„Schule nur Bühne für unvollständige Prozesse“ -Vortrag zur Schulangst von Prof. Dr. Eva Rass

Am Abend des 13. Januars fand in der Aula der Theresia-Gerhardinger-Realschule eine Informationsveranstaltung zum Thema Schulangst statt. Schulleiter Herr Schwarz begrüßte Frau Prof. Dr. Eva Rass, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin der Hochschule Mannheim. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Therapeutin und lehrt zugleich an der Fakultät für Sozialwesen. Sie hielt bereits mehrere Vorträge in der Realschule. Durch solche will sie bei Eltern und Lehrern das Bewusstsein für jugendpsychologische Probleme schärfen und Vorurteilen vorbeugen.
Gleich zu Beginn stellte sie fest, dass schlechte Noten nur selten der Grund für Schulangst seien. Es sei ein komplexes und langwieriges Thema, das nur durch professionelle Hilfe und die Zusammenarbeit aller Beteiligter -von den Eltern bis zum Kinderarzt- zu lösen ist. Auch betreffe es alle Altersstufen vom Abiturienten bis zum 1.-Klässler. Neben der Schulangst gebe es, laut Rass, eine ganze Reihe weiterer Leiden die Schüler betreffen, aber die gleichen Ursachen haben.
Im weiteren Verlauf fasste Frau Rass die Entwicklungspsychologie vom Säuglingsalter bis zur Pubertät zusammen. Die Heranwachsenden haben dabei Entwicklungsaufgaben zu meistern wie Laufenlernen oder die Regulation von Stress in der Trotzphase, aber auch das Auseinandersetzen mit den Eltern oder Gleichaltrigen. Je besser und vollständiger eine Aufgabe bewältigt werde, desto mehr Sicherheit habe das Kind bei der folgenden. Gerade an weiterführenden Schulen fallen aber für die Kinder gleich zwei Aufgaben gleichzeitig an: Das Zurechtfinden in einer neuen Schule/Klasse und die Pubertät, mit allen ihren körperlichen, emotionalen und geistigen Achterbahnfahrten. Für Kinder mit nicht bewältigten Entwicklungsaufgaben könne dies Trennungsangst und damit Schulangst bewirken.
Besonders in Kombination mit einer Wahrnehmungsstörung, also einer anderen Verarbeitung von Reizen, habe dies Folgen. Dies können Lese- oder Rechenschwächen sein, aber auch leichte motorische Störungen. Diese seien nicht selten, gerade bei Jungs, allerdings fielen sie in der heutigen, komplexen Lebenswelt viel mehr auf. So wird die Schule ein unbehaglicher Ort, vor dem man sich mit Vermeidungsstrategien zu entziehen versucht. Der entstehende Stress löse dann körperliche Reaktionen wie Übelkeit oder Kopfschmerz aus.
Am Ende beantwortete Frau Rass noch Frauen aus dem Publikum. Herr Schwarz bedankte sich im Namen aller für den fundierten, aber auch kurzweiligen Vortrag.
L.Graf

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