Bildergalerie und Essay.
Mit Schalk und Schal durch den Kältezauber: Ein Stimmungsbericht aus dem Odenwald.
- Apfel im Raureif
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Zwischen Raureif, ersten Märkten und Cocooning – Streifzüge durch Miltenberg, Eichenbühl, Amorbach, Walldürn, Gottersdorf & Co. -
Frostige, aber auch noch sonnige Vorboten des Advents.
Der Odenwald steht unter Schock – nicht etwa wegen globaler Krisen, sondern weil der Winter klopft.
In Miltenberg ist der Nebel so dick, dass selbst die Mainbrücke ins Nirgendwo zu führen scheint.
„Is des a Witz oder bleibt des Wetter jetzt so?“, fragt ein Einheimischer mit hochgezogener Kapuze auf dem Wochenmarkt und greift nach einer Mandarine, als sei sie der letzte Sonnenstrahl.
Erste Märkte: Glühwein gegen alles
Auf dem Marktplatz in Walldürn herrscht Aufbruchsstimmung: Die ersten Buden stehen, der Glühwein brodelt – und mit ihm die Gerüchte. „Vor’m ersten Advent? Des gab’s früher net!“, empört sich eine ältere Dame und zieht ihren Schal noch enger. Daneben philosophiert ihr Begleiter: „Hauptsach’ warm von innen, gell?“
Spaziergänge – das vergessene Abenteuer
In Eichenbühl wagt sich kaum jemand noch freiwillig zu Fuß ins Freie. „Spaziergang? Nur mit Überlebenspaket!“, scherzt ein Einheimischer. Trotzdem sieht man vereinzelt tapfere Gestalten, die gegen Wind und Raureif anstapfen.
Besonders legendär: Ein seltener Spaziergang mit Pferd und Hund durch die Felder. Der Reiter, dick eingemummelt, ruft einem entgegen: „Hoffentlich frieren mir nicht die Ohren ab, bevor wir wieder daheim sind!“
Gottersdorf – Schnell heim, sonst holt dich der Frost
Wer in Gottersdorf verweilt, weiß, warum Cocooning hier erfunden wurde. „Draußen? Da geht doch niemand freiwillig raus!“, lacht eine Verkäuferin im Bäcker-Mobil und reicht ein noch warmes Brot über den Tresen. Der Ort wirkt, als sei er eigens für Netflix-Abende und dicke Socken gebaut worden.
Cocooning: Die hohe Kunst des Zurückziehens
Zuhause knistert der Kamin, draußen kämpft der Wind gegen die Fensterläden. „Ich verlasse mein Haus erst wieder zu Ostern – vielleicht“, tönt es aus einer Tasse Tee. Die Katze rollt sich ein, und selbst die Uhren scheinen langsamer zu ticken. Überall: Plätzchenduft und das leise Summen der Kaffeemaschine, während draußen der Raureif die Welt in Stille taucht.
O-Töne aus dem Odenwald
„Wenn schon kalt, dann wenigstens mit Stil und Strickmütze!“
„Im Sommer geh ich spazieren, im Winter such ich Ausreden.“
„Früher war mehr Lametta, heute ist mehr Cocooning.“
„Wer den Glühwein erfunden hat, war ein Genie – oder ein Frierschlapp.“
Fazit:
Ob Miltenberg, Eichenbühl, Amorbach oder Gottersdorf – der Winter schweißt zusammen, und sei es nur in der gemeinsamen Suche nach den dicksten Socken der Saison.
Und während draußen der Frost knackt, bleibt drinnen Zeit für die wichtigsten Dinge:
Lachen, Schmunzeln – und die Vorfreude auf den nächsten Markt.
Aber nur, wenn es da Glühwein gibt.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.