Bildergalerie und Essay.
Brunnen, Baum, Blasmusik, Bedeutungsvielfalt.
- Festliche Stimmung am Eichenbühler Dorfplatz
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Brunnen, Fichte, Feierklang –
Fast ein Mai-Märchen aus Eichenbühl.
Man hätte meinen können, der Dorfplatz selbst halte für einen Moment den Atem an, als der alte-neue Brunnen wieder zu sprudeln begann. Ein leises Raunen, ein kurzes Zucken in den Gesichtern, dann dieses helle Auflachen, das nur entsteht, wenn etwas Vertrautes heimkehrt, das man fast schon verloren glaubte.
Pfarrer Artur Fröhlich hob die Hand zum Segen, und es war, als segne er nicht nur Stein und Wasser, sondern ein Stück gemeinsames Gedächtnis. Bürgermeister Günther Winkler nickte zufrieden, denn er wusste, wie viel Spendenbereitschaft und wie viel stilles Engagement in diesem Moment mit aufsprang wie ein Funke.
Zuvor hatte die Freiwillige Feuerwehr den Maibaum gesetzt – diesmal eine Fichte, hoch, schlank, mit jenem leicht harzigen Duft, der sofort an Waldwege und Sommerabende erinnert. Die Männer stellten sie mit jener Mischung aus Routine und Festfreude auf, die nur Ortsfeuerwehren beherrschen.
Ein kurzer Ruf, ein kräftiges „Wasser marsch“, und schon schoss der erste Strahl über den Rand des Beckens, als wolle der Brunnen selbst sagen: Ich bin wieder da, ihr Leute, und ich habe euch vermisst.
Dann begann das, was Dörfer am besten können: das gemütliche Zusammensein. Bratwurstduft, Biergläser, alkoholfreie Erfrischungen, Schinken- und Käsestangen, die schneller verschwanden, als man sie aussprechen konnte.
Die Musikkapelle Eichenkranz spielte zünftig auf, und die gute Laune waberte wie ein warmer Klangteppich über den Platz. Man sah es den Menschen an – den Alten, die sich an frühere Brunnenzeiten erinnerten, und den Jungen, die einfach nur den Mai feierten –, dass dieser Abend mehr war als ein Termin im Kalender. Er war ein kleines Fest der Zugehörigkeit.
Der Brunnen selbst hätte viel zu erzählen, wäre er nicht aus Stein, sondern aus Worten. Einst stand er fünfzig Meter weiter, bei der alten Poststelle und der Telefonzelle, die heute nur noch in Erinnerungen klingelt. Dort traf man sich früher zu Schwätzchen, zu kurzen Pausen zwischen Arbeit und Heimweg, zu jenen beiläufigen Begegnungen, aus denen Dorfgeschichten entstehen.
Nun steht er im Herzen des Ortes, und vielleicht wird er wieder zum Treffpunkt aller Generationen – ein Ort, an dem Wasser und Worte gleichermaßen fließen.
Unweit davon liegt die Gemeindebibliothek, ein stilles Gegenstück zum plätschernden Brunnen. Drinnen rascheln Seiten, draußen rauscht das Wasser, und beides erzählt auf seine Weise vom Weitergehen der Zeit.
Und nicht weit von hier zieht auch die Erf vorbei, aus dem badischen Gebiet herüberkommend, gemächlich, als wolle sie den Menschen zeigen, wie man Landschaft und Leben miteinander verbindet, bis sie schließlich bei Bürgstadt in den Main gleitet.
Fazit:
Eichenbühl hat an diesem Maifeiertag- Vorabend nicht nur einen Brunnen eingeweiht, sondern ein Stück Identität zurückgewonnen. Zwischen Fichte, Festmusik und Frühlingsduft ist spürbar geworden, wie lebendig ein Dorf sein kann, wenn Wasser, Menschen und Erinnerungen gemeinsam sprudeln.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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