Dem Landschaftspflegeverband geht die Arbeit nicht aus

Das vergangene Jahr sei für den Landschaftspflegeverband arbeitsintensiv gewesen, hat Verbandsvorsitzender Landrat Jens Marco Scherf in der Mitgliederversammlung am Dienstag im Landratsamt festgestellt. Er verwies unter anderem auf mehrere Informationsveranstaltungen, Begehungen, Führungen sowie einer Ausstellung beim regionalen Apfelmarkt in Elsenfeld.

Der Erhalt der Terrassensteillagen in Klingenberg und Erlenbach habe einen Arbeitsschwerpunkt dargestellt, blickte er zurück. In den vergangenen Jahren habe man für einige größere zusammenhängende Grundstücke Winzer für die Bewirtschaftung der freigestellten Weinberge gefunden und über die Flurbereinigung hätten mehrere Kilometer Trockenmauern wiederhergestellt werden können. Nach wie vor leisteten die für den Verband tätigen Landwirte Knochenarbeit in den Terrassenlagen, sagte er und bedauerte: „Nachwuchs ist leider nicht in Sicht.“ Die Maßnahmen zum Erhalt der Terrassensteillagen würden auch in den nächsten Jahren Arbeitsschwerpunkte darstellen.

Nach wie vor gebe es viele alte und aufgelassene Weinbergslagen, große Hangbereiche hätten sich bewaldet. Einige Lagen hätten sich dagegen zu landschaftlichen Schmuckstücken entwickelt wie etwa der Plattenberg bei Kleinwallstadt, wo ein Schafbeweidungsprojekt seit 2018 erfolgreich läuft. Auch in den alten Weinbergslagen in Eichenbühl und Weilbach spiele die Schafbeweidung eine Schlüsselrolle. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt sei der Erhalt und die Förderung der Streuobstnutzung – etwa mit einer kreisweiten Pflanzaktion im Lebensraum des Steinkauzes.

Die Lehrgänge zum zertifizierten Landschaftsobstbauer seien laut Scherf im Dezember 2018 bereits in die siebte Staffel gegangen. Dabei würden an fünf Kurswochenenden die Grundlagen für die Neupflanzung von Obstbäumen bis hin zur sachgemäßen Erziehungs- und Pflegeschnitt vermittelt – auch in diesem Jahr. Die Nachfrage nach den Kursen sei sehr groß, ergänzte Kerstin Maier (Landschaftspflegeverband).

Scherf dankte ausdrücklich den Landwirten für ihre hervorragende Arbeit. „Ihr Wirken ist eine unverzichtbare Voraussetzung für den sichtbaren Erfolg der vielfältigen Landschaftspflegeprojekte im Landkreis Miltenberg“, lobte er und bedauerte, dass kaum mehr Landwirte für die Handarbeit zu begeistern seien. Insgesamt zeigten die Aktivitäten des Landschaftspflegeverbandes eindrucksvoll die Bedeutung des Verbandes für den Erhalt der abwechslungsreichen Kulturlandschaft.

Kerstin Maier ging auf die Obstbaumpflanzaktion ein, die dank Förderung für die Interessenten einen Eigenanteil von 11,60 Euro pro Baum und Pflanzmaterial bedeutet. Gepflanzt werden dürften nur hochstämmige Bäume mit alten und robusten Sorten in ausreichendem Abstand. Zudem müssten die Pflanzer sich zur Pflege der Bäume verpflichten. Das Interesse der Bürger an der Aktion wachse, freute sie sich.

Laut Siegmar Hartlaub (Landschaftspflegeverband) müsse man dringend das Mistelproblem an Obstbäumen angehen. Der Befall sei in manchen Arealen mittlerweile so stark, dass mitunter nur noch die Fällung der Bäume bleibe. Erfolg sei nur gemeinschaftlich zu erreichen, appellierte Hartlaub an die Eigentümer und Kommunen, denn man müsse ganze Areale von der Mistel befreien und nicht nur einzelne Bäume. Nicht nur Trockenheit und hohe Sonneneinstrahlung führen zu Schäden bei jungen und alten Obstbäumen. Obstbauer Matthias Wolf berichtete zudem von Schäden durch das massenweise Auftreten von Engerlingen im Boden, die die Wurzeln der Obstbäume zerstören. Er forderte zudem die Bürgerinnen und Bürger auf, die Anstrengungen der Obstbauern zu honorieren und zu regional erzeugtem Streuobstapfelsaft zu greifen. Für Landrat Jens Marco Scherf bietet unter anderem das LAG-Projekt „Regionale Identität“ die Möglichkeit, auch landwirtschaftliche Produkte in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.

Um den regionalen Apfelwein zu bewerben, schlug Röllbachs Bürgermeister Rudi Schreck vor, künftig öffentlichkeitswirksam Apfelweinprämierungen zu veranstalten.

Der Geschäftsführer stellte die vorläufige Maßnahmenplanung für das Programmjahr 2019/2020 vor.

Der Landschaftspflegeverband will Hartlaub zufolge im nächsten Jahr über 200.000 Euro in verschiedene Vorhaben investieren. 30 Prozent der Kosten sind vom Verband zu tragen.

Dazu gehören beispielsweise Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet Buntsandsteinbruch Reistenhausen, Artenhilfsmaßnahmen für den Feuersalamander im Geotop Seltenbachschlucht Klingenberg sowie Heckenpflanzungen in Mainbullau und Heckenpflege in Bürgstadt.
Laut Hartlaub gehören dem Landschaftspflegeverband zurzeit der Landkreis Miltenberg, 29 von 32 Kommunen, neun Verbände sowie 20 Einzelmitglieder an (Stand: 31.12.2018).
Die Kassenprüfung wurde von Bürgermeister Rudi Schreck und Hermann Spinnler durchgeführt. An zwei Tagen wurden sämtliche Auszüge und Rechnungen geprüft. Rudi Schreck bescheinigte eine ordnungsmäße und gut nachvollziehbare Kassenführung. Die Vorstandschaft wird ohne Gegenstimme entlastet.

Ausführlichere Berichte sind auf der Homepage des Landschaftspflegeverbandes www.lpv-miltenberg.de einzusehen

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