Neues Angebot geht online
Hebammenvermittlungszentrale und Hebammennotfalldienst im Landkreis Miltenberg

Foto: MEV - MEV82014
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Ab dem heutigen Montag verfügt der Landkreis Miltenberg über zwei neue Einrichtungen: Die Hebammenvermittlungszentrale und der Hebammennotfalldienst sind online gegangen und bieten ab sofort allen Schwangeren und jungen Müttern mit ihren Familien ihre umfangreichen Dienste an.

In einem Pressegespräch stellte das Landratsamt das neue Angebot vor. Dazu begrüßte Landrat Jens Marco Scherf Melanie Pani (Kreishebamme), Lena Ullrich (Geschäftsstellenleiterin Gesundheitsregionplus), Dr. Erwin Dittmeier (Abteilungsleiter Gesundheit und Soziales), Irene Reis-Özkaya (Sachbearbeiterin Allgemeine Schwangerenberatung) und Iris Neppl (Sachbereichsleiterin Frühe Hilfen, Jugend und Familie – Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi)).

Landrat Scherf betonte, dass die Hebammenversorgung eine wichtige Aufgabe darstellt und für junge Mütter und Väter von zentraler Bedeutung ist. Gemeinsam ist es nun der Gesundheitsregionplus und der Kreishebammenschaft Miltenberg gelungen, im Rahmen des Förderprogramms Geburtshilfe des Freistaates Bayern eine Hebammenvermittlungszentrale und einen Hebammennotfalldienst für den Landkreis Miltenberg zu vereinbaren und aufzubauen. Die erforderlichen Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen, so dass die beiden neuen Einrichtungen ab sofort von der Kreishebammenschaft Miltenberg angeboten werden können.

Lena Ullrich, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus, stellte den Werdegang dar. Im Dezember 2017 kamen die ersten Informationen über das Förderprogramm Geburtshilfe des Freistaates Bayern. Dieses hat zwei Säulen: die Unterstützung, Stärkung und Sicherung der Hebammenversorgung in der Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung sowie den Defizitausgleich für kleine Geburtshilfliche Abteilungen in kommunalen Krankenhäusern im ländlichen Raum. Im Februar 2018 hatte die Kreishebammenschaft dazu Kontakt mit der Gesundheitsregionplus aufgenommen. Im Juli fand das erste Treffen statt, das dem Austausch über den Entwurf der Förderrichtlinie, der Erarbeitung erster Ideen (Hebammenvermittlungszentrale, Hebammennotfalldienst, Werbung für Hebammenberuf) und einer gemeinsam getroffenen Vereinbarung zur Umsetzung dieser Ideen diente.

Im September 2018 übersandte der Bayerische Landkreistag die endgültige Förderrichtlinie zur ersten Fördersäule „Hebammenversorgung“ mit Inkrafttreten am 28. September. Daraufhin fand im Oktober das zweite Treffen statt, um Details und die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Beim dritten Treffen im November schließlich wurden die Hebammenvermittlungszentrale und der Hebammennotfalldienst ausgearbeitet. Am 12. Dezember 2018 folgte die Antragstellung bei der zuständigen Regierung von Oberfranken, die bereits am 12. Dezember den Zugang bestätigte und damit den Maßnahmenbeginn vorzeitig freigab. So stand der Unterzeichnung der Vereinbarung über die Einrichtung und den Betrieb einer Hebammenvermittlungszentrale und eines Hebammennotfalldienstes im Landkreis Miltenberg durch die Kreishebammenschaft in Eigenregie, der im Januar 2019 erfolgte, nichts mehr im Wege. Von Januar bis Mitte Februar erfolgten die Vorbereitungen im Back-office-Bereich. Am heutigen Montag ist nun der offizielle Start der Front-office-Arbeit.

Die Aufgaben der Hebammenvermittlungszentrale:

  • Netzwerkarbeit mit Hebammen, Schwangerenberatungsstellen, Frauen- und Kinderärzten, Gesundheits- und Jugendamt sowie anderen Diensten und Einrichtungen rund um die Geburt und das Wochenbett
  • Aufbau und Pflege einer eigenen Homepage www.hebammen-miltenberg.de
  • Durchführung von festen Telefonsprechstunden sowie Vermittlung von Hebammen und anderen Angeboten / Diensten rund um Geburt und Wochenbett
  • Organisation und Koordination des Hebammennotfalldienstes, Werbung bei den Hebammen in der Kreishebammenschaft für eine Teilnahme und Bestätigung eines entsprechendes Einsatzes

Diese Aufgaben werden von der Kreishebamme als koordinierende Hebamme übernommen. Feste Sprechstunden für die Hebammenvermittlungszentrale sind ab sofort Dienstag und Donnerstag jeweils von 16 bis 18 Uhr.

Die Aufgaben des Hebammennotfalldienstes:

  • Hausbesuche bei kurzfristig auftretenden Bedarfslagen während des Wochenbetts (bis zur 12. Lebenswoche) bei Frauen, die nachweislich trotz eigener Bemühungen keine Hebamme haben.

Hierzu sind niedergelassene und freiberufliche Hebammen notwendig, die Hausbesuche bei den Wöchnerinnen durchführen. Der Zeitumfang ist auf 20 Hausbesuche je Wöchnerin begrenzt. Zu den festen Sprechstunden kann Kontakt mit der Hebammenvermittlungszentrale für die Hebammenbetreuung aufgenommen werden.

Kreishebamme Melanie Pani führte aus, dass etwa jede dritte Mutter nach ihrer Entbindung im Krankenhaus keine Hebamme für die Wochenbettversorgung findet. Hier ist eindeutig Bedarf da. Deshalb ist es für werdende Mütter laut Melanie Pani wichtig, sich bereits frühzeitig um eine Hebamme zu kümmern. Die Hebammen unterstützen Mütter nicht nur während der Geburt, sondern sind auch in der Zeit der Schwangerschaft, in der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett wichtige Ansprechpartnerinnen für Familien, da in dieser sensiblen Phase des Lebens viele Fragen auftauchen. Der Kontakt zur Hebamme ist wichtig und unerlässlich. Im Landkreis Miltenberg gibt es etwa 35 bis 40 freiberufliche Hebammen.

Anschließend präsentierte Melanie Pani die neue Homepage www.hebammen-miltenberg.de. Mit dieser ist es ab sofort möglich, Hebammen zu suchen und vermittelt zu bekommen. Der Service, so Melanie Pani, wird noch weiter ausgebaut und ausgeweitet, beispielsweise mit der Auflistung von Kursen. Mittels eines Flyers, der bei Frauen- und Kinderärzten und bei weiteren Stellen ausliegt, wird auf die neuen Einrichtungen hingewiesen.

Dr. Erwin Dittmeier informierte über die Förderung des Projektes. 90 Prozent der Kosten trägt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, 10 Prozent beträgt demnach der Eigenanteil des Landkreises. Gefördert werden 40 Euro je Geburt. Im Landkreis Miltenberg werden pro Jahr zwischen 730 und 750 Kinder in der Helios Klinik Erlenbach geboren (2017 – 758 Geburten, 2018 – 732 Geburten). Der maximale Förderbetrag beläuft sich daher auf rund 30.000 Euro.

Insgesamt gibt es im Landkreis zu wenige Hebammen für die Schwangerenvorsorge und die Wochenbettbetreuung. Ziel muss es laut Dr. Dittmeier sein, diesen Fachkräftemangel nicht bei den schwangeren Frauen ankommen zu lassen. Der Landkreis fördert daher zusätzlich jede Hebamme mit 10 Euro pro Hausbesuch.

Irene Reis-Özkaya berichtete von zahlreichen Frauen, die jährlich die Dienste der Allgemeinen Schwangerenberatung in Anspruch nehmen. Gesprächssuchende sind Frauen mit einem besonderen Hintergrund wie junge Mütter oder Frauen mit Migrationshintergrund. Die Frage, ob eine Hebamme gefunden wurde, ist praktisch immer Teil des Gesprächs. Sie begrüßte die neuen Angebote, die eine tolle Sache sind und genau auf die Zielgrupppe abzielen.

Iris Neppl von der Koordinierenden Kinderschutzstelle (KoKi) im Landkreis führte aus, dass in ihrem Zuständigkeitsbereich ebenfalls viele belastete und wenig strukturierte Familien Hilfe suchen, so dass Hilfen hier umso wichtiger sind. Sie betonte, dass es sich bei den beiden neuen Einrichtungen um einen wertvollen Dienst handelt, der hier geleistet wird.

Foto: MEV - MEV82014
Melanie Pani (Kreishebamme), Landrat Jens Marco Scherf, Lena Ullrich (Geschäftsstellenleiterin Gesundheitsregionplus), Dr. Erwin Dittmeier (Abteilungsleiter Gesundheit und Soziales), Irene Reis-Özkaya (Sachbearbeiterin Allgemeine Schwangerenberatung) und Iris Neppl (Sachbereichsleiterin Frühe Hilfen, Jugend und Familie – Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi)) (von links) beim Pressegespräch im Landratsamt.
Foto: Pixabay
Autor:

Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg

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