Landkreis sucht Pflegeeltern

Noch bis Ende Februar ist in der Stadtbücherei Obernburg eine Ecke mit Büchern aufgebaut, die sich thematisch mit der Familie befassen. Dabei geht es nicht nur um Pflegeeltern, sondern auch um die kindgerechte Erklärung von Problemen Erwachsener wie Sucht und andere Erkrankungen. Christian Lieb und Alexandra Meister vom Pflegekinderdienst (von links) freuen sich wie Büchereileiterin Barbara Hohm über möglichst viele Interessenten.
  • Noch bis Ende Februar ist in der Stadtbücherei Obernburg eine Ecke mit Büchern aufgebaut, die sich thematisch mit der Familie befassen. Dabei geht es nicht nur um Pflegeeltern, sondern auch um die kindgerechte Erklärung von Problemen Erwachsener wie Sucht und andere Erkrankungen. Christian Lieb und Alexandra Meister vom Pflegekinderdienst (von links) freuen sich wie Büchereileiterin Barbara Hohm über möglichst viele Interessenten.
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Immer wieder kommt es vor, dass aktuelle Lebensumstände der Eltern dazu führen, dass diese nicht für ihre Kinder sorgen können. Das Jugendamt versucht in diesen Fällen, die Kinder in Pflegefamilien unterzubringen – entweder über einen kurzen Zeitraum oder für längere Zeit. Auch im Landkreis Miltenberg sucht der Pflegekinderdienst Familien, die diese Kinder aufnehmen.

Das kann nur für kurze Zeit notwendig sein, wenn sich Eltern in Krisensituationen befinden oder kurzzeitig ins Krankenhaus oder zu Kur müssen. Manche Kinder benötigen aber auch dauerhaft ein zweites Zuhause, wenn Eltern aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. „Wir freuen uns über jedes Elternpaar“, sagen Christian Lieb und Alexandra Meister vom Pflegekinderdienst des Jugendamts. Sie sprechen mit interessierten Pflegeeltern und finden heraus, ob sie geeignet sind. Keine leichte Aufgabe, wissen beide. Dennoch ist es ihnen gelungen, für derzeit 54 Pflegekinder im Landkreis Miltenberg 48 Pflegefamilien zu finden. Weiteren Bedarf gibt es dennoch.

„Manche Familien kommen mit falschen Vorstellungen“, weiß Christian Lieb aus Erfahrung. So müssen sich Pflegefamilien darüber im Klaren sein, dass sie zu keinem Zeitpunkt hundertprozentig sicher sein können, dass das Pflegekind auf Dauer bei ihnen bleibt. „Nach spätestens zwei Jahren in einer Pflegefamilie sollte klar sein, wo das Kind auf Dauer lebt“, sagt Christian Lieb. Denn während das Kind in der Pflegefamilie lebt, arbeitet der Allgemeine Soziale Dienst parallel mit den leiblichen Eltern an dem Ziel, diese wieder zur Erziehung ihres Kindes zu befähigen. „Man muss sich auf ein Abenteuer einlassen“, stellt

Christian Lieb klar. Im Rahmen des Überprüfungsverfahrens soll Pflegeeltern ein realistisches Bild von der Vollzeitpflege vermittelt werden. Die Erziehung eines Pflegekindes sei Lieb zufolge manchmal schwierig, „aber vor allem für kleine Kinder gibt es keine bessere Lösung.“ Pflegeeltern nähmen Kinder als Bereicherung wahr. Häufig bestehe der Kontakt zwischen Pflegekindern und Pflegeeltern ein Leben lang, weiß er um die positiven Auswirkungen solcher Pflegeverhältnisse. Während der Zeit in der Pflegefamilie sei der Kontakt mit den leiblichen Eltern im Übrigen ausdrücklich erwünscht, so Alexandra Meister.

Bevor Pflegekinder ein geeignetes zweites Zuhause finden, klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes in mehreren Gesprächen mit den potenziellen Pflegeeltern, ob sie geeignet sind. Dabei werden beispielsweise die räumlichen, finanziellen und persönlichen Verhältnisse berücksichtigt, die Lebenssituation, die Lebensplanung und die eigene Familienstruktur. Neben diesen Voraussetzungen kommt es vor allem auf die Einstellung der Pflegeeltern an: Sie müssen Kinder gerne haben, ihnen Zuwendung entgegenbringen und sie brauchen Einfühlungsvermögen – so wie bei eigenen Kindern. Eine wertschätzende Haltung gegenüber der Herkunftsfamilie stellt eine Grundvoraussetzung für ein gelingendes Pflegeverhältnis dar.

„Die Vermittlung eines Pflegekindes orientiert sich ausschließlich am individuellen, pädagogischen Bedarf des Kindes“, stellt Alexandra Meister klar, deshalb prüfe man sorgfältig. Wenn das Kind in einer Pflegefamilie untergebracht ist, können die Pflegeeltern mit tatkräftiger Unterstützung, beispielsweise in Form von Fortbildungsangeboten, durch den Pflegekinderdienst rechnen – etwa bei erzieherischen und rechtlichen Fragen. Bei Bedarf werden weitere Ansprechpartner vermittelt. Darüber hinaus findet zweimal pro Jahr ein Hilfeplangespräch statt, bei dem sich alle Beteiligten – Pflegefamilie, Herkunftsfamilie und Jugendamt – austauschen. Finanziell entsteht den Pflegeeltern kein Nachteil: Sie erhalten ein monatliches Pflegegeld, welches den Lebensunterhalt des jungen Menschen sicherstellt, sowie im Einzelfall zusätzliche Leistungen.

Damit potenzielle Pflegeeltern wissen, auf was sie sich einlassen, ist Information äußerst wichtig. Beim Pflegekinderdienst in Obernburg können Eltern alles Wissenswerte erfahren und Broschüren erhalten, in denen alle Fragen rund um das Thema beantwortet werden. Ein niedrigschwelliger Einstieg in die Thematik ist noch bis Ende Februar in der Stadtbücherei Obernburg möglich, wo eine kleine Bücherecke aufgebaut wurde. Hier erfahren nicht nur Pflegeeltern alles Wichtige, auch für Kinder sind Bücher ausgestellt, die ihnen beispielsweise Erkrankungen der Eltern (Psychische Probleme, Alkohol, Sucht) kindgerecht erklären. Für Büchereileiterin Barbara Hohm war es keine Frage, die Anfrage des Pflegekinderdienstes nach Unterstützung positiv zu beantworten.

Sie kennt selbst Pflegeeltern, die Spaß an der Pflege haben, und findet es wichtig, Familien auf diese Spur zu bringen. Sie hofft darauf, dass es noch andere Büchereien im Landkreis Miltenberg gibt, die diese Bücherecke als Wanderausstellung in alle Teile des Kreises bringen.

Den Pflegekinderdienst erreichen Interessenten im Landratsamt, Dienststelle Obernburg, Römerstraße 91, Ansprechpartner ist Christian Lieb, Telefon: 06022/ 6200 674, E-Mail: christian.lieb@lra-mil.de

Autor:

Landratsamt Miltenberg aus Miltenberg

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