Jugendamtshaushalt vorgestellt

Der Haushaltsentwurf für das Sachgebiet Kinder, Jugend und Familie, den der Jugendhilfeausschuss am Donnerstag, 10. 11. 2016, einstimmig dem Kreistag zur Annahme empfohlen hat, wird einen gegenüber dem Etatansatz 2016 um 681.950 Euro erhöhten Zuschussbedarf haben.

Wie Jugendamtsleiter Rüdiger Rätz zusammenfasste, plane sein Sachgebiet 2017 Ausgaben von 12.144.000 Euro und Einnahmen von 5.359.300 Euro, woraus ein Zuschussbedarf von 6.784.700 Euro resultiere. Für das laufende Jahr 2016 rechne er mit einem Zuschussbedarf von 6.214.677 Euro – im Ansatz war man von 6.102.750 Euro ausgegangen. Wie Rätz weiter ausführte, resultiere der höhere Bedarf aus einer Vielzahl von Einzelposten, die sich aufgrund höherer Fallzahlen summieren würden. Speziell nannte er die Tageseinrichtungen und Tagespflege, Förderung der Erziehung in der Familie, Hilfen zur Erziehung und Inobhutnahme, Eingliederungshilfe sowie Hilfe für junge Volljährige. So rechne man alleine beim Eltern-Kind-Wohnen mit einem um 140.000 Euro höheren Ansatz als 2016, bei Erziehungsbeistandschaften und der Heimerziehung gehe man von zusätzlich notwendigen 234.000 Euro aus, bei stationären Maßnahmen der Volljährigenhilfe von 160.000 Euro und bei den Hilfen für junge Volljährige von 119.000 Euro. „Jugendhilfe lässt sich nicht einfach planen“, kommentierte Landrat Jens Marco Scherf den höheren Zuschussbedarf.

Einstimmig sagte der Ausschuss Ja zum Abschluss einer Vereinbarung zwischen Landkreis und Kreisjugendring (KJR), in der es um die schriftliche Fixierung der Wahrnehmung von Aufgaben der Jugendarbeit geht. Kreisjugendpfleger Helmut Platz erklärte dem Gremium, dass keine greifbare Vereinbarung existiere. Als der KJR im Frühjahr mit der Bitte an den Landkreis herangetreten sei, die Stunden für die Verwaltungsfachkraft zu erhöhen, habe man dies genutzt, um gemeinsam eine solche Vereinbarung zu erstellen. Darin seien unter anderem die Aufgaben des Kreisjugendrings und des Landkreises geklärt, ebenso die Personal- und Sachkostenausstattung. Alison Wölfelschneider, kommissarische Vorsitzende des Kreisjugendrings, begründete die Bitte des Verbands nach Erhöhung der Stundenzahl der Verwaltungskraft von derzeit sieben auf 19,5 Wochenstunden. Damit könnte die Verwaltungskraft dem Geschäftsführer Igor Kos wichtige Verwaltungsaufgaben abnehmen, so dass sich dieser auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren könne, die Verbände bei ihrer pädagogischen Arbeit zu unterstützen. Auch sonst habe Kos weitere wichtige Aufgaben, unter anderem die Mitarbeit bei der Erstellung des Haushalts sowie die Überwachung des Haushalts. Die Verbände wünschten sich Kos’ Mithilfe bei mehreren Vorhaben, so Wölfelschneider. Aufgrund der geringen Stundenzahl habe die Verwaltungskraft bereits 60 Überstunden angesammelt, ergänzte sie und stellte klar, dass der Bayerische Jugendring jeweils eine halbe Stelle für die Geschäftsführung und die Verwaltung als minimale Grundausstattung vorsehe. Zurzeit bleibe vieles liegen, sagte Wölfelschneider und wurde darin von Igor Kos bestätigt, der dies an mehreren Beispielen bestätigte. Der Jugendhilfeausschuss empfahl dem Kreistag deshalb einstimmig, er möge die Kosten für eine Halbtagsstelle in der Verwaltung des Kreisjugendrings einplanen. Den Landkreis würde dies pro Jahr zusätzlich 12.330 Euro kosten.

Jeweils einstimmig erkannte der Jugendhilfeausschuss den Bedarf für Jugendsozialarbeit an der Herigoyen-Grundschule Sulzbach und der Josef-Anton-Rohe-Grundschule Kleinwallstadt an. Laut Stefan Adams, im Landratsamt für Jugendsozialarbeit zuständig, seien an beiden Schulen die Voraussetzungen für die staatliche Förderung erfüllt und somit auch für die finanzielle Beteiligung des Landkreises Miltenberg. In Sulzbach sei die Zahl an Kindern aus Asylbewerber- und Flüchtlingsfamilien, die sprachlich, kulturell und gesellschaftlich Bedarf an Hilfe zur Integration haben, gestiegen. Dies verursache häufig erhebliche Anpassungsprobleme, spezifische Lernschwierigkeiten und Probleme im sozial-emotionalen Bereich. Hier solle die Jugendsozialarbeit mit Einzelhilfe, sozialer Gruppenarbeit und Vernetzung ansetzen. In Kleinwallstadt seien Fälle von Schulunlust, Mobbing, Schulangst bekannt geworden; in den vergangenen Jahren sei es auch zu vermehrter verbaler und körperlicher Gewalt gekommen. Die Zunahme von einzelintegrativem Unterstützungsbedarf, eine hohe Zahl von Kindern mit Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich und die Überforderung der Lehrer mit diesen Problematiken seien ebenfalls als Begründung genannt worden.
Einstimmig beriefen die Ausschussmitglieder Jugendamtsleiter Rüdiger Rätz als Vorsitzenden des Präventionsausschusses. Aus diesem Ausschuss berichtete Thomas Steger, dass man in diesem Jahr bereits vier Projekte gefördert habe: eine Theaterreihe der Suchtpräventionsstelle in Kooperation mit dem Arbeitskreis der Suchtpräventionsbeauftragten mit dem Stück „Limit“, das Projekt „LARP macht Schule“ der Jugendsozialarbeit an Schulen an der Mittelschule Erlenbach zur Förderung sozialer Kompetenzen, das Projekt „Selbstbehauptungskurse“ an der Mittelschule Miltenberg zur Stärkung des Selbstwertgefühls und den Nichtraucherwettbewerb „Be Smart – Don’t Start“. Das Thema Gewaltprävention habe man als neues Schwerpunktthema beschlossen, blickte Steger zurück. Die Haushaltsmittel habe man etwa zur Hälfte in Präventionsprojekte investiert. Der Präventionsausschuss zeige, wie sich Prävention vor Ort auf fachlicher und politischer Ebene kontinuierlich und vernetzt erfolgreich organisieren lasse, so Steger abschließend.
In seinem Sachstand zur Jugendhilfeplanung blickte Jugendamtsleiter Rüdiger Rätz auf den Mai 2016 zurück, als der Jugendhilfeausschuss dem Rahmenkonzept einer dynamischen, bedarfsorientierten Jugendhilfeplanung zugestimmt habe. Ein beratender und begleitender Ausschuss zur Jugendhilfeplanung werde übergeordnete Strategieziele erarbeiten und sie dem Jugendhilfeausschuss vorstellen. Nach dessen Empfehlung liege es am Kreistag, diese zu beschließen. Dieser Ausschuss werde einmal pro Jahr ganztägig in Klausur gehen, um die Jahresplanung zu erstellen mit dem Ziel, für jeden Planungsinhalt konkrete Ziel- und Zeitvorgaben zu geben. Nach Abstimmung mit dem Landrat werde diese Jahresplanung vom Jugendhilfeausschuss beschlossen, so Rätz. Unvorhergesehene Bedarfe werde man in die Jahresplanung einfügen und dafür andere, weniger wichtige Themen verschieben. Die Themen der Jahresplanung des Vorjahres werde man auf der ganztägigen Jahrestagung überprüfen, gegebenenfalls fortführen oder auf Folgejahre übertragen. Im Jugendamt werde zudem ein Arbeitskreis Jugendhilfeplanung eingerichtet, der die Arbeit des begleitenden Ausschusses unterstützt. Die Jahresplanung 2017 solle in der Klausurtagung am 11. März 2017 erarbeitet werden, kündigte Rätz an.
Dass die kommunale und präventive Jugendarbeit auch im Jahr 2017 wieder viel vor hat, erläuterte Kreisjugendpfleger Helmut Platz. Ein Schwerpunkt seien erneut die Veranstaltungsreihen Fachdialog und Fachpraxis Jugend. Platz kündigte auch eine große Fachtagung im Herbst 2017 zum Thema „Das Leben von Kindern und Jugendlichen in einer pragmatischen Aufbruchsgesellschaft“ an. Fortgesetzt würden die zahlreichen Freizeitangebote wie unter anderem ein Trickfilmseminar, eine Pfingstferienaktion, der Abenteuerspielplatz, der Kinderkultursommer, inklusive Ferienspiele, Familientage und diverse Familienaktionen. Geschlechtsspezifische Angebote seien erneut im Angebot, aber auch Aktionen gegen Rassismus und im Bereich Medien, dazu Multiplikatorenschulungen. Man beschäftige sich mit dem Thema Partizipation, sagte Platz weiter und ergänzte, dass die Jugendarbeit mit vielen anderen Organisationen und Trägern zusammenarbeitet – etwa mit dem Kreisjugendring, den Gemeinden und Einrichtungen der Jugendarbeit. Man berate und unterstütze die Kreisgemeinden in vielen Fragen der Jugendarbeit und des Jugendschutzes, sagte er und freute sich, dass nach wie vor das Interesse am Verleih von Material und Spielgeräten sehr groß sei. Landrat Jens Marco Scherf dankte für das vielfältige Angebot und bezeichnete es als besonders wichtig, die Inklusion voranzutreiben. Auch sei die Partizipation wichtig, um den Menschen Möglichkeiten zur Beteiligung aufzuzeigen.

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