Ins Leben begleiten
Hebamme, abwechslungsreicher und erfüllender Beruf

Die Hebamme ist schon während der Schwangerschaft ein wichtiger Ansprechpartner für werdende Mütter.
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Die Zahl der Hebammen geht seit Jahren zurück, die Gründe hierfür sind vielfältig.

Hebamme ist einer der schönsten Berufe, die man sich vorstellen kann – abwechslungsreich und erfüllend zugleich. Sie begleitet junge Frauen, die wachsendes Leben in sich tragen, auf ihrem Weg zur Geburt, hilft dem kleinen Erdenbürger auf die Welt und ist in den ersten Wochen für Mutter und Kind da. Kaum vorstellbar, dass es immer weniger junge Frauen und auch Männer – die als Berufsbezeichnung „Entbindungspfleger“ führen – gibt, die diesen Beruf ergreifen möchten.

Hohe Versicherungskosten

Das Warum ist nicht in einem Satz zu beantworten. Es gibt einige Gründe, die die Arbeitsbedingungen für Hebammen und Entbindungspfleger erschweren. Da ist zunächst die Versicherungsfrage, die schon des Öfteren für Unmut – nicht nur seitens der Hebammen – gesorgt hat. Freiberufliche Hebammen, die auch Geburtshilfe leisten, müssen für die Ausübung ihres Berufes eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Die Prämien für diese Versicherung sind angesichts der möglichen Folgen im Falle eines Schadens enorm hoch und steigen immer weiter. „Die Zahl der Schadensfälle nimmt aber nicht weiter zu“, betont Melanie Pani. Sie ist Kreisvorsitzende der Hebammen im Landkreis Miltenberg. „Es steht wohl die Befürchtung im Raum, dass wir amerikanische Verhältnisse bekommen könnten. Die hohen Prämien jedenfalls schrecken viele ab, sich als freiberufliche Hebamme niederzulassen.“

Zeitaufwändiges Qualitätsmanagement

Ein weiterer Grund liegt in unserer Bürokratie. „Jede Hebamme muss ein Qualitätsmanagement führen und ihre Arbeit dokumentieren“, so Melanie Pani. „Das ist sehr zeitaufwändig, kann jedoch nicht gesondert abgerechnet werden.“ Die Folge: Hebammen arbeiten viel mehr, als sie bezahlt bekommen.

Hebamme, Vertrauensperson und Vermittlerin

Auch die Arbeitsbedingungen von Hebammen und Entbindungspflegern führen dazu, dass es immer weniger von ihnen gibt. „Bessere Arbeitsbedingungen wären hier wünschenswert“, erläutert Melanie Pani. „Die Arbeitszeiten sind nicht immer familienfreundlich, aber das wissen die angehenden Hebammen. Doch der Personalschlüssel in den Kliniken ist verbesserungsbedürftig.“ Laut Melanie Pani kommt von Seiten der Politik und der Krankenkassen hierbei keine Unterstützung.

Höherer Verdienst

Auch der Verdienst ist nicht gerade üppig. „Eine bessere und gerechte Bezahlung im Verhältnis zu den hohen Haftpflichtprämien und der verantwortungsvollen Aufgabe, die die Hebammen und Entbindungspfleger leisten, würde sicherlich Anreize schaffen“, ist sich Melanie Pani sicher. „Zudem werden freiberufliche Hebammen, die sich beispielsweise um die Nachsorge kümmern, pauschal vergütet. Doch hier stehen Menschen im Mittelpunkt, für die man Zeit braucht. Wer eine Mutter und ihr Baby also über den ´normalen´ Rahmen hinaus betreut, muss finanzielle Nachteile in Kauf nehmen.“

Ausbildung im Umbruch

Der letzte Grund liegt in der Ausbildung selbst, denn diese wird reformiert. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf des Bundesgesundheitsministeriums beschlossen, der Anfang Januar 2020 in Kraft treten soll. Dieser Entwurf sieht vor, dass statt dem Besuch einer dreijährigen Schule angehende Geburtshelferinnen und Geburtshelfer ein duales Studium mit hohem Praxisanteil absolvieren sollen, das sechs bis acht Semester dauert. Das Studium soll die Ausbildung moderner und attraktiver machen und auf die wachsenden Anforderungen in der Geburtshilfe vorbereiten.

Das leisten Hebammen

Was Hebammen bisher schon leisten, ist enorm. „Die Hebammen unterstützen Mütter nicht nur während der Geburt, sondern sind auch in der Zeit der Schwangerschaft, in der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett wichtige Ansprechpartnerinnen für Familien“, weiß Melanie Pani. „Gerade in dieser sensiblen Phase des Lebens tauchen viele Fragen auf. Der Kontakt zur Hebamme ist daher sehr wichtig und unerlässlich.“ Etwa 35 bis 40 freiberufliche Hebammen gibt es im Landkreis Miltenberg.

Das macht Hebammen so wertvoll

Hebammen sind Vertrauenspersonen und Vermittlerinnen. „Sie geben einfach Sicherheit in der neuen Lebenssituation“, legt Melani Pani weiter dar. „Sie sorgen dafür, dass die Frauen Selbstvertrauen und Selbstsicherheit entwickeln und bestärken sie in ihrem Tun. Und sie leisten auch ganz praktische Hilfe. Das reicht vom Wickeln des Babys über Baden bis zum Stillen. Hebammen haben einen ganz anderen Draht zu den Frauen als Ärzte, das macht sie so wertvoll.“

Gute Gesprächspartnerin

„Für mich war es glücklicherweise nicht schwierig, eine Hebamme zu finden“, berichtet Nadine Zoll aus Kleinheubach. Die Mutter eines Sohnes erwartet in wenigen Wochen ihr zweites Kind. „Auch jetzt beim zweiten Kind habe ich schnell eine Hebamme gefunden, denn wir sind umgezogen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich durch meine Übelkeit während der Schwangerschaften immer sehr früh mit der Suche begonnen habe. Die Hebamme ist sehr wichtig für mich und ich möchte sie mit all ihrer Unterstützung, wie beispielsweise mit Akupunktur oder Homöopathie, nicht missen. Die Betreuung durch sie ist anders als beim Arzt. Sie nimmt sich viel Zeit und ist eine gute Gesprächspartnerin, die ein offenes Ohr hat. Schwangerschaft bedeutet für mich Umbruch, Konfrontation mit Zweifeln, Ängsten, Wünschen und Hoffnungen. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mich so gut mit ihr austauschen kann und sie ganz individuell auf meine Bedürfnisse eingeht.“

Große Hilfe und Stütze

„Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, habe ich lange gesucht, bis ich endlich eine Hebamme gefunden habe“, erzählt Özlem Acer aus Schneeberg. Die Mutter eines sieben Monate alten Sohnes dachte nicht, dass sich das so schwierig gestaltet. „Für mich ist die Hebamme sehr wichtig gewesen, denn sie kennt sich gut aus. So habe ich mich vor der Geburt gut vorbereitet gefühlt und wusste zum Beispiel, was mir gegen die Schmerzen helfen könnte. Nach der Geburt war sie für meinen Sohn und mich da, und ich konnte viel von ihr lernen. Gerade beim ersten Kind ist man ja unsicher und ist froh, wenn man jemanden um Rat fragen kann. Beim Stillen, wo ich anfangs einige Probleme hatte, war sie eine große Hilfe für mich, denn sie hat mich darin bestärkt und unterstützt. Dank meiner Hebamme stille ich heute immer noch.“

Guter Kontakt zur Hebamme

„Ich habe während meiner Schwangerschaften und nach den Geburten auf meine Hebamme vertraut“, erzählt Anja Fiebig aus Mechenhard. Die dreifache Mutter findet es wichtig, dass die Hebamme immer ansprechbar ist. „Gerade beim ersten Kind ist die Unsicherheit oft noch sehr groß. Es tut gut zu wissen, dass da jemand ist, den man fragen kann. Zu meiner Hebamme, die ich bei allen drei Kindern hatte, hatte ich einen sehr guten Kontakt. Sie wurde mir damals über meine Frauenärztin vermittelt.“ Anja Fiebig hat ihre Kinder in der Helios Klinik Erlenbach zur Welt gebracht. „Bei den Geburten im Krankenhaus habe ich mich wohl gefühlt. Die Ärzte, Hebammen und Kinderkrankenschwestern haben sich sehr gut um mich gekümmert und ich war gut aufgehoben. Die ruhige und entspannende Atmosphäre hat mir gut getan. Beim Stillen wurde ich ebenfalls gut beraten und angeleitet.“

Vertrauen und Kompetenz

„Für mich war es Gott sei Dank nicht schwer eine Hebamme zu finden, da ich sie schon von früher kannte“, berichtet Caroline Herrmann aus Haingrund, die vor wenigen Wochen eine Tochter geboren hat. „Vertrauen und Kompetenz ist für mich sehr wichtig, da man gerade bei einer so schwierigen Geburt, wie wir sie hatten, sich ganz fallen lässt. Auch die Rund-um-Betreuung im Krankenhaus Erlenbach habe ich sehr genossen, da ich doch recht geschafft war. Das Team dort – fast schon wie eine Familie – hat unserem Baby zu einem tollen Start ins Leben verholfen. Vielen Dank noch mal an meine zwei Super-Hebammen Uschi und Susanne!“

Hebammenmangel hat Folgen für junge Mütter

Durch den seit geraumer Zeit herrschenden Mangel an Hebammen haben es nicht alle Schwangeren leicht, eine Hebamme zur Geburtsvorbereitung und zur Nachsorge zu finden. Gerade diejenigen jungen Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, müssen oft lange suchen, bis sie eine Hebamme finden, die sie betreuen kann. „Etwa jede dritte Mutter findet nach ihrer Entbindung im Krankenhaus keine Hebamme für die Wochenbettversorgung“, berichtet Melanie Pani aus ihrer Erfahrung. „Deshalb ist es für werdende Mütter wichtig, sich bereits frühzeitig um eine Hebamme zu kümmern.“

Hebammenvermittlungszentrale und -notfalldienst

Um diesen jungen Frauen zu helfen, verfügt der Landkreis Miltenberg seit drei Monaten über zwei neue Einrichtungen. Die Hebammenvermittlungszentrale und der Hebammennotfalldienst sind seit Ende Februar online und bieten allen Schwangeren und jungen Müttern mit ihren Familien ihre umfangreichen Dienste an, denn die Hebammenversorgung stellt eine wichtige Aufgabe dar und ist für junge Mütter und Väter von zentraler Bedeutung. Die Hebammenvermittlungszentrale und der Hebammennotfalldienst werden von der Kreishebammenschaft Miltenberg angeboten und auch durchgeführt. Feste Sprechstunden für die Hebammenvermittlungszentrale sind dienstags und donnerstags jeweils von 16 bis 18 Uhr.

Wichtige Aufgaben

„Eine der Aufgaben der Hebammenvermittlungszentrale ist neben der Netzwerkarbeit mit Hebammen, Schwangerenberatungsstellen sowie Frauen- und Kinderärzten die Vermittlung von Hebammen“, unterstreicht Melanie Pani, die als Kreishebamme die koordinierende Hebamme dieses Dienstes ist. „Im Hebammennotfalldienst kümmern wir uns um Hausbesuche von Hebammen bei kurzfristig auftretenden Bedarfslagen während des Wochenbetts bei Frauen, die trotz eigener Bemühungen keine Hebamme gefunden haben.“

„Der Dienst wird seit seinem Bestehen sehr gut angenommen“, so Melanie Pani abschließend. „In den nunmehr drei Monaten konnten knapp 50 Frauen Hebammen vermittelt werden. Das ist ein gutes Gefühl.“

Autor:

Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg

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