Ein Vierteljahrhundert im Dienst der guten Sache

„Älter werden in dieser Zeit“, lautete das Thema der Rede von Franz Müntefering (rechts). Unter den Gästen waren auch (erste Reihe von links Ex-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Zöller, Landrat Jens Marco Scherf, Gemeindetags-Kreisvorsitzender Günther Oettinger, Renate Schwing und Obernburgs Bürgermeister Dietmar Fieger.
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  • „Älter werden in dieser Zeit“, lautete das Thema der Rede von Franz Müntefering (rechts). Unter den Gästen waren auch (erste Reihe von links Ex-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Zöller, Landrat Jens Marco Scherf, Gemeindetags-Kreisvorsitzender Günther Oettinger, Renate Schwing und Obernburgs Bürgermeister Dietmar Fieger.
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Über 2,5 Millionen Euro hat die Stiftung Altenhilfe in den 25 Jahren ihres Bestehens für Gegenstände und Maßnahmen bewilligt, die dem Wohl alter Menschen dienen. Eine segensreiche Einrichtung, befand auch der ehemalige deutsche Vizekanzler Franz Müntefering, der am Freitag zur Feier des Jubiläums gekommen war.

Bei tropischen Temperaturen war die Aula des Pflegezentrums Obernburg gut gefüllt, als Landrat Jens Marco Scherf auf die Historie der Stiftung einging. Landrat Roland Schwing und der damalige Vorsitzende des Kreisverbands des Bayerischen Gemeindetages, Gerhard Nebel, hatten im Juni 1992 im Kreistag ein großes Ziel formuliert: Alte Menschen müssen sich auch wohlfühlen, wenn sie ihr gewohntes Zuhause verlassen müssen. Eine Stiftung solle dort helfen, wo die öffentliche Finanzierung aufhört. Landkreis und Kommunen sollten jeweils eine Mark pro Einwohner pro Jahr einzahlen. Daneben sollten die Stiftungsgeschäfte durch Spenden und Zinsen aus dem Vermögensgrundstock gewährleistet werden.
Ein Kuratorium sei für die Gewährung von Förderungen für Gegenstände und Maßnahmen verantwortlich, erklärte der Landrat: zur Erhöhung der Lebensqualität und Freizeitgestaltung, der Gesundheitsförderung über das vorgeschriebene Maß hinaus, der Erleichterung der Pflege für alte Menschen und Mitarbeiter, für zusätzliche Annehmlichkeiten, für Mitarbeiter-Fortbildungen zum Zweck der Qualitätssteigerung sowie zur Begleitung und Schulung pflegender Angehöriger. Die Stiftung habe im Februar 1993 die ersten Förderungen in Höhe von 47.500 Mark bewilligt, wusste Scherf.

Die Gründung der Stiftung sei in erster Linie dem damaligen Landrat Roland Schwing zu verdanken, stellte er dankbar fest. Dieser habe mit Hilfe zahlreicher Unterstützer die Stiftung ins Leben gerufen. „Eine zukunftsweisende Idee“, befand Scherf. Seit 2003 seien alle Landkreisgemeinden an der Stiftung beteiligt, freute er sich – Ergebnis des unermüdlichen Werbens von Roland Schwing. Dieser sei für seine Verdienste folgerichtig zum Ehrenvorsitzenden der Stiftung ernannt worden. Schwing habe sich an jeder Sitzung beteiligt und in vielen Diskussionen dazu beigetragen, die Stiftungsidee zu bewahren. „Die Stiftung Altenhilfe in seinem Sinn fortzuführen, zu erhalten und auszubauen sehen wir als Vermächtnis an, dem wir im besten Sinn Rechnung tragen wollen“, so Scherf. Er dankte auch Manfred Vill, Christina Jung, Doris Münch und Elke Breunig, die das Tagesgeschäft der Stiftung übernehmen. „Der Herausforderung der alternden Gesellschaft müssen wir uns alle stellen“, steht für den Landrat fest. Welch hohen Stellenwert die Pflege hat, beweise auch das 2017 gegründete Pflegenetz.

„Das Altwerden ist eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft“, pflichtete Festredner Franz Müntefering dem Landrat bei. Themen wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung müsse man sich offen nähern und besprechen. Sorge bereiten ihm die zahlreichen Stürze in Wohnungen, die oft tödliche Folgen haben. Bewegung sei aber sehr wichtig, rief er dazu auf, nicht den Liegestuhl zu wählen, sondern sich fit zu halten. Am besten gelinge dies im Verbund mit anderen Menschen. Dem Bund riet er zu einem Programm, das die Herstellung der Barrierefreiheit in Wohnungen zum Ziel hat. Türen verbreitern, Sitzduschen bauen statt Badewannen, Hindernisse aus dem Weg räumen – all diese Maßnahmen gelte es umzusetzen. Als Problem sieht Müntefering, der der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen vorsitzt, die Vereinsamung von Menschen, die oft alleine in der Wohnung sitzen und verwahrlosen. „Pflegen Sie soziale Kontakte und Freundschaften“, forderte er und nannte das Beispiel einer Genossenschaft in Bielefeld. Deren Mitglieder schließen sich zu Kleingruppen zusammen die gemeinsam etwas unternehmen. Wer nicht zu Treffen kommen kann, wird besucht oder angerufen. Aber, so Müntefering: „Die Menschen müssen sich auch helfen lassen.“
Er forderte dazu auf, das Thema Demenz öffentlich ins Bewusstsein zu rufen und nicht wie bisher zu tabuisieren. Als enorm wichtig bezeichnete er das Stellen einer klaren Diagnose, denn nur dann könne man wissen, ob und welche Therapien möglich sind. Auch sollten die pflegenden Angehörigen eines beherzigen: „Wenn der Pflegebedarf eine gewisse Schwere hat, ist die Unterbringung des Kranken in einer stationären Einrichtung wichtig.“ Denn, so der 78-Jährige: „Der Pflegende darf nicht selbst vor die Hunde gehen.“ „Seien Sie aktiv“, riet er den Seniorinnen und Senioren. „Solange man klar im Kopf ist, ist man mit verantwortlich für das, was passiert“, sagte er und forderte dazu auf, in Vereinen aktiv zu bleiben, ebenso in der Kommunalpolitik. Für ihn gilt das Credo: Laufen, Lernen und Lachen. Wer dies beherzigt, habe ein lebenswertes Leben, findet er.

In seinem Grußwort bekannte der Kreisvorsitzende des Gemeindetags, Günther Oettinger, er habe noch nie eine solche präzise Zustandsbeschreibung und Rezepte für ein Altern in Würde gehört wie von Müntefering. „Was die Stiftung leistet, ist für alle Landkreisbewohnerinnen und -bewohner ein Gewinn“, fasste er zusammen und sagte plakativ: „Kleine Beiträge, große Wirkung.“ Für Heimleiterin Sabine Geipel, die demnächst in Ruhestand geht, zeugt die Stiftung vom „sozialen Geist in unserem Landkreis.“ Wenn Seniorinnen und Senioren sich wohlfühlen und aktiv sind, stärke das das Selbstbewusstsein und bringe Freude und Zufriedenheit ins Leben. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegezentrums freute sich die 90-jährige Kunigunde Hauenschild über die vielen Bewilligungen der Stiftung Altenhilfe für die Seniorinnen und Senioren. Nebenbei warb sie auch für das Pflegezentrum: „Sehr gute Pflege und ein sehr gutes Mittagessen“ gebe es hier, fand sie und brachte die Gäste mit einigen Anekdoten auch zum Lachen.

Mit einem kurzen Theaterstück brachten zwei Frauen der Theatergruppe „Lichtblick“ die Gäste zum Lachen, als sie einen Sketch im Wartezimmer eines Arztes vortrugen. Musik-stücke der Extraklasse brachten die bereits mehrfach ausgezeichneten Anna Bruhm (Klavier), Emmanuel Klement (Klavier) und Isabella Xiao (Violine, alle Musikschule Obernburg) zu Gehör. Landrat Jens Marco Scherf dankte am Ende auch der Sparkasse Miltenberg-Obernburg und der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg, die die Feier durch Spenden finanziert hatten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegezentrums hätten bei Vorbereitung und Organisation der Feier viel geleistet, lobte Scherf, der auch auf den Einsatz des Vorbereitungsteams mit Kerstin Weckwerth hinwies. In zwei Räumen konnten die Gäste nach der Feierstunde anschauen, welche Gegenstände von der Stiftung Altenhilfe gefördert wurden.

„Älter werden in dieser Zeit“, lautete das Thema der Rede von Franz Müntefering (rechts). Unter den Gästen waren auch (erste Reihe von links Ex-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Zöller, Landrat Jens Marco Scherf, Gemeindetags-Kreisvorsitzender Günther Oettinger, Renate Schwing und Obernburgs Bürgermeister Dietmar Fieger.
„Bleiben Sie aktiv“, riet Franz Müntefering den Seniorinnen und Senioren.
Ob ein Dermatologe wirklich bei Schmerzen im Gedärm helfen kann, erfuhren die Gäste beim Theaterstück „Beim Doktor“.

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