wenn es nach dem Willen des Kreisausschusses geht, wird der Landkreis Miltenberg den Deutschen Wandertag 2018 nicht finanziell unterstützen. Das Gremium empfahl am Montag dem Kreistag einstimmig, einen Antrag von Spessartbund und Odenwaldklub auf Unterstützung einer Bewerbung für das Event mit Bereitstellung einer Ausfallbürgschaft von bis zu 265.000 Euro für die Großveranstaltung abzulehnen.

Miltenberg war als Austragungsort des Deutschen Wandertags vorgeschlagen worden, nachdem die Landesregierung von Schleswig-Holstein es abgelehnt hatte, sich finanziell am dort im Jahr 2018 geplanten Wandertag zu beteiligen. In zahlreichen Gesprächen zwischen Landkreis Miltenberg, Tourismusverbänden und Gebietskörperschaften war daraufhin das Vorhaben seit Herbst 2015 unter die Lupe genommen und mit konkreten Kosten hinterlegt worden. Dabei sei laut Landrat Jens Marco Scherf schnell klar geworden, dass ein solches Großereignis nur unter Einbeziehung der gesamten Region möglich sei – alleine schon wegen der notwendigen Bettenkapazitäten. Schließlich, so Scherf, würden während des Wandertags zwischen 30.000 und 50.000 Tagesbesucher, davon bis zu 10.000 Übernachtungsgäste, in die Region kommen. Für die Veranstaltungen des Wandertags seien darüber hinaus mehrere Tagungsräume für bis zu 1000 Personen notwendig, dazu brauche es unter anderem Büroräume sowie Personal und ein Projektbüro für die Organisation.

Zwar hatte die Stadt Miltenberg signalisiert, als Wanderhauptstadt bereit zu stehen und den reibungslosen Ablauf der Großveranstaltungen zu garantieren – allerdings nur unter der Prämisse, dafür finanziell nichts leisten zu müssen. Nachdem außer dem Landkreis Aschaffenburg keine Gebietskörperschaft und kein Tourismusverband zu einem nennenswerten finanziellen Beitrag bereit sei, kämen auf den Landkreis Miltenberg Kosten von bis zu 265.000 Euro zu, ergänzte Michael Seiterle, Leiter des Tourismusverbands Spessart-Mainland. Er hatte Kosten und Erträge der letzten fünf Deutschen Wandertage mit eigenen Erfahrungen und denen eines Fachbüros abgeglichen. Dabei war er unter anderem auf Kosten von 150.000 Euro für Marketing, 170.000 Euro für Personal, 45.000 Euro für Sachkosten und 100.000 Euro für Veranstaltungen gekommen, an Einnahmen setzte er rund 200.000 Euro (Fördergelder, Standgebühren, Sponsoren) an. Erschwerend sei hinzugekommen, dass mehrere Hoteliers sich nicht in der Lage gesehen hätten, im Veranstaltungsmonat August größere Bettenkontingente bereit zu stellen. August und September seien sehr gute Monate, in denen zahlreiche Stammkunden gebucht seien, so die Argumentation.

Landrat Jens Marco Scherf gab zu bedenken, dass die im Raum stehenden 265.000 Euro in etwa dem gesamten Jahresetat für den Tourismus im Landkreis Miltenberg entsprechen. Er wies auch auf die Klage des Marktes Weilbach gegen den Kreisumlagenbescheid des Landkreises Miltenberg hin. Im Rahmen dieser Klage untersuche das Gericht explizit die freiwilligen Leistungen des Landkreises Miltenberg. Das Gericht habe vom Landkreis bereits die Kosten für den Produktbereich Tourismus angefordert, wusste Scherf. Da die Förderung des Wandertags eindeutig eine freiwillige Leistung ist, empfahl der Landrat, den Antrag von Spessartbund und Odenwaldklub abzulehnen. Landrat Scherf würdigte das große ehrenamtliche Engagement von Spessartbund und Odenwaldklub, weshalb man sich intensiv mit der Idee auseinandergesetzt habe, unter dem Strich stehe aber ein „Nein“ zum Deutschen Wandertag 2018.

Aus dem Gremium erhielt der Landrat einhellige Zustimmung zur Verweigerung des Ansinnens. Unisono erschien den Kreisräten die zu deckende Summe von 265.000 Euro als zu hoch, zudem mahnten die negativen finanziellen Erfahrungen vom „Tag der Franken“ zu erhöhter Vorsicht beim Engagement in Großveranstaltungen. Ein Kreisrat kritisierte die hohen Anforderungen des Veranstalters, ein anderer wies auf die Problematik freiwilliger Leistungen hin. Grundsätzlich sei der Deutsche Wandertag eine positive Veranstaltung mit großer Nachhaltigkeit, das finanzielle Risiko sei aber zu hoch. Deshalb solle man eine Absage in freundlichem Ton aus sachlichen Gründen schreiben, so ein Kreisrat.

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