Wenn Dich der Affe laust...

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Redewendungen sind lustig, aber wissen wir auch, woher sie kommen?

Deutsch ist eine lebendige Sprache und Sprichwörter und Redewendungen bereichern sie zusätzlich. Sie begleiten uns im Alltag, denn für alle Situationen gibt es einen Spruch, der passt wie „der Deckel auf den Topf“. Die moderneren Redensarten, z. B. „eine gemeinsame Wellenlänge haben“, können wir uns meist noch erklären.

Doch viele dieser Sprüche bleiben uns „ein Buch mit sieben Siegeln“, weil wir nicht genau wissen, was sie bedeuten und woher sie kommen. Wir haben für Sie „im Schweiße unseres Angesichtes“ einige Redensarten zusammengetragen und „verklickern“ Ihnen die geläufigsten Sprüche, damit Sie bei der Benutzung „nicht auf der Leitung stehen“ oder sich „verfranzen“.

Was ist des Pudels Kern?
Die geflügelten Worte haben ihren Ursprung oft in Volksweisheiten, Bauernregeln, Alltagsbeschreibungen. Aber auch die Bibel oder literarische Werke – z. B. Goethes Faust – stehen oft Pate. Viele Redensarten stammen sehr oft bereits aus dem Mittelalter. In den Sprachgebrauch fließen heutzutage auch bekannte Werbesprüche ein, z. B. „Nicht immer, aber immer öfter“ oder „Hier werden Sie geholfen“. Vielleicht werden daraus auch einmal Redensarten.

Einen Kater haben
„An den Folgen heftigen Alkoholgenusses leiden“: Es gibt zwei Erklärungen für diese Redensart. 1. Leipziger Studenten tranken ein Bier mit dem Namen Kater. 2. Auch die lautsprachliche Nähe zu Katarrh kann der Ursprung sein. Denn mit Kater oder mit Katarrh – man fühlt sich mit beiden mies.

Aus dem Quark kommen
„Höchste Zeit, sich den wichtigen Dingen zuzuwenden.“ Hier überwindet jemand seine Passivität und wird endlich aktiv. Die Herkunft für diesen Spruch ist bereits im 16. Jahrhundert zu suchen. Das Wort Quark galt nicht nur für ein Milcherzeugnis, sondern bezeichnete auch alles Nichtige.

Auf keinen grünen Zweig kommen
„Erfolglos sein“: Im Mittelalter wurde beim Landverkauf die Übergabe des Grundstücks durch einen grünen Zweig symbolisiert, der in eine Erdscholle des verkauften Bodens gesteckt wurde. Wer auf keinen grünen Zweig kam, der hatte keinen Grund und Boden und war ein armer Tagelöhner und kein freier Bauer.

Nicht lange fackeln
„Schnell handeln und nicht lange abwarten“: Diese Redensart stammt schon aus dem 14. Jahrhundert. Das Wort „vackelen“ steht für etwas, das lichterloh brennt. Feuer ist ein unruhiges Licht, daher stand „vackelen“ auch für eine Hin- und Herbewegung. Im heutigen Gebrauch will man damit ausdrücken, dass man keine Zeit für langwieriges und unentschiedenes Handeln hat.

Süßholz raspeln
„Komplimente machen, schmeicheln“: Im Mittelalter war Zucker sehr teuer und nur den Reichen vorbehalten. Auch Honig war Mangelware. Daher schenkte der Herr seiner Angebeteten Süßholz. Er raspelte Stückchen vom zuckerhaltigen Wurzelstock des Spanischen Süßholzes und schenkte es seiner Herzdame. Diesem Geschenk konnten die Damen meist nicht widerstehen. Süßigkeiten waren also schon immer beliebt.

Die Katze im Sack kaufen
„Sich auf etwas einlassen, von dem man nichts weiß.“ Im Mittelalter wurden auf den Märkten Ferkel, Hühner oder Kaninchen nach dem Verkauf zum Transport in einen Sack gesteckt. Wahrscheinlich ist es häufiger vorgekommen, dass betrügerische Verkäufer statt des erworbenen Ferkels oder Huhns eine streunende Katze gepackt und in den Sack gesteckt haben. Dies muss so häufig der Fall gewesen sein, dass sich daraus diese Redewendung gebildet hat.

Manschetten haben
„Sich vor etwas fürchten“: Im 18. Jahrhundert war es Mode, dass Männer große Manschetten an den Ärmeln trugen. Diese bedeckten fast die ganze Hand. Diese Manschetten behinderten natürlich im Kampf mit dem Degen. So entstand das negative Bild von Männern, die so große Manschetten trugen. Sie galten als Feigling und nicht als guter Kämpfer.

Wissen, wie der Hase läuft
Wer das weiß, kennt wichtige Details und den Kern des Problems. Dieser Spruch ist bereits seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Ein Hase kann bei der Flucht ganz hervorragend Haken schlagen, um seine Verfolger in die Irre laufen zu lassen. Wer aber weiß, wie der Hase läuft, kennt den Weg des Hasen bereits im Voraus und kann ihn ganz einfach erlegen.

Mit seinem Latein am Ende sein
„Ratlos sein, nicht mehr weiter wissen“: Latein war schon im Mittelalter die Sprache der Kirche und der Wissenschaft. Daher sprachen studierte Ärzte lateinisch. Wenn sie nicht wussten, was dem Patienten fehlt, konnten sie die Krankheit auch nicht benennen und so entstand der Eindruck, dass sie mit ihrem Latein am Ende waren.

Schmutzige Wäsche waschen
Das bedeutet, dass jemand private Dinge des Gegners im Streit ausplaudert. Bevor es Waschmaschinen gab, trafen sich die Frauen eines Dorfes zum Waschtag am Fluss oder Brunnen. Dies war eine gute Gelegenheit, nicht nur die schmutzige Wäsche zu waschen, sondern sich ausgiebig über das Dorfleben zu unterhalten und neue Gerüchte zu erfahren. Diese Gespräche beim Wäschewaschen entsprachen nicht unbedingt der Wahrheit und gerade Peinlichkeiten und Indiskretionen waren natürlich am spannendsten.

Ach übrigens, der Spruch „Mich laust der Affe“ bedeutet eine große Verblüffung oder Überraschung. Die Herkunft: Im Mittelalter zogen Schausteller mit Affen durch die Dörfer. Von diesen konnte man sich gegen kleines Geld „lausen“ lassen. Das war ein bizarres Spektakel und wurde in den Sprachgebrauch übernommen.

Sprüche aus der Gegend von Großheubach:

Der heimatkundliche Treff Großheubach trifft sich in regelmäßigen Abständen, Vorsitzender ist Matthias Klotz. Man hat folgende Redensarten aus der Gegend von Großheubach gesammelt:
„Eh Gees konnschde mit Gewalt römm hejbe, abber eh Froh zu übberzeusche brauschde erscht gor net ohfange“ = Eine Ziege kann man mit Gewalt herum heben, aber eine Frau zu überzeugen, braucht man erst gar nicht probieren.
„Wenn du en stehnische Agger hoscht, un en stumpfe Pfluch, un oh noch eh böse Froh, dann hoscht du die Hölle uf Erde“ = Wenn du einen steinigen Acker und einen stumpfen Pflug
und auch noch ein böses Weib hast, dann hast du die Hölle auf Erden.
„Du bischt sojh blöd wi die Nacht dungel“ = Du bist so dumm, wie die Nacht dunkel ist.
„En leere Sack stehjt ned“ = Ein leerer Sack bleibt nicht stehen.
„Dumm gebabbelt is glei“ = Dummes Zeug geredet ist gleich.
„Der glänzt jo wie eh Speckschworde“ = Er ist frisch gewaschen.

In Mömlingen und Umgebung weiß jeder, was damit gemeint ist

Wolfgang Hartmann, Ehrenvorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Mömlingen (früherer Kreisheimatpfleger und Kreisarchivpfleger im Landkreis Miltenberg), sammelte für uns folgende Mundartsprüche:
„Frieje Ree unn Åltweiwädenz dauern nidd lång“: Früher Regen und Altweibertänze dauern nicht lange.
„E Uhr, e Fåhrråd un e Fraa lehnt me nidd hää“: Eine Uhr, ein Fahrrad und eine Frau leiht man nicht her.
„Wems Glick will, dem kalbt de Ox“: Wenn jemand Glück hat, wird er immer reicher, ohne viel zu tun.
„Mädschen wou peifå unn Gickel wou kreå, denne sell me bäzaidå de Hals rimmdrehjå“: Mädchen, die pfeifen und Hähne, die krähen, denen soll man beizeiten die Hälse umdrehen.
„Vischl, wou måschens peifå, held owends die Katz“: Vögel, die morgens pfeifen, holt abends die Katze.
„Die hewå/Er hodd långe Schdånge unn kå Bohne“: Mehr Schein als Sein, es ist nichts dahinter.
„Der konn en Bock zwische de Hänner kisså“: Er ist sehr dürr. „Die Kuh is scho sou åld, die hodd scho de Måå auszackern helfå“: Die Kuh ist schon so alt, die hat schon den Main ausbaggern geholfen.
„E Haus verliert nix, unn wenn de Schlabbå (der gesuchte Hausschuh) im Wasserkessel stickt“:
Im Haus geht nichts verloren.

Autor:

Liane Schwab aus Miltenberg

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