Bildergalerie und Essay.
Guggenberg im Engelsrausch: Glanzleistung im Gotteshaus und göttliches Kaiserwetter.
- Am Sonntag, den 27. September 2026, feierte die Pfarreiengemeinschaft St. Antonius Erftal und Höhen das Patrozinium ihrer Filialkirche St. Michael – und zwar mit so viel Glanz und Gloria, dass selbst die Engel im Himmel Beifall geklatscht haben dürften.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Messen, Michael, Myriaden von Blättern.
GUGGENBERG. Wenn der Odenwald sein schönstes Indian-Summer-Kleid anzieht und das Laub in den wildesten Farben leuchtet, dann ist es Zeit für das absolute Highlight im Guggenberger Festkalender. Am Sonntag, den 27. September 2026, feierte die Pfarreiengemeinschaft St. Antonius Erftal und Höhen das Patrozinium ihrer Filialkirche St. Michael – und zwar mit so viel Glanz und Gloria, dass selbst die Engel im Himmel Beifall geklatscht haben dürften.
Schon Tage vor dem großen Festakt rotierte das lokale Putzgeschwader. Mit Staubtuch, Politur und einer gehörigen Portion Muskelhypothek wurde dem Gotteshaus eine optische Verjüngungskur verpasst. Das Ergebnis? Ein Innenraum, der so dermaßen spiegelblank gewienert war, dass sich die Heiligenfiguren fast selbst darin bewundern konnten. Draußen lieferte Petrus zeitgleich die perfekte Steilvorlage: Ein blauseidener Postkartenhimmel und strahlender Sonnenschein verwandelten den Frühherbst in eine filmreife Kulisse.
Göttliche Logenplätze: Warum der Erzengel die Höhenluft liebt
Dass die Guggenberger Kirche ausgerechnet dem heiligen Michael geweiht ist, ist übrigens kein Zufall, sondern clevere Topographie. Wer die Landkarte studiert, merkt schnell: Michaeliskirchen thronen mit Vorliebe auf Bergen, Kuppen und markanten Erhebungen. Der Erzengel mag es eben luftig.
Diese bewussten Setzungen spiegeln das charmante Spiel zwischen Himmel und Erde wider – quasi der spirituelle Logenplatz an der Grenze zum Firmament. Wer vor der Guggenberger Kirche steht und den Blick über die Odenwälder Hügel schweifen lässt, begreift sofort:
Hier oben ist man dem Schöpfer ein Stück näher, dem irdischen Alltagsstress ein gutes Stück entflohen und der Wind flüstert einem direkt ins Ohr, dass es da oben noch mehr gibt als Hektik und Termindruck.
Der ultimative Ego-Check: „Wer ist wie Gott?“
Pfarrer Artur Fröhlich führte mit sichtlich blendender Laune durch das Hochamt. In seiner Predigt knöpfte er sich die Geschichte und die tiefere Symbolik des Erzengels vor und schlug dabei den eleganten Bogen ins Hier und Jetzt. Im Fokus stand das hebräische Kernwort Mi-ka-el, was übersetzt nichts anderes heißt als: „Wer ist wie Gott?“
Ein Ruf, der laut Pfarrer Artur Fröhlich heute aktueller ist denn je und als perfekter digitaler Detox für die Seele taugt. In Zeiten, in denen sich der moderne Mensch dank Smartphone, KI und Optimierungswahn gerne mal selbst für den Nabel der Welt und unfehlbar hält, verpasst uns Michael einen heilsamen Ego-Check. „Wer ist wie Gott?“
ist nämlich kein Spielverderber-Spruch, sondern eine echte Erleichterung: Wir müssen und können eben nicht alles kontrollieren. Es tat sichtlich gut, diese Botschaft mitten im Odenwald so erfrischend serviert zu bekommen.
Schwert und Waage im Praxistest
Auch die klassischen Attribute des himmlischen Wächters bekamen ein zeitgemäßes Update. Michael mit dem Flammenschwert und der Seelenwaage – das ist kein verstaubtes Gemälde, sondern Handwerkszeug für den Alltag:
Das Schwert taugt heute als scharfes Instrument zur Fake-News-Bekämpfung und als Mutmacher, um faule Kompromisse einfach mal sauber durchzutrennen.
Die Waage wiederum mahnt uns in einer Welt der extremen Meinungen zu mehr innerer Balance und ehrlichem Abwägen.
Musikalisch wurde das Ganze absolut erstklassig untermauert. Organist Wolfgang Fischer zog an den Tasten und Registern alle Register seines Könnens. Die Königin der Instrumente schmierte den Kirchenraum mit einem derart satten, feierlichen Sound aus, dass es den Gläubigen eine wohlige Gänsehaut über den Rücken jagte. Ein echtes Fitnessprogramm für die Ohren und Balsam für die Seele.
Ein Schutznetz mit besten Aussichten
Das Fazit des Guggenberger Festtags: Tradition schmeckt überhaupt nicht nach Staub, wenn das Drumherum so lebendig gefeiert wird. Und Guggenberg befindet sich im Landkreis Miltenberg in bester, fast schon exklusiver Gesellschaft.
Der Erzengel hat in der Region nämlich ein dichtes Netz ausgeworfen.
Man denke nur an die berühmte Klosterkirche Engelberg oberhalb von Großheubach, die als Pilgermagnet thront, oder an die sagenumwobene, historische Ruine St. Michaelis zu Grubingen direkt am Main.
Und wer es etwas weltlicher mag, der weiß, dass der himmlische Schutzpatron sogar der legendären Miltenberger Michaelismesse seinen guten Namen leiht.
So bleibt der Wächter der Höhen eben auch im Tal ein treuer Begleiter – als Symbol für Gerechtigkeit, Schutz und die Erinnerung daran, dass der Blick nach oben sich immer lohnt.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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