Bildergalerie und Essay
Aus Böhmen kommt die Musik und aus drei deutschen Bundesländern sind die Mitglieder des "Böhmischen Zaubers".
- Die Liebe und Freude zur Blasmusik kann man immer wieder aus Neue in den wohlklingenden, weichen Melodien hören. Es hat Sucht-Potential und verkörpert einen einzigartigen beruhigenden Sound.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Die Musikkapelle "Böhmischer Zauber" hat inzwischen zwei Jahrzehnte auf dem Buckel.
Am 20. September 2025 feiert sie mit einem Jubiläumskonzert im Kleinheubacher Hofgartensaal ihr zwanzigjähriges Bestehen.
Am vergangenen Sonntag gaben mit einem dreistündigen Frühschoppen-Konzert im Festzelt der Miltenberger Michaelismesse eine gelungene Kostprobe ihres Könnens.
Das begeisterte Publikum kam - wie die Musikerinnen und Musiker - aus dem Dreiländereck Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.
20 Jahre Egerländer und Böhmische Blasmusik voller Herzblut und Leidenschaft.
Miltenberg. Sie wollten eigentlich gar nicht mehr aufhören am vergangenen Messesonntag gegen 14.15 Uhr, eine Zugabe folgte der anderen.
Wehmütig wirkte der Abschied und die nächste Kapelle, die hiesige Stadtkapelle, stand schon Schlange und wartete fast ungeduldig in den Startlöchern.
Am vergangenen Messe-Sonntag spielten sie im Festzelt um die Mittagszeit drei Stunden lang: die Musikerinnen und Musiker vom „Böhmischen Zauber“, fast zwei Dutzend an der Zahl, unter der bewährten Leitung von Herbert Herrmann und dem Gesangsduo und Moderatoren-Team Rita Barth und Hans Heil.
„In diesem Jahr feiert die beliebte Musikkapelle mit böhmisch-mährischen Melodien mit einem Jubiläumskonzert ihren runden Geburtstag am 20. September 2025 im Kleinheubacher Hofgartensaal ab 19 Uhr,“ freut sich schon der Wenschdorfer Peter Farrenkopf, Schlagzeuger und „Manager“ der Truppe, auf das besondere Event im Herbst.
Einen Vorgeschmack ihres zwanzigjährigen Könnens und Wirkens präsentierte die populäre Blasmusik-Gruppe mit Mitgliedern aus den drei Bundesländern Bayern, Hessen und Baden-Württemberg zum Frühschoppen am letzten Augusttag im Festzelt der Miltenberger Michaelismesse.
Sie begeisterten jung und alt, beispielsweise auch den 18-Monate-alten Fan Anton Althaus aus Wertheim mit seinen Eltern Sonja und Michael, die zu Hause nicht nur Pop-Songs, sondern vor allem böhmische Blasmusik wie „Die Vogelwiese“ hören.
Ganz nah durfte Anton (nicht aus Tirol, sondern aus Wertheim) an dem renommierten Blasorchester sein. Vater und Mutter waren fürsorglich dabei, ebenso kindgerechte Verpflegung sowie ein blauer, hin und her pendelnder Luftballon und sein Lieblingsstofftier: gut gelaunt genoss der Kleine die für ihn sichtlich wohltuende Live-Musik.
In der Nachbarschaft der vorderen Bank-und Tischreihen gab es - wie woanders auch - aber ältere Blasmusikfans aus der Region oder weiter angereist, etwa aus dem Odenwald, Spessart, sogar aus Nordrhein-Westfalen wie Morice Hüsing aus Ochtrup.
Simone und Helmut Kaiser aus Kleinwallstadt resümierten: Die Böhmische und Egerländer Blasmusik komme an, verbinde, lasse Freundschaft entstehen, wecke Assoziationen zu bekannten Komponisten wie Ernst Mosch und Ohrwurm-Liedern wie „Rosamunde“, „Rote Rosen“, „Rauschende Birken“ oder „Aus Böhmen kommt die Musik“.
Jetzt wird‘s sportlich!“ schmunzelte zum Konzertende hin die junggebliebene Sängerin Rita Barth, sie hatte ihre weißen Sportschuhe angezogen, kletterte mühelos auf einen Messezelt-Tisch und lud das ohnehin schon begeisterte Publikum erfolgreich zum Mitsingen, Schunkeln und Tanzen ein.
In der Tat verzaubert seit zwei Jahrzehnten das weit über die Landkreisgrenzen bekannte Blasorchester „Böhmischer Zauber“ seine Anhängerinnen und Anhänger mit einem einzígartigen Sound und erzeugt eine motivierende Stimmung zum Mitmitmachen.
Die Formation besteht heute aus 21 ambitionierten Mitgliedern aus drei Bundesländern, die mit Leidenschaft und Herzblut der böhmisch-mährischen Blasmusik frönen.
Der Name „Böhmischer Zauber“ verdeutliche auch das Ziel der Musikerinnen und Musiker. Es solle das Publikum mit herausragender Blasmusik faszinieren und sich einen Platz in den Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer erspielen“, erzählt Flügelhornist Martin Farrenkopf aus Bürgstadt.
Längst sei, so der Tuba-Spieler Bernhard Dosch aus Schippach-Berndiel, das Blasorchester „Böhmischer Zauber“ kein Geheimtipp mehr, es habe sich in der Blasmusikszene einen hervorragenden Namen erarbeitet.
Seit 2017 liegt die musikalische Leitung in den Händen von Herbert Herrmann, einem angesehenen Flügelhornisten, der sein Können bereits seit Jahrzehnten bei der Original Kapelle Egerland unter Beweis gestellt hatte.
Fazit: Die Liebe und Freude zur Blasmusik kann man immer wieder aus Neue in den wohlklingenden, weichen Melodien hören. Es hat Sucht-Potential und verkörpere einen einzigartigen beruhigenden Sound.
Hintergrund:Was ist eigentlich böhmisch-/mährische Blasmusik? Die Geschichte…
Böhmen wird vielfach als die Wiege der Blasmusik bezeichnet und das kommt nicht von ungefähr. Nirgendwo sonst war die Verflechtung zwischen Militärmusik und bürgerlicher Unterhaltungsmusik so ausgeprägt, wie in der bis 1918 existierenden Donaumonarchie, in der Böhmen und die Stadt Prag eine wichtige Rolle spielten.
In den einstigen Militärorchestern dieser kaiserlichen und königlichen Monarchie trafen sich Musiker verschiedenster Volksgruppen, deren unterschiedliche Herkunft die heutige böhmische Musik mitgeprägt hat.
Die Tschechen sorgten schon damals für melodiöse und charmante Polkaklänge und die Österreicher brachten den unverkennbaren Charme des Wiener Walzers mit ins Spiel. Die Ungaren heizten mit östlichem Temperament ein, und die Deutschen sorgten mit preußischer Präzision für den westlichen Gegenpol.
Mährisch und böhmisch - aus diesem musikalischen Schmelztiegel sind im Laufe der Jahre verschiedene volkstümliche Blasmusikstilrichtungen entstanden, deren genaue Deutung oftmals unklar ist.
Am einfachsten lässt sich wohl der mährische Stil erklären. Seine Wurzeln liegen ebenfalls in Böhmen, doch durch die geographische Nähe Ungarns und die angeborene Lebhaftigkeit der Mähren sind die mährischen Klänge heute wesentlich virtuoser und temperamentvoller und ähneln in gewisser Weise auch der dortigen Sprache.
In Böhmen ist die tschechische Sprache etwas weniger spitzzüngig und die Musik der dortigen Blaskapellen zeichnet sich dem entsprechend durch eine weichere Melodik aus. Sowohl in Mähren als auch in Böhmen lieben die Musiker die Spontanität, welche sich vielfach in einer unvergleichlichen Spielfreude widerspiegelt.
Roland Schönmüller
Weitere Bilder und Infos folgen!
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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