Hoffnungsvoller Start ins Reformations-Jubiläumsjahr 2017

Ein Dutzend Konfirmanden aus Miltenberg und Umgebung hat es noch nicht so eilig. Sie scharen sich interessiert um Laienprediger Knuth Brack und Pfarrvikar Paul Hörenz. Small-Talks folgen und die Rede ist auch von kommenden Terminen im Reformationsjahr, das mit vielen kulturellen Highlights bis Ende November 2017 andauert.
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  • Ein Dutzend Konfirmanden aus Miltenberg und Umgebung hat es noch nicht so eilig. Sie scharen sich interessiert um Laienprediger Knuth Brack und Pfarrvikar Paul Hörenz. Small-Talks folgen und die Rede ist auch von kommenden Terminen im Reformationsjahr, das mit vielen kulturellen Highlights bis Ende November 2017 andauert.
  • hochgeladen von Roland Schönmüller

500 Jahre Reformation - ein ökumenisches Jahr !

Vielfältige konfessionsübergreifende, kreative und kommunikative Aktionen in Stadt und Land

Es ist Sonntag, der 22. Januar 2017, um elf Uhr. Der einstündige Gottesdienst in der Miltenberger St. Johanniskirche nahe der Oberen Walldürner Straße ist mit Gebet, Gesang, Predigt und Orgelspiel beendet.

Langsam verlassen die evangelischen Gläubigen das sakrale Gebäude. Man unterhält sich im Freien - trotz klirrender Kälte - und wünscht sich einen „gesegneten Sonntag“.

Eltern holen ihre Kinder aus dem neuen Gemeindezentrum und aus der ebenfalls beendeten „Kinderkirche“ ab.

Die junge Leiterin, die evangelische Religionspädagogin Karin Müller, verabschiedet sich von den Kleinen persönlich und lächelnd. Sie hat einen bunten und kindgerechten Gottesdienst hinter sich: ältere Kindergartenkinder und Grundschüler haben mit ihr parallel zum Hauptgottesdienst im evangelischen Gemeindehaus neben der Kirche die „Kinderkirche“ gefeiert.

Viele „Highlights“ bis Ende 2017

Ein Dutzend Konfirmanden aus Miltenberg und Umgebung hat es noch nicht so eilig. Sie scharen sich interessiert um Laienprediger Knuth Brack und Pfarrvikar Paul Hörenz. Small-Talks folgen und die Rede ist auch von kommenden Terminen im Reformationsjahr, das mit vielen kulturellen Highlights bis Ende November 2017 andauert.

So wird es nicht nur im Landkreis Miltenberg besondere Feste und Begegnungen, Vorträge, Tagungen und Foren sowie Ausstellungen und Kunstprojekte zum Thema „Luther“ geben.

Nicht fehlen werden 2017 rund um die Reformation außergewöhnliche Darbietungen von Musik, Theater, Kleinkunst und Film. Gespannt sind die Jugendlichen auf das Luther-Theaterstück und vor allem auf ein Disco-Schiff, das im Reformationsjubiläumsjahr anlegen wird.

Ökumene steht im Vordergrund

Ein besonderes Augenmerk liege im Reformationsjahr auf der konfessionsübergreifenden Zusammenarbeit, auf der Ökumene. Das erwähnt Vikar Paul Hörens mehrmals und verweist auf das Grußwort der Jubiläums-Broschüre.

Da betonen gemeinsam Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz: „ Wir sind einander so nahe gekommen, dass wir spüren wie sehr unsere Wege zueinander führen, ja immer wieder schon erahnen lassen, dass es sich eigentlich um einen gemeinsamen Weg handelt.

Das Jahr 2017 birgt in sich die Chance, zu einer weiteren Wegmarke dieser wiederentdeckten Weggemeinschaft zu werden. Der Glaube hat überall seine Spuren hinterlassen. Sich dabei auf neue Wege zu begeben, Spuren für die Zukunft zu legen - daraus könnte so etwas wie ein geistliches Abenteuer werden!“

„Orgelhopping“, Kaberettabend und Luther-Musical

Groß ist das Angebot im Reformationssommer deutschlandweit, in Bayern, im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg bzw. im Miltenberger Landkreis. Auffallend ist hierbei die konfessionsübergreifende Zusammenarbeit im Gedenkjahr „500 Jahre Reformation“.

Neben ökumenischen Gottesdiensten, Gesprächsabenden mit biblischen Impulsen stehen Highlights wie „Orgelhopping“, Ausflüge zu Ausstellungen, Schifffahrten, Sommerfeste, ein Kabarettabend („Luther bei die Fische“ ), Lesungen und Kinderbibel-Aktionen auf dem Programm.

Miteinander und bereichernd

Pastoralreferentin Kerstin Gerlach und der evangelische Pfarrer Sebastian Geißlinger, beide aus Kleinheubach, - betonen auch gemeinsam: „Heute sind wir von Herzen dankbar für ein gutes ökumenisches Miteinander unserer Kirchengemeinden und spüren wir uns gemeinsam getragen vom Glauben an Jesus Christus. Wir freuen uns auf ein bereicherndes Jahr!

Einmalig: Bundesweiter Feiertag am 31.10. 2017

Am Reformationstag 2017 selbst, der heuer ausnahmsweise und einmalig ein bundesweiter Feiertag sein wird, gibt es ab 19 Uhr in der Aschaffenburger Stadthalle ein hochkarätiges Luther-Musical mit Künstlern aus der Region zu sehen und zu hören. Der Eintritt ist frei. E soll ein Luthertag zum Entspannen werden.

Historischer Hintergrund:

Martin Luther gilt als der Vater der Reformation. Darüber sind sich Historiker und Theologen einig.

Sein besonderer Verdienst: Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche und machte die christlichen Glaubensinhalte verständlich. Auch einfachste Gläubige verstanden seit einem halben Jahrtausend nun die „frohe Botschaft“ des Alten und Neuen Testaments.

Martin Luther wurde 1483 in Eisleben in Thüringen geboren. Er war zunächst Mönch, später Theologie-Hochschullehrer.

In der Auseinandersetzung mit dem Papst und dem Kaiser berief sich Martin Luther auf Gottes Gnaden-Zusage im Neuen Testament: Nicht gute Taten, sondern allein der persönliche Glaube für den christlichen Menschen zur Erlösung.

Luther Glaubens-Auslegung konzentrierte sich auf das Handeln und Wirken von Jesus Christus, dem „fleischgewordenen Wort Gottes“.

Kritisiert wurde die damalige römische Kirche von Luther vor allem wegen des Ablasses und der Korrumpiertet des Papsttums. Seine „95 Thesen“ waren gegen den Ablasshandel gerichtet. Als legendär gilt der Anschlag an die Wittenberger Schlosskirche am 31.Oktober 1517 - vor rund 500 Jahren.

Authentischer ist die Tatsache, dass seine Thesen dank der gerade erfundenen Druckerpresse eine breite Leserschaft in Mittel- und Nordeuropa gefunden hatte. Die Folge war nach langen theologischen und politischen Auseinandersetzungen und Konflikten die Entstehung der evangelisch-lutherischen Kirche.

Bekanntlich fand Martin Luther Unterstützung bei einem Teil der deutschen Landesfürsten und Herrscher, auch in unserer Region. Unausweichlich veränderte sich in der Folgezeit die politisch-gesellschaftliche Situation grundlegend.

Nach der frühen Neuzeit beendete die Reformation die Vorherrschaft der römisch-katholischen Kirche.

Martin Luther starb 1546 mit 63 Jahren in seinem Geburtsort Eisleben.

Was hat die Reformation gebracht?

Verständliche Sprache: Sie brachte in erster Linie die Wiederentdeckung der Bibel. Martin Luther übersetzte das Neue Testament ins Deutsche während seiner Zeit auf der Wartburg. Mit anderen Fachleuten ( Melanchthon u.a.) gelang Luther auch die Übersetzung des Alten Testaments. Die Übersetzung gilt unter Sprachwissenschaftlern als gelungen und genial: sie führte neben der verständlichen Vermittlung der Glaubensbotschaft zugleich zur deutschen Einheitssprache!

Neue Lieder für das Kirchenvolk: Luther und seine Weggefährten haben außerdem durch Bereitstellung vieler neuer Lieder den Glauben volkstümlich und anschaulich gemacht. Der Glaube wurde wieder volksnah. An die Stelle des für Menschen unverständlichen Lateins rückte die deutsche Sprache .

Grundlagen des Glaubens: Martin Luther schrieb auch den Kleinen Katechismus. Darin erklärte und entfaltete er den christlichen Glauben auf einfache Weise. Er wurde zum grundlegenden Lehrbuch für Schüler, Konfirmanden und das Volk. Der Mensch wird hierbei Gott gerecht: allein durch Christus, durch die Heilige Schrift, durch Gnade und durch den Glauben. Diese vier Grundsätze gelten als wesentliche Eckpfeiler der reformatorischen Lehre.

Von der wunderbaren Sogkraft des Evangeliums


Interview 1: Paul Hörenz, Vikar, Miltenberg:

„Ich wünsche mir, dass es in vielen verschiedenen Veranstaltungen des Jubiläumsjahres zu Aha-Erlebnissen kommt und Menschen ein Licht aufgeht, worum es in der Reformation eigentlich geht. Ich wünsche mir, dass die Sogkraft des Evangeliums und die daraus erwachsene Freiheit in unserer Gesellschaft wieder neu spürbar werden.“

Kraft schöpfen für Nächstenliebe und Frieden

Interview 2: Karin Müller, evangelische Religionslehrerin, Wörth: „ Ich würde mich freuen, wenn die Erfahrung der Gemeinschaft unterschiedlicher Christen vertieft wird. Aus ihr können wir viel Kraft schöpfen für die tätige Nächstenliebe und für den gemeinsamen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden“.

Auf der Suche nach Erneuerung

Interview 3: Knuth Brack, Laienprediger Miltenberg: „2017 blicken wir auf 500 Jahre Geschichte und denken dabei an helle und dunkle Erfahrungen, an gute und bedenkliche Entwicklungen - gemeinsam mit den Christen anderer Konfessionen. Wir suchen nach neuen Wegen, wie Gottes lebendiges Wort die Herzen der Menschen heute erreicht - und wollen uns als Kirche und als einzelne Christen erneuern lassen.“

EXKURS: Besuch in Eschau

„Sie müssen unbedingt mal die Kirche in Eschau anschauen!“, rät mir ein Arbeitskollege. „Sie sind ja eh momentan täglich in unserer Gegend zwischen Spessart und Maintal.

Eschau sei ein „Hochburg“ in der hiesigen protestantischen Diaspora und die evangelisch-lutherische Kirche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Schmuckstück weit und breit, betont mein Gegenüber.

Am vergangenen Montagmittag, an eine klirrend kalten Januartag, war es soweit.

„Unsere Kirche ist offen. Treten Sie ein!“ verkündete ein Emaille-Schild und verriet die Öffnungszeiten der Eschauer Epiphanias-Kirche.

In der Tat: die Tür war offen, schnell war ein Vorhang beiseite geschoben und …“wow“, würden meine Schüler sagen, die Überraschung schien perfekt und gelungen.

Ich wähnte mich zunächst in einem früheren Jahrhundert oder in meiner alten Heimat im oberfränkischen Frankenwald mit seinen thüringischen Schieferkirchen, hohen Altarkanzeln und mehrstöckigen Emporen.

Langsam ging es an den Bankreihen vorbei zum Weihnachtsbaum mit Strohsternen und einer Kinderkrippe mit überdimensional großen, faszinierenden Figuren.

In der ersten Reihe nahm ich Platz, blätterte im Gesangsbuch und bewunderte die schöne barocke Kanzel im Chorraum, das Patronatsherren-Wappen der Grafen von Erbach, die Doppel-Empore an den beiden Längsseiten des Kirchenschiffs mit der berühmten Orgel aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

„Ich komme wieder!“, versprach ich mir beim Hinausgehen, „ wenn hier Gottesdienst gefeiert wird, wenn die hiesige und bekannte Steinmeyer-Orgel die Besucher mit ihren Klängen verzaubert, wenn Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren die Luther-Lieder schmettern, wenn die wohltuenden Worte der Heiligen Schrift vom Pfarrer vorgetragen und in seiner Predigt gedeutet werden.

Farbenprächtig präsentiert sich vor der Kirche nahe des Gemeindesaales die Aushängetafel mit aktuellen Informationen.

Eine Holzskulptur verkündet imposant die Jahreslosung von 2017, für das die Gläubigen heuer im Reformationsjubiläumsjahr vielleicht besonders empfänglich sind: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch!“

Alt und neu, Geschichte und Gegenwart, Rück- und Ausblick werden bei so einem spontanen und stillen Kirchenbesuch besonders deutlich.

Fazit: Das jetzige Jahr 2017 ist und bleibt nicht nur in Eschau und Umgebung offen für viele Überraschungen, Kontakte und Events im Rahmen einer konfessionsübergreifenden Feier des Reformationsjubiläums.

WEITERE BILDER UND INFORMATIONEN FOLGEN!

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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