Bildergalerie und Essay.
Einhundert Jahre BRK Bereitschaft Eichenbühl: Der Samariter hätte heute Blaulicht…
- Prominenz beim Fest der BRK Bereitschaft Eichenbühl
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Impressionen vom Fest am 08. und 09. August 2026.
Hundert Jahre Erste Hilfe – und kein bisschen müde.
Die BRK-Bereitschaft Eichenbühl feierte ihr 100-jähriges Bestehen mit Festgottesdienst, Fahrzeugweihe und reichlich Applaus für eine Truppe, die schneller hilft, als andere „Man müsste mal“ sagen.
Pfarrer Artur Fröhlich schlug in seiner Predigt den Bogen vom barmherzigen Samariter zu den Idealen des Bayerischen Roten Kreuzes: Wer hilft, fragt nicht erst nach Zuständigkeit, Dienstgrad oder Wetter-App – er hält an, steigt aus und packt an.
Wenn eine Bereitschaft hundert Jahre alt wird, könnte man ehrfürchtig von einer Institution sprechen. In Eichenbühl aber klang das am Festwochenende nicht nach Staub, Aktenordner und ehrwürdigem Sitzfleisch. Es roch nach Festzelt, poliertem Einsatzfahrzeug, Kaffee, Musik und jener robusten Mischung aus Disziplin und Dorfhumor, die entsteht, wenn Menschen seit Generationen wissen: Im Ernstfall zählt nicht die schönste Ansprache, sondern der erste Handgriff – und der sollte sitzen.
Die BRK-Bereitschaft Eichenbühl blickte am 8. und 9. August auf ihre Gründung im Jahr 1926 zurück. Aus einer Sanitätskolonne mit 25 Mitgliedern wurde eine moderne Hilfsorganisation, in der heute knapp 60 aktive Helferinnen und Helfer mitarbeiten. Dazu kommen rund 30 Jugendliche im Jugendrotkreuz – ein Nachwuchs, der beweist, dass Menschlichkeit offenbar doch vererbbar ist. Oder wenigstens sehr erfolgreich weitergegeben wird, wenn genügend Pflaster, Übungsmaterial und gute Vorbilder im Spiel sind.
Der Samariter hätte heute Blaulicht.
Im Mittelpunkt des Festgottesdienstes stand die Weihe des neuen Mannschaftstransportwagens. Pfarrer Artur Fröhlich nahm das Gleichnis vom barmherzigen Samariter nicht als frommes Schaufensterstück, sondern als Einsatzprotokoll mit biblischem Copyright: hinschauen, hingehen, helfen. Der Samariter, so wurde deutlich, wäre heute vermutlich nicht nur mit Öl und Wein unterwegs, sondern mit Notfallrucksack, Funkgerät und einem Fahrzeug, das auch dann noch startet, wenn Eile geboten ist.
Genau dort treffen sich Gleichnis und Rotes Kreuz:
Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität klingen zwar wie ein anspruchsvoller Vokabeltest, sind in Wahrheit aber der Bauplan des Einsatzalltags. In Eichenbühl heißt das: helfen, wenn Hilfe gebraucht wird; ruhig bleiben, wenn andere hektisch werden; ausrücken, wenn andere noch diskutieren, ob das jetzt wirklich ein Fall für jemanden ist.
Festreden mit Dank und Rückenwind
In den Festreden würdigten Vorsitzender Oliver Breitenbach, Landrat Björn Bartels und die Kreisvorsitzende des BRK Ute Afifi das, was sich in Zahlen zwar darstellen, aber nie ganz erfassen lässt. Mehr als 3800 ehrenamtliche Stunden allein im Jahr 2025 sind eine stolze Bilanz – und nebenbei der Beweis, dass manche Menschen Freizeit nicht mit Füße hochlegen verwechseln. Sie verbringen sie bei Sanitätsdiensten, Übungen, Blutspenden, Katastrophenschutz und Nachwuchsarbeit. Andere sammeln Treuepunkte, diese Bereitschaft sammelt Einsatzstunden.
Oliver Breitenbach erinnerte an die Entwicklung der Bereitschaft und an jene stillen Leistungsträger, deren Namen nicht immer auf Plakaten stehen, die im Ernstfall aber als Erste die Jacke mit dem roten Kreuz überstreifen.
Landrat Björn Bartels und Eichenbühls Bürgermeister Mathias Krischke hoben die Bedeutung des Ehrenamts für den Landkreis und die Gemeinde hervor.
Die Miltenberg-Obernburger BRK-Kreisvorsitzende Ute Afifi blickte auf die Stärke eines Verbandes, der Professionalität und Nachbarschaftlichkeit so selbstverständlich verbindet, als hätten beide schon immer nebeneinander im Gerätehaus gestanden.
Geschichte, die Blaulicht trägt.
Seit 1926 hat Eichenbühl vieles gesehen: Aufbau, Krieg, Nachkriegsnot, wirtschaftlichen Wandel, neue Technik, Funkgeräte, moderne Sanitätsausrüstung und immer wieder Einsätze, bei denen aus Ausbildung Verantwortung wurde. Die Unwetterkatastrophe im Erftal 1978 zeigte eindrucksvoll, dass Ehrenamt kein Hobby mit Uniform ist, sondern im entscheidenden Moment der Unterschied zwischen Hilflosigkeit und Hilfe.
Dass das Jugendrotkreuz wieder stark gewachsen ist, gehört zu den schönsten Nachrichten des Jubiläums. Rund 30 Jugendliche lernen dort nicht nur Verbände anzulegen, sondern Haltung: Verantwortung übernehmen, im Team handeln und im richtigen Moment nicht wegsehen.
Man könnte sagen: Der Nachwuchs übt bereits den Samariterblick – mit Abenteuerlust, Teamgeist und der beruhigenden Erkenntnis, dass Pflaster nie ganz dort kleben, wo man es beim ersten Versuch geplant hatte.
Ein Fest mit Zukunft.
Nach Blaulichtparty, Festgottesdienst, Frühschoppen, Mittagstisch, Kindernachmittag und Zeltbau-Meisterschaft blieb der Eindruck eines Jubiläums, das nicht nur rückwärts winkt.
Der neue Mannschaftstransportwagen steht sinnbildlich für den Weg nach vorn: moderne Ausstattung, gute Ausbildung, enge Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Rettungsdienst – und Menschen, die ihre Freizeit in Dienstzeit für andere verwandeln. Ganz ohne Stempeluhr, aber mit erstaunlich viel Verlässlichkeit.
So wurde aus hundert Jahren BRK Eichenbühl kein musealer Rückblick mit Staubschutzhaube, sondern ein lebendiges Versprechen: Wenn am Straßenrand jemand Hilfe braucht, wenn ein Fest sicher begleitet werden muss oder wenn Unwetter das Gewohnte durcheinanderwirbeln, dann gibt es Menschen, die kommen. Vielleicht nicht auf einem Esel wie im Gleichnis. Aber mit Blaulicht, Können, Herz – und ziemlich sicher mit Eichenbühler Bodenhaftung.
Der barmherzige Samariter hätte vermutlich anerkennend genickt. Und gefragt, wo er den MTW parken darf.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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