Büro VIA beginnt in Kürze mit Befahrung der Radwege

Wo besteht noch Handlungsbedarf im Radwegenetz? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Facharbeitskreises zum Radverkehrskonzept brachten zahlreiche Vorschläge ein.
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Die Arbeiten zur Erstellung des landkreisweiten Radverkehrskonzepts gehen voran: Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Facharbeitskreises haben sich am Mittwoch drei Stunden lang mit dem gewünschten Radliniennetz befasst und Anregungen eingebracht.

Kreisbaumeister Andreas Wosnik erläuterte zu Beginn kurz das Hauptziel des Konzepts, nämlich den Bürgerinnen und Bürgern das Radfahren als Alternative zum motorisierten Verkehr nahezubringen. Dies wolle man durch ein Radverkehrskonzept für den gesamten Landkreis erreichen, das in erster Linie dem Alltagsradverkehr dienen soll. Es gelte darum, einzelne Aktivitäten der Kommunen zusammenzuführen und abzustimmen, Lücken in den Radwegenetzen zu erkennen und somit die Grundlage für einen weiteren Ausbau der Radwegenetze durch die Kommunen zu schaffen. In den Händen des Kölner Planungsbüros VIA wisse man sich in besten Händen, zeigte sich Wosnik überzeugt.

Dessen Vertreter Peter Gwiasda und Andrea Fromberg dankten für die zahlreichen bislang eingegangenen Rückmeldungen zum Radwegenetz und fassten zusammen: Vor allem die Anbindungen vom Maintal in Spessart und Odenwald sowie die benachbarten Bundesländer seien gewünscht worden, aber auch die Etablierung eines Radwegenetzes, das für Alltagsradfahrer und Touristen gleichermaßen geeignet sei, zudem sollten die Ortsteile der Städte und Gemeinden angeschlossen werden.

Für Peter Gwiasda geht es in erster Linie darum, den Fokus auf die Alltagsradler zu legen. Man müsse erreichen, dass mehr Menschen kurze Wege nicht mehr mit dem Auto, sondern mit dem Rad zurücklegen, sagte er, zudem brauche man eine E-Bike-taugliche Infrastruktur. Die Verkehrssicherheit müsse erhöht werden, das Netz sei zu verdichten und auf einen bundeseinheitlichen Standard zu bringen, aber auch die Pflege und Wartung sei wichtig. Aus dem Kreis der Teilnehmer sei unter anderem angeregt worden, auch einen Winterdienst für Radwege zu organisieren. Gwiasda versprach ein Radverkehrskonzept, das am Ende Investitionsmaßnahmen aufzeigt, Prioritäten setzt und alle Arbeiten mit Kostenschätzungen hinterlegt, so dass Kommunen genau wissen, welche Aufgaben und Kosten auf sie zukommen. Er zitierte zudem einige Zahlen aus der Unfallanalyse, mit deren Hilfe man unfallbelegte Orte identifiziert habe und so die dort vorhandene Infrastruktur in das Konzept einbeziehen könne. In seiner Präsentation zeigte der Experte auch zahlreiche Anregungen aus den Kommunen, die über das konkrete Liniennetz hinausgehen. Unter anderem wurde angeregt, neue Radwege mit möglichst wenigen Steigungen zu bauen, beim Bau der Radwege Umwege zu vermeiden, Expertenmeinungen bei allen Straßenplanungen einzuholen, nur griffige Beläge zu verwenden, einen Radlbus an Schulen zu organisieren und mehr überdachte und großzügige Fahrradabstellanlagen zu bauen.

Gwiasda konnte auch erste Ergebnisse der Mobilitätsbefragung im Landkreis Miltenberg vermelden, auch wenn diese noch nicht vollständig vorlägen. Leider, so der Fachmann, verfüge man gerade aus den Altersgruppen der Jahrgänge bis etwa 29 Jahre über zu wenige Daten. Deshalb versuche man zurzeit, diese Zahlen nachzuerheben. So habe man Schulen und große Arbeitgeber angeschrieben mit der Bitte, die Schüler und Arbeiter zum Ausfüllen der Umfrage anzuhalten. Der Onlinefragebogen stehe auf der Internetseite des Landratsamts unter www.landkreis-miltenberg.de/Wirtschaft,Bauen-Verkehr/Verkehr/Radverkehrskonzept.aspx bereit, ergänzte Andreas Wosnik. Bis Ende März sollten die Bögen ausgefüllt werden.

Was aus den bisher erfassten Daten hervorgeht, sei dennoch interessant, stellte Gwiasda fest. So sei der Anteil der Radfahrer im Landkreis am Verkehr mit 15 Prozent „sehr gut“ im Vergleich zu anderen ländlichen Kreisen. Zwölf Prozent nutzen das Fahrrad für die Fahrt zum Arbeitsplatz, 18 Prozent zum Einkauf. Dass dennoch Möglichkeiten bestehen, mehr Leute zum Radfahren zu animieren, zeige sich daran, dass 70 Prozent der Befragten Wege bis zu zwei Kilometer mit dem Rad zurücklegen; 50 Prozent fahren mit dem Auto Wege bis zu fünf Kilometer Länge. „Da sehe ich noch jede Menge Verlagerungspotenzial vom Auto auf das Fahrrad“, sagte Gwiasda, zudem könnten dank der Einführung von E-Bikes auch längere Strecken künftig mit dem Fahrrad erfolgen.

In Arbeitsgruppen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung anschließend Gelegenheit, das vom Büro VIA entwickelte Wunschliniennetz unter die Lupe zu nehmen und eventuelle Korrekturen vorzuschlagen. Dieses Netz basiere auf dem bereits vorhandenen Routennetz, so Gwiasda, gegebenenfalls müsse man auch neue Linien finden. Er gab allerdings zu bedenken, dass mancherorts der Bau neuer Radwege nicht möglich sein werde – etwa in den Innenorten. Hier gebe es aber zahlreiche weitere Möglichkeiten – beispielsweise durch das Einzeichnen von Schutzstreifen oder Radfahrstreifen auf den Straßen.

Dass sich die Diskussion des Netzes lohnte, zeigte sich daran, dass Gwiasda und Fromberg zahlreiche neue Ideen und Vorschläge in den Karten eintragen konnten. Die Mitarbeiter des Büros wollen in Kürze mit dem Befahren der Radwege und der Analyse beginnen, kündigte Gwiasda an, bis dahin würden in den betroffenen Kommunen noch Anregungen zum Netz angenommen. Die kartierten Defizite würden anschließend in den Arbeitskreisen diskutiert und mit Maßnahmenvorschlägen hinterlegt, ehe das fertige Konzept – einschließlich eines Pedelec-Konzepts – im Herbst 2017 vorliegen soll.

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