Patrozinium St. Jakobus gefeiert -
Das Kreuz als Stab der Pilger
- Der Hl. Jakobus d.Ä. ist der Patron der Miltenberger Stadtpfarrkirche; Bildnis auf der Stadtseite des Gotteshauses
- Foto: Martin Winkler
- hochgeladen von Nina Reuling
Die Messfeier am Vorabend des Patroziniums unseres Kirchenpatrons, St. Jakobus des Älteren, sei ein guter Anlass, am Altar zu stehen – zum ersten Mal seit der Karwoche, sagte Pfarrer Jan Kölbel zur Begrüßung der Gläubigen am 24.07.26. Heute Abend sei nur ein sehr kleiner, familiärer Kreis von Gemeindemitgliedern da. Folglich sei der Druck für ihn nicht so groß wie bei einer Kirche, die voll von spirituell ausgehungerten Menschen sei. Aufgrund seines Schlaganfalls sei er nach wie vor nicht im Dienst, werde jedoch ab und an einen Gottesdienst übernehmen. Er freue sich, wieder am Altar zu stehen; wir hätten uns auf den Weg zur Kirche gemacht – er nur ein paar Schritte, manche mit dem Fahrrad oder Auto. Der Weg sei das große Symbol von Jakobus; seit unserer Taufe gingen wir den Weg mit Jesus. Ihn dürften wir nun um sein Erbarmen bitten. Diakon Florian Grimm verkündete das Evangelium nach Matthäus. Darin forderte Jesus die Menschen zu einem furchtlosen Bekenntnis zu ihm auf. Dieses Bekenntnis hat der Hl. Jakobus, der als erster Märtyrer der Apostel starb, erbracht. Heute fehle der rustikale Pilgerstab mit der Jakobsmuschel von Mesner Michael Schwarz vor dem Altar, so der Pfarrer zu Beginn seiner Predigt. Stattdessen habe er einen Stab mit wenig Gebrauchsspuren mitgebracht. So nützlich dieser Stab z.B. bei der Dettelbachwallfahrt sei, so sehr störe er auch. Halte man z.B. das Pilgerbüchlein in der Hand, sei der Stab im Weg. Nach seinem Schlaganfall habe er sich dankbar an den Stab erinnert; mit diesem sei er bei seiner Reha in Bad Orb nicht aufgefallen. Als er am zweiten Tag nach seinem Reha-Antritt den Gottesdienst habe besuchen wollen, habe ihm der Stab gute Dienste geleistet. Seine Haushälterin habe gesagt, dass sie dies ihrer über 80-jährigen Mutter erzählen wolle; diese scheue sich, einen Stab in die Hand zu nehmen. Er erinnere sich noch gut an eine 97-jährige aus seiner früheren Pfarrei Alzenau, der er die Krankenkommunion gespendet habe. Auf die Frage, warum sie nicht in die Kirche gekommen sei, meinte diese, was denn die Leute sagen würden, wenn sie mit einem Stock käme. Viele seien anfänglich zu stolz, einen Stock oder Rollator zu nehmen; später seien sie froh darüber. In einem Karfreitagslied werde das Kreuz wie folgt besungen: „Du bist der Stab der Pilger, daran wir sicher wallen, nicht wanken und nicht fallen.“ Dem Kreuz entgehe niemand im Leben. Es sei die Frage, ob wir es abwiesen oder annähmen und wie bei einem Stab dazu stünden, dass wir Grenzen bzw. Schwachheiten hätten. Jeder von uns werde eines Tages auf seine Begrenzungen hingewiesen. Wir dürften vertrauensvoll den Pilgerweg unseres Lebens gehen – ob mit Stab, Rollator oder ohne Hilfsmittel. Wenn andere unser Kreuz mit uns tragen würden, dürften wir dankbar sein . Am Ende des Gottesdienstes spendete Pfarrer Kölbel den Einzelsegen mit der Jakobusreliquie und sprach: „Auf die Fürsprache des Hl. Apostels Jakobus begleite dich der Herr auf dem Pilgerweg deines Lebens.“
Nina Reuling
Autor:Nina Reuling aus Miltenberg |
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