Fechenbach im Ausnahmezustand

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Inzwischen pfiffen es schon die Spatzen von den Dächern: Am Wochenende vom 24. und 25. Mai stieg in ganz Collenberg ein großes Fest. 800 Jahre Fechenbach! Das war schließlich ein besonders guter Grund zum Feiern. Das dachten sich die Verantwortlichen auch und so verwandelte sich die kleine Südspessartgemeinde in einen großen historischen Markt.

Eine einmalige Gemeinschaftsaktion

Der Arbeitskreis 800 Jahre Fechenbach mit Kurt Lindner, Alexandra Marsilia, Peter Podraza, Günter Reichert, Ludwig-Andreas Riedel, Christiane Romstöck, Manfred Stumpf, Robert Ullrich und Bürgermeister Karl Josef Ullrich war bereits seit geraumer Zeit damit beschäftigt, die Planungen für das Festjahr zu koordinieren und die Organisation des historischen Marktes, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten, zu bewerkstelligen. Eines darf man hierbei schon sagen: Es ist eine einmalige Gemeinschaftsaktion entstanden, denn in vielen verschiedenen Gruppen wurde auf das Festwochenende hingearbeitet. Jeder Mann und jede Frau, ja sogar jedes Kind hatten eine spezielle Aufgabe übernommen, die er, sie und es mit Freude in Angriff genommen haben. So sind im Laufe der Monate viele einzelne Bausteine entstanden, die zum historischen Markt zu einem großen Ganzen zusammengefügt wurden.

Gemeinsam für das große Fest

Zwei Gruppen, die sich besonders früh an die Umsetzung der Planungen gemacht haben, waren die Näherinnen und die Budenbauer. Zum einen galt es, zahlreiche historische Kostüme für die vielen Akteure zu schneidern und andererseits sollten Marktstände für das historische Flair des Festes sorgen.

Nähen, was das Zeug hält

Bereits seit Mai 2013 hatten 12 Frauen unter der Leitung von Petra Köller und Petra Schlereth zugeschnitten, genäht und sortiert, was das Zeug hält. Die zeitfüllende Arbeit hat rund 600 komplette Kostüme und etwa 2.500 Einzelteile hervorgebracht, die an Männer, Frauen und Kinder, eben alle Akteure, die beim historischen Markt mit von der Partie waren, verteilt wurden.

Schrauben bis zum Umfallen

Auch die Budenbauer hatten wahrlich eine große Aufgabe vor sich. Sie, das sind die beiden Schreiner Willi Motzel und Lothar Lang sowie Kurt Kukula und Manfred Stumpf, hatten sich im Oktober letzten Jahres an die Arbeit gemacht. Bald wuchs die Gruppe auf acht Personen an, die unermüdlich damit beschäftigt waren, Marktbuden für Verpflegung, Handwerk und vieles mehr zu bauen. Immer dienstags und mittwochs werkelten die eifrigen Männer, um die rund 40 Marktstände zeitgerecht fertigzustellen.

Handwerk zum Anfassen

In den nun fertiggestellten Marktständen waren am Festwochenende neben der Verpflegung, die in den Buden untergebracht war, auch Handwerker zu sehen, die historisches Handwerk präsentierten. Darunter waren Bogenbauer, Steinmetz, Falkner, Fischer, Korbmacher, Schmied, Drechsler, Imker, Jäger, Sattler und noch viele mehr.

Leckeres von Dazumal

Damit alle Besucher aus nah und fern auch bei Kräften blieben, hatte das Festkomitee keine Mühen gescheut und längst vergessene Rezepte aus Großmutters und Urgroßmutters Koch- und Backbüchern hervorgekramt. So konnten sich die Besucher beispielsweise Linsensuppe und Apfelküchle, Saure Bohnen und Dörrfleisch, Maultaschen auf Blattspinat, Brot und Griebenschmalz und natürlich „Quellmänner und Matte“ – heutzutage besser bekannt als Pellkartoffeln und Quark – mit Heringssalat schmecken lassen.

Musik und Unterhaltung für alle

Auf zwei verschiedenen Bühnen, sowie auf Plätzen wie dem Kirch- und dem Rathausplatz wurde zur Unterhaltung der Gäste ebenfalls einiges geboten. An beiden Tagen eröffnete der Ritter Rüdt von der Kollenburg mit seinem Gefolge das Spektakel. Tänze und Sketche in Fechenbacher Dialekt von den Schülern der Grundschule, Gardetanz und Tanz der Waschweiber, Schwertkampf, Spielleute und Musikdarbietungen mit dem Musikverein Collenberg, dem Spielmanns- und Fanfarenzug Waibstadt und dem Alptraum-Quartett rundeten das Programm ab. Einen besonderen Höhepunkt stellte der Große Zapfenstreich dar, der am Sonntag zum Abschluss um 20.30 Uhr mit über 100 Mitwirkenden stattfand.

Tolle alte Spiele für die Kleinen

Damit bei allem Trubel auch die kleinen Besucher nicht zu kurz kamen, hatte man die Grundschule zu Rate gezogen. Rektorin Brigitte Schlegel und ihr Lehrerkollegium erinnerten sich beim Planen an ein Gemälde von Pieter Brueghel dem Älteren, auf dem verschiedene Spiele des Mittelalters dargestellt sind. Dieses nahmen sie zu Hilfe und konzipierten einen Spieleparcours mit 10 Stationen. Die einzelnen Stationen wie Reiterkampf, Bockstechen, Rittermahlzeit, Strohsackhüpfen, Pferdchenlauf, Kartoffeltransport, Erbsenschmiede, Hanfringwerfen, Hammerschlagen sowie Burgherr und Ritter wurden alle aus Naturmaterialien hergestellt bzw. aufgebaut und versetzten die Jüngsten in die Welt mittelalterlicher Spiele. Heinrich Wolf, Hausmeister und gelernter Schreiner, arbeitete intensiv an der Erstellung der Spielgeräte und stellte seine handwerklichen Fähigkeiten augenscheinlich unter Beweis.

Sketche in Mundart

Dazu hatte der Elternbeirat von Schule und Kindergarten unter der Leitung von Yvonne Lanzer und Christian Rüger auch an das leibliche Wohl der kleinen Gäste gedacht und gemeinsam einen Verpflegungsstand organisiert. Zur Unterhaltung auf der Bühne trugen die Grundschüler bei. Die vierte Klasse führte mit ihrer Lehrerin Chantal Bremer Sketche in Fechenbacher Mundart auf. Einen historischen Tanz zeigten die Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse. Die Musik dazu hatte der stellvertretende Schulleiter Erich Kohlhepp ausgesucht. Die Umsetzung und Einstudierung hatte die Faulbacher Lehramtsanwärterin Anna Fecher übernommen, die damit für ihre Zulassungsarbeit Theorie und Praxis verknüpfen konnte.

Ganz entspannt zum großen Fest

Die Westfrankenbahn bot am Festwochenende als Attraktion den Einsatz des historischen Schienenbusses. Der „Rote Spatz“ verkehrte auf der Strecke Aschaffenburg-Wertheim zusätzlich zu den regulären Regionalbahnen und brachte die Gäste ganz entspannt ans Ziel und auch wieder nach Hause.

Herzlichen Dank an alle

Ganz besonders wichtig ist es den Verantwortlichen, allen, die zum Gelingen dieses einmaligen Ereignisses in der Fechenbacher Geschichte beigetragen haben, ein ganz herzliches Dankeschön auszusprechen. Ohne die vielen Unterstützer und ohne die Tatsache, dass dieses Großereignis dank der tollen Hilfsbereitschaft auf viele Schultern verteilt werden konnte, wäre ein solcher Kraftakt sicherlich nicht zu stemmen gewesen. Nur so war es möglich, dass „800 Jahre Fechenbach“ zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle wurde.

Weitere Informationen:
Ausführliche Informationen zum Jubiläum „800 Jahre Fechenbach“ finden Sie im Internet unter www.fechenbach800.de .

Autor:

Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg

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