Mittelschule Miltenberg
Deutschunterricht als Zweitsprache

Die Mittelschule in Miltenberg besuchen im Schuljahr 2019/2020 227 Schüler, davon haben 117 Schüler einen Migrationshintergrund. Viele von ihnen wurden schon in Deutschland geboren. Schüler aus ganz Europa besuchen unsere Schule; sie oder ihre Eltern kommen z. B. aus Portugal, Polen, Rumänien, Russ. Förderation, Ukraine, Bosnien, Slowenien, Spanien. Griechenland, Italien und Georgien .Andere Schüler kommen aus Asien, wie z. B. aus der Türkei, Kasachstan, Pakistan, Thailand oder Vietnam. Andere haben arabische Wurzeln wie z. B. Schüler aus Syrien und dem Jemen.
Nicht alle dieser Schüler besuchen eine deutsche Schule zum ersten Mal. Viele von ihnen wurden bereits in die Grundschule eingeschult und beherrschen die deutsche Sprache gut, manche sogar besser als ihre deutschen Mitschüler, so dass nicht alle eine besondere Förderung in der deutschen Sprache benötigen. Die Sprache und die anderen Kulturen, die diese Schüler prägen, gestalten unseren Schulalltag bunter und vielfältiger. Sie bereichern unsere Vorstellungen von der Welt.
Die Beherrschung unserer Sprache verlangt von vielen Schülern zusätzliches Lernen, um den Unterricht und den Alltag in Deutschland bewältigen zu können. Besonders die Schrift stellt an die Schülerinnen und Schüler aus Russland, Thailand, Syrien und dem Jemen besondere Herausforderungen, denn wenn sie bereits in ihren Heimatländern eingeschult waren, erlernten sie die Schriftzeichen ihrer Sprachen, die große Unterschiede zu unserer Schrift aufweisen
So beginnt häufig der Deutschunterricht mit dem Erlernen der Druckschrift oder lateinischen Ausgangsschrift. Älteren Schülern fällt die Eingewöhnung in unseren Schulalltag schwerer als jüngeren.
In diesem Schuljahr unterrichtete ich zwei Schwestern aus Syrien, die als Flüchtlinge bereits in Jordanien die Schule dort sechs Jahre besuchten. Sie wurden bei uns in die 6. Klasse aufgenommen. Sie und ihre Eltern sprechen nur Arabisch. Sie erlernten die arabische Schrift, die von rechts nach links geschrieben wird und keine Großbuchstaben kennt. Sie mussten sich mühsam an unseren Schulalltag gewöhnen. Die Zensurengebung unterscheidet sich in den arabischen Ländern von der unseren. Dort ist eine 10 eine sehr gute Note.
Ein weiterer Schüler in dieser Gruppe ist ein Junge aus Thailand, der dort bereits fünf Jahre die Schule besuchte. Er spricht nur Thai. Seine Schriftzeichen werden von links nach rechts geschrieben, dennoch stellen unsere Schriftzeichen und ihre Aussprache große Lernanforderungen an ihn. Sowohl den Schwestern aus Syrien wie auch ihm fällt die Aussprache unserer Wörter und die Intonation unserer Sätze sehr schwer.
Dieser kleinen Gruppe versuchte ich nun in diesem Schuljahr, die ersten Deutschkenntnisse zu vermitteln. Da ich weder Arabisch noch Thai spreche, meine Schüler auch kein Englisch, kann ich unsere Sprache nur durch Gegenstände, Bilder, Gesten und Szenen auf Bildern vermitteln. Die Schüler müssen die Aussprache unserer Wörter, ihre Bedeutung und die Struktur unserer Sätze mühsam lernen. Es muss immer wieder das Wort dem Gegenstand, dem Bild oder die Satzstruktur der vorgemachten Aktion zugeordnet werden. Sie müssen lernen zu erraten, was ihnen durch Anschauung in unserer Sprache vermittelt wird. Sie müssen es in ihre Sprache übersetzen, was eine große geistige Flexibilität verlangt.
Nicht alle Bilder oder Satzstrukturen sind eindeutig, so gibt ihnen unsere Sprache immer wieder Rätsel auf. Ohne viel Üben und Lernen, auch zu Hause, können sie keine Fortschritte erzielen.
Aber nicht nur das Verstehen der neuen Sprache ist schwierig und die Konzentration, die das erfordert, sehr anstrengend, auch das Finden von Freunden stellt eine schwierige Aufgabe dar.
So stellt der Deutschunterricht nicht nur an die Schüler, aber auch an den Lehrer große Anforderungen, hinsichtlich der Fantasie, neue Wörter und neue Satzmuster einzuführen und diese zu lernen. Die Schüler in den Schulalltag zu integrieren und sie so langsam an unser Leben und den Alltag heranzuführen, gelingt manchmal nur sehr langsam und erfordert sehr viel Geduld und Verständnis. Deutsch zu lernen oder zu lehren bedeutet für Schüler wie Lehrer eine echte Herausforderung. Beide müssen sich immer wieder neu den Schwierigkeiten stellen und sich immer wieder neu motivieren.

Ruth Schoeyen, Mittelschule Miltenberg

Autor:

Mittelschule Miltenberg aus Miltenberg

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