Bildergalerie und Essay.
Fast schon Messe-Finale.
- Joachim Bieber, Altbürgermeister Miltenbergs und Musiker der Stadtkapelle, trat vor – im offiziellen Gewand der Stadtkapelle Miltenberg: schwarze Hosen, weißes Hemd, rote Krawatte und das Stadtwappen am Ärmel, ein kleines, aber stolzes Bekenntnis zur Heimat.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Rebläuse, Rochaden und ein Altbürgermeister im schwarz‑weiß‑roten Gewand – Ein Messetag mit Nachhall
Am Samstag, 5. September 2026, zwischen 11 und 15.30 Uhr, verwandelte sich das Festzelt der Michelsmess’ in einen vibrierenden Klangraum, in dem Bürgstadt und Miltenberg ihre musikalische Nachbarschaft pflegten wie zwei alte Freunde, die sich zwar gern necken, aber noch lieber gemeinsam musizieren. Die Fränkischen Rebläuse spielten auf – temperamentvoll, zünftig, mit jener fränkischen Leichtigkeit, die selbst die hintersten Reihen erreichte.
Über allem stand der Taktstock von Bernd Hofmann, der ihn mit der ruhigen Autorität eines Mannes führte, der wusste, dass ein sauberer Einsatz manchmal mehr Wirkung hat als jede Festrede. Hofmann dirigierte mit jener Mischung aus Präzision und Gelassenheit, die das Festzelt für einen Moment zu einem Konzertsaal machte.
Der dramaturgische Höhepunkt des Vormittags war jedoch der Stabwechsel, der Miltenberger Lokalgeschichte und Bürgstadter Musiktradition miteinander verknüpfte.
Joachim Bieber, Altbürgermeister Miltenbergs und Musiker der Stadtkapelle, trat vor – im offiziellen Gewand der Stadtkapelle Miltenberg: schwarze Hosen, weißes Hemd, rote Krawatte und das Stadtwappen am Ärmel, ein kleines, aber stolzes Bekenntnis zur Heimat.
Bieber dirigierte mit jener Mischung aus Routine, Charme und feiner Selbstironie, die nur Menschen besitzen, die wissen, dass sie zwischen zwei Gemeinden Brücken schlagen können, ohne die Farbe zu wechseln.
Der Nachmittag – ein Wechselspiel der Kapellen.
Gegen 15 Uhr folgte der traditionelle Blaskapellenwechsel:
Die Freudenberger Musikerinnen und Musiker übernahmen die Bühne und setzten den musikalischen Faden fort – frisch, kraftvoll, mit jener unverkennbaren Handschrift, die Freudenberg seit Jahren auszeichnet. Das Publikum blieb, hörte zu, wippte mit: ein Zeichen dafür, dass die Michelsmess’ nicht nur Tradition, sondern auch Vertrauen ist.
Am Abend folgte eine Partyband, die das Festzelt in einen tanzenden Resonanzraum verwandelte. Der vorletzte Messetag zeigte sich erneut gut besucht, lebendig, warm, mit jener Mischung aus Festfreude und leiser Wehmut, die immer dann entsteht, wenn ein Ende näher rückt.
Der Blick nach vorn – Wehmut und Erwartung.
Denn am nächsten Tag wartete der letzte Messetag, jener Sonntag, der traditionell mehr ist als ein Abschluss:
Ein verkaufsoffener Innenstadt‑Tag, der die Gassen füllt, die Schaufenster glänzen lässt und die Stadt in einen offenen Salon verwandelt. Dazu musikalische Beiträge der Stadtkapelle Miltenberg, die noch einmal zeigt, warum sie das klangliche Rückgrat der Stadt ist.
Und natürlich der humoristische Akzent:
Ein Beitrag von Urban Priol, der mit seinem unverwechselbaren Tonfall jene Mischung aus Satire, Menschenfreundlichkeit und feiner Beobachtung liefert, die Miltenberg so liebt.
Den krönenden Abschluss bildet das Brillantfeuerwerk um 21 Uhr, das den Himmel über der Stadt in Farben taucht, die für einen Moment alles andere vergessen lassen. Ein Feuerwerk, das nicht nur leuchtet, sondern erzählt: von Tradition, Gemeinschaft und dem leisen Wunsch, dass die Michelsmess’ nie ganz endet.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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