Seniorenpolitisches Gesamtkonzept
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept wird fortgeschrieben

Großes Interesse an der Auftaktveranstaltung zur Überprüfung und Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts im Miltenberger Landratsamt.  | Foto: Winfried Zang
  • Großes Interesse an der Auftaktveranstaltung zur Überprüfung und Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts im Miltenberger Landratsamt.
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Der demographische Wandel stellt die gesamte Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Zu den zentralen gesellschaftlichen Aufgaben gehört dabei unter anderem eine Antwort auf die Frage, wie man Älteren auch künftig ein selbstbestimmtes, sicheres und lebenswertes Leben ermöglichen kann. Das Seniorenpolitische Gesamtkonzept (SPGK), das derzeit überarbeitet wird, nimmt in diesem Zusammenhang Themen wie Mobilität, Wohnen, soziale Teilhabe, medizinische Versorgung, Beratung und viele weitere in den Fokus.

Zur Auftaktveranstaltung zur Überprüfung und Fortschreibung des Konzepts begrüßten Christina Jung (Fachstelle für Altenhilfeplanung und allgemeine Seniorenarbeit) und Pascal Nowak (im Landratsamt zuständig für die Bereiche Senioren und Heimaufsicht) am Montag rund 40 Gäste im Landratsamt – unter anderem aus der Kommunalpolitik, aus den Seniorenvertretungen und dem Quartiersmanagement. Es gehe darum, gute Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Menschen auch im Alter möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können, führte Landrat Björn Bartels in das Thema ein. Nachdem das letzte SPGK aus dem Jahr 2019 stammt, sei es an der Zeit, Entwicklungen der letzten Jahre zu analysieren, Bedarfe zu erkennen und gemeinsam Antworten auf die Herausforderungen zu finden. So sei die Pflegebedarfsplanung ein wichtiger Baustein zur frühzeitigen Erkennung von künftigen Unterstützungs- und Versorgungsangeboten. Ziel sei es, eine verlässliche Grundlage für die künftige Seniorenpolitik im Landkreis zu erarbeiten, sagte Bartels und stellte klar, dass dies nur im Schulterschluss aller Beteiligten gelingen könne.

Bei der Fortschreibung des Konzepts wird der Landkreis von der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (AfA) aus München unterstützt. Anja Preuß und Doris Rudolf erläuterten, dass AfA mit einem interdisziplinären Team vielfältig tätig sei – unter anderem auf Fachgebieten wie Seniorenpolitischen Gesamtkonzepten, Ausschreibungen, Pflegebedarfsplanungen, Bedarfsanalysten zur Hospizversorgung und vielen mehr. Man begleite etwa Kommunen und Regionen bei Projekten zur Bewältigung des demografischen Wandels. Auch der Landkreis Miltenberg werde vom demographischen Wandel nicht verschont, zeigte Preuß und nannte einen Anteil von 40.400 Älteren im Jahr 2024, der sich bis ins Jahr 2044 auf 44.800 erhöhen werde. Damit stiegen die gesellschaftlichen Herausforderungen, stellte sie fest.

Konkret auf den Landkreis Miltenberg bezogen, kündigte Doris Rudolf eine stichprobenartige Befragung von über 60-Jährigen in allen Kommunen an, auch die Städte, Märkte und Gemeinden würden befragt. Diese Befragungen sollen in Kürze beginnen. Im Herbst 2026 werden zwei Expertenworkshops stattfinden, auch die Pflegeangebote sollen durch Befragungen ermittelt werden. Diese resultieren in der Berechnung der Pflegebedarfsprognose. Der Schlussbericht soll im Frühjahr 2027 vorliegen.

Wie Kommunen eine Anlaufstelle für Ältere etablieren können, zeigten Bürgstadts zweiter Bürgermeister Bernd Neuberger und Quartiersmanagerin Jessica Breunig. Wie Neuberger erklärte, lägen ihm die Belange der Senioren sehr am Herzen, daher habe er im Jahr 2020 begonnen, das Thema anzupacken. Ein von ihm angedachtes Seniorenheim in Bürgstadt habe man nicht realisieren können, da das Angebot im Umland ausreichend sei. Ein Fragebogen, der allen über 50-Jährigen zugegangen war, habe in der Empfehlung resultiert, ein Quartiersmanagement einzurichten. Der Gemeinderat sagte dazu im Jahr 2023 Ja, sodass Jessica Breunig im April 2024 ihre Halbtagsstelle antrat. Diese Stelle wird für vier Jahre mit 80.000 Euro gefördert, im nächsten Jahr muss sich der Gemeinderat Gedanken über eine Fortführung machen.

Jessica Breunig nannte es als ihr Ziel, eine Anlaufstelle für alle Fragen und Ideen rund um das Thema Alter zu schaffen. Sie betrachte Themen aus Sicht der Senioren, bringe Ideen ein und baue neue Strukturen auf. Am Ende gehe es darum, es Älteren zu ermöglichen, möglichst lange zuhause wohnen bleiben zu können. Sie gab einen Überblick ihrer vielfältigen Aufgaben, die von Netzwerkarbeit über Veranstaltungen und Beratung bis zur Bereitstellung von Informationen reichen. Quartiersmanagement gehe nicht ohne die Kommune und ihre Unterstützung, stellte sie klar – und das sei in Bürgstadt der Fall. Ihr Angebot sei kostenlos, vertrauensvoll, niederschwellig, barrierefrei, neutral und, falls nötig, komme sie auch zu Menschen nach Hause. Nach der Startphase mit Einarbeitung, Kennenlernen der Aktiven im Bereich Seniorenarbeit und Teilnahme an einer Fortbildung laufe es sehr gut, sagte sie und stellte Veranstaltungsformate, ihr Beratungsangebot und ihre Öffentlichkeitsarbeit vor. Die Kosten seien sehr gering und würden größtenteils über freiwillige Spenden oder den Verzicht der Referenten auf Gagen gedeckt, Ehrenamtliche brächten sich vielfältig ein. Ihre Arbeit sei aber nicht 1:1 auf jede andere Kommune übertragbar, jede Gemeinde müsse selbst herausfinden, was für sie am besten ist. Die Menschen seien dankbar, dass es ihre Stelle gibt, verwies sie auf entsprechende Rückmeldungen und freute sich, dass sie zahlreiche Erfolgserlebnisse gehabt habe.

Doris Rudolf und Anja Preuß informierten abschließend über zwei Koordinationsstellen, an denen die AfA beteiligt ist. „Wohnen im Alter“ ist ein Projekt des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales, die AfA ist der Träger. Die Koordinationsstelle biete Informationen, kostenfreie Beratung und Unterstützung zu Themen wie seniorengerechte Quartierskonzepte, Wohnberatungen, zu ehrenamtlich getragenen Nachbarschaftshilfen, neuen Wohnformen wie Seniorenhausgemeinschaften oder generationenübergreifenden Wohnprojekten. Doris Rudolf stellte mehrere mögliche Projekte vor und hinterlegte diese mit Fördersummen.
Die Koordinationsstelle „Pflege und Wohnen“ wurde 2020 auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention gegründet. Projektträgerin ist die AfA. Ziel der vom Ministerium geförderten Stelle ist es, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu unterstützen, damit sie möglichst lange in der vertrauten Umgebung leben können. Dafür entwickelt die AfA gemeinsam mit Kommunen und Initiativen nachhaltige Wohn- und Pflegekonzepte.

Alles Wissenswerte zu den genannten Themen im Internet: www.afa-sozialplanung.de , www.wohnen-alter-bayern.de/ und www.bayern-pflege-wohnen.de.

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