Eine Region mit einer Stimme

Das 20-jährige Bestehen der Initiative Bayerischer Untermain wurde mit Arbeit begangen: In der Regionalkonferenz diskutierten die weit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Workshops, wie künftige Herausforderungen gemeistert werden können.
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Seit 20 Jahren gibt es die Initiative Bayerischer Untermain, in der die Landkreise Miltenberg und Aschaffenburg, die Stadt Aschaffenburg sowie die IHK Aschaffenburg, die Handwerkskammer für Unterfranken und die Regierung von Unterfranken ihre Kräfte bündeln. Die zwei Jahrzehnte währende Kooperation wurde am Freitag, 23. September 2016, im Wörther Schifffahrtsmuseum in einer Regionalkonferenz begangen – in erster Linie mit gemeinsamem Arbeiten, aber auch mit einem kurzen Rückblick.

Auf den Tag genau vor 20 Jahren waren die „Grundsätze zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren“ unter der Überschrift: „Initiative Bayerischer Untermain – Gemeinsam für eine starke Region“ unterzeichnet worden. Die Vereinbarung sollte, wie Landrat Jens Marco Scherf vor weit über 100 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sagte, „ein Signal sein, dass am Bayerischen Untermain der Wille besteht, Investoren nicht mit bürokratischen Hemmnissen zu konfrontieren, sondern möglichst rasche und effektive Lösungen für ihr Anliegen zu finden.“

Ziel der Initiative sei Scherf zufolge stets, „die Gesamtentwicklung der Region im Blick zu haben, den starren Blick auf kommunale Kirchtürme abzubauen, über den eigenen Tellerrand zu schauen und die relevanten Akteure zusammen zu bringen.“ Die Region habe sich dank des Willens zur Kooperation als „Bayern in Rhein-Main“ klar positioniert, freute sich der Landrat. Es gelte, den Blick nach vorne zu richten, kündigte er die konzeptionelle Arbeit an. Das „Strategiepapier Bayerischer Untermain“, das man an diesem Nachmittag gemeinsam diskutieren wolle, solle eine regionale Verständigung zu zahlreichen Punkten in Gang setzen. Unter anderem wolle man herausfinden, welche Themen auf der gesamt-regionalen oder der teilregionalen Ebene besser aufgehoben sind. Auch die Frage, wie in Zukunft die regionale Zusammenarbeit organisiert wird, wolle man besprechen. Der Landrat wies darauf hin, dass man nicht allen Akteuren ein Gesamtkonzept überstülpen wolle. Vielmehr wolle man gemeinsame Ziele definieren und klären, welcher Akteur welche Themen bearbeitet, leitete Scherf zu den Workshops über.

Josef Bühler (Büro NeulandPlus) stellte die Workshopleiter vor, die die Arbeitsgruppen zu den Themen Interkommunale Zusammenarbeit, Energie & Klima, Kulturlandschaft und Naturschutz, Forst- und Landwirtschaft mit Weinbau, Seniorenpolitik, Gesundheitsvorsorge & Gesundheitsprävention, Bildung, Kultur, Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaftsförderung, Kompetenznetze/Hochschule, Arbeitsmarkt und Fachkräfte, Gewerbe- und Industrieflächen sowie Tourismus und Freizeit moderierten. Eine Stunde lang beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in intensiv geführten Diskussionen mit den jeweiligen Herausforderungen, der Zielerreichung und den Empfehlungen, wie man diese Ziele erreichen kann. Zu jedem Themenfeld hatte das Büro NeulandPlus dank umfangreicher Vorarbeiten die wichtigsten Fakten zusammengestellt – unter anderem mit 33 Interviews mit 97 Akteuren sowie mit der Auswertung zahlreicher regional bereits vorhandener Konzepte. Im Großen und Ganzen stimmten die Workshopteilnehmerinnen und –teilnehmer den Vorlagen zu, mitunter wurden aber auch Empfehlungen gestrichen und durch neue Ideen ergänzt. Alle Diskussionsbeiträge würden dokumentiert und im Oktober der Leitungsgruppe vorgestellt, erklärte Moderator Markus Seibel das weitere Vorgehen. Von Januar bis Mai 2017 stünden Dialogforen zur Standortpositionierung der Region im Rahmen der Strategiediskussion in Frankfurt-Rhein-Main an, ein weiteres Regionalforum sei im Herbst 2017 vorgesehen.

Wichtige Impulse zur Entwicklung einer Region gab Klaus Fischers Vortrag über den gemeinsamen, 20 Jahre andauernden Weg der Region Allgäu. Der Sprecher der Geschäftsführung der Allgäu GmbH stellte die Region vor, die einen einzigartigen Naturraum besitzt, andererseits auch eine Industrieregion ist. In den Anfängen der sogenannten „Allgäu-Initiative“ sei diese nebenamtlich geführt worden, blickte Fischer zurück. Es habe sich aber gezeigt, dass es hauptamtliche Strukturen brauche. Schnell sei klar geworden, dass sich die Region zwischen den Metropolregionen Stuttgart, Zürich und München als eigenständige Region präsentieren wolle. So sei die Allgäu GmbH gegründet worden, versehen mit einer breiten Organisationsstruktur – bestehend aus Gesellschafterversammlung, Aufsichtsrat, Fachbeiräten, Geschäftsfeldgruppen und einer Geschäftsführung. Zentraler Punkt der Bemühungen sei die Entwicklung der Marke Allgäu gewesen, so Fischer – unter anderem auf regionalen Produkten, in Prospekten sowie im Tourismus. Die Verwendung der Marke sei an strenge Kriterien geknüpft, stellte er fest. Seither sei die Marke deutlich gestärkt worden und auch die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sowie die Wiedererkennung seien deutlich gestiegen. Auch um die Unterstützung der Wirtschaft kümmere man sich, belegte er unter anderem am Beispiel eines Fachkräftenetzwerks und einer Gründerwoche. Ein Bildungsportal fördere die berufliche Fort- und Weiterbildung, schloss er seinen Vortrag.

Interessante Einblicke in die Arbeit der Initiative Bayerischer Untermain in den letzten zwei Jahrzehnten ermöglichten die Diskussionspartner einer Runde mit aktiven und ehemaligen Weggefährten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. IHK-Präsident Friedbert Eder, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Altlandrat Roland Schwing und Landrat Jens Marco Scherf (beide Landkreis Miltenberg), Oberbürgermeister Klaus Herzog (Stadt Aschaffenburg), ZENTEC-Geschäftsführer Dr. Gerald Heimann, Landrat Dr. Ulrich Reuter (Aschaffenburg) und Bayernhafen-Direktor Wolfgang Filippi waren sich in ihren Statements einig: Die Initiative Bayerischer Untermain ist ein Segen für die Region. Altlandrat Roland Schwing beispielsweise freute sich über eine „wahnsinnige Entwicklung“ und bezeichnete die Gründung als eine der wichtigsten Entscheidungen in seiner 28-jährigen Zeit als Landrat. Landrat Jens Marco Scherf sah den Erfolg der Initiative in der Tatsache, dass man ohne Eifersüchteleien und ohne Betrachten der Parteizugehörigkeit zusammenarbeitet. „Wir sprechen mit einer Stimme und deshalb werden wir gehört“, bezog er sich auf die Kooperation mit der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer lobte unter anderem die Weitsicht, mit der man die ZENTEC gegründet habe und hier die Kompetenzen der Region bündele. Ein großes Lob kam von Wolfgang Filippi (Bayernhafen): Es sei vorbildlich, wie sein Unternehmen bei der Besiedelung einer 35 Hektar großen Gewerbefläche von den Gebietskörperschaften positiv begleitet worden sei. Dieses riesige Projekt sei binnen fünf Jahren gemeistert worden – anderswo wäre das seiner Auffassung nach nicht möglich gewesen.

Das 20-jährige Bestehen der Initiative Bayerischer Untermain wurde mit Arbeit begangen: In der Regionalkonferenz diskutierten die weit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Workshops, wie künftige Herausforderungen gemeistert werden können.
Statements zum 20-jährigen Bestehen der Initiative Bayerischer Untermain gaben mehrere Gäste der Regionalkonferenz. Das Bild zeigt (von links): Moderator Josef Bühler, IHK-Präsident Friedbert Eder, Moderator Markus Seibel, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Altlandrat Roland Schwing und Landrat Jens Marco Scherf (beide Landkreis Miltenberg), Oberbürgermeister Klaus Herzog (Stadt Aschaffenburg), ZENTEC-Geschäftsführer Dr. Gerald Heimann, Landrat Dr. Ulrich Reuter (Aschaffenburg) und Bayernhafen-Direktor

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