Bildergalerie und Essay.
Sommerkonzert der Musikschule mit mehr als fünfzig Akteuren.

Mit anspruchsvollen Pop-Arrangements, jazzigen Rhythmen und mitreißenden Musical-Melodien entfalteten die Ensembles ihre immense stilistische Bandbreite. Hier v. l. Liam O’Neill, Nika Karian und Daria Kokoariev beim Gesang von John Denvers „Leaving on a Jet Plane“ mit  Lehrerin Sonja Freitag am Klavier. Foto Roland Schönmüller
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  • Mit anspruchsvollen Pop-Arrangements, jazzigen Rhythmen und mitreißenden Musical-Melodien entfalteten die Ensembles ihre immense stilistische Bandbreite. Hier v. l. Liam O’Neill, Nika Karian und Daria Kokoariev beim Gesang von John Denvers „Leaving on a Jet Plane“ mit Lehrerin Sonja Freitag am Klavier. Foto Roland Schönmüller
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Miltenberg / Wertheim. Wenn die Schwere des Alltags der Leichtigkeit eines Sommerabends weicht, schlägt die Stunde der Musik. Es ist jener magische Moment des Übergangs, den das traditionelle Sommerkonzert der städtischen Musikschule Wertheim am vergangenen Freitagabend meisterhaft einfing. 

Der sakrale Raum der ehrwürdigen Stiftskirche verwandelte sich in einen pulsierenden Klangteppich, in dem sich Architektur und Tonkunst zu einer untrennbaren Einheit verbanden.

Vor fast voll besetzten Rängen bewiesen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte eindrucksvoll, dass Musik in Wertheim nicht nur gelernt, sondern mit tiefem Verständnis und spürbarer Hingabe gelebt wird. Die historische Kulisse erwies sich dabei nicht nur als akustischer Glücksfall, sondern auch als atmosphärischer Kontrapunkt zu einem Programm, das mutig und souverän Brücken zwischen den Epochen schlug.

Von barocker Pracht zu neo-romantischer Intimität

Der erste Teil des Abends im Zeichen der klassischen Tradition geriet zu einer feinsinnigen Spurensuche durch das Barock und die Romantik. Die jungen Solistinnen und Solisten an Violine, Sopran-Blockflöte, Klavier & Co. näherten sich den Werken von Vivaldi, Beethoven und Sammartini mit beachtlicher technischer Reife und einer spürbaren, fast ehrfürchtigen Demut vor den großen Meistern.

Wie präzise das Zusammenspiel und wie fein austariert die Dynamik an der Musikschule unterrichtet wird, offenbarte sich - exemplarisch gesehen - in den dargebotenen Klavierduos: Mit Francis Poulencs Sonate für Klavier zu vier Händen bewiesen Carina Guskow und Greta Schilling ein volles Verständnis und eine reife Interpretation, die das Publikum tief berührte.

Als ein weiterer Höhepunkt des ersten Teils flutete Sergei Rachmaninoffs Prélude op. 3, Nr. 2 (mit Paula Klomp am Klavier) die Melodie- Bögen mit flüchtigen, impressionistischen Klangfarben und hielt den Raum in kollektivem Atem.

Sergei Rachmaninoffs Prélude cis-Moll op. 3, Nr. 2 ist ein hochemotionales Meisterwerk der russischen Spätromantik aus dem Jahr 1892. Das Stück fasziniert durch seine dreiteilige Struktur, die von wuchtigen Glockenklängen zu einem rasenden, dramatischen Mittelteil übergeht.
Diese Imitation monumentaler Kirchenglocken fing die russische Seele perfekt ein und machte den jungen Komponisten über Nacht weltberühmt.
Der überwältigende Erfolg wurde jedoch zum Fluch, da das Publikum das Werk zeitlebens bei jedem Konzert als Zugabe forderte.
Trotz seiner orchestralen Wucht bleibt das Prélude für fortgeschrittene Pianistinnen und Pianisten gut spielbar und ist bis heute ein legendärer Geniestreich.

Ein dynamischer Sprung in die Moderne

Nach der Pause vollzog das Ensemble einen stilistischen Quantensprung, der die inhärente Lebendigkeit der Musikschule unter Beweis stellte. Die andächtige Klassik wich der Moderne, die Kontemplation der puren Lebensfreude. Mit anspruchsvollen Pop-Arrangements, jazzigen Rhythmen und mitreißenden Musical-Melodien entfalteten die Ensembles ihre immense stilistische Bandbreite.

Spätestens als das Schlagzeug („Rockin‘ Me“ von Gert Bomhof, temperamentvoll dargeboten von Solist Jonathan Freudenberger), sowie die Ensembles mit Violinen, Gesang, Saxophon-Instrumenten sowie die Rock-Band abwechselnd die akustische Regie übernahmen, sprang der Funke endgültig auf die Ränge über. Bewundernswert präsentierte Laura Trippel ihren „Ohrwurm“-Beitrag „Feeling Good von Nina Simone (1933 -2003).

Alles zusammen war es eine gelungene Gratwanderung zwischen strenger musikalischer Disziplin und unbändiger, authentischer Spielfreude, die dem Abend seine entwaffnende Ehrlichkeit verlieh.

Stimmen zum Konzertabend:

Die Musikschulleitung Fedra Blido:
„Dieses Konzert hat gezeigt, dass unsere Schülerinnen und Schüler Musik nicht nur als Handwerk verstehen, sondern sie mit jeder Faser leben. Die Brücke von Vivaldi bis hin zu modernen Pop-Arrangements in diesem ehrwürdigen Raum zu schlagen, war ein Wagnis, das durch den Applaus des Publikums vollkommen belohnt wurde.“

Eine Konzertbesucherin (aus den voll besetzten Rängen):
„Ich bin absolut hingerissen. In der ersten Hälfte hatte ich bei Rachmaninoffs Prélude regelrecht Gänsehaut – die Klänge haben den Kirchenraum völlig ausgefüllt. Und nach der Pause herrschte plötzlich so eine Lebensfreude, dass man am liebsten mitgetanzt hätte. Ein unvergesslicher Sommerabend.“

Ein mitwirkender Schüler (Ensemble-Mitglied):
„Für uns ist die Stiftskirche immer ein Highlight. Die Akustik ist gewaltig. Man ist am Anfang super aufgeregt wegen der Disziplin, die man braucht, aber sobald das Schlagzeug und die Bläser einsetzen und man merkt, wie der Funke aufs Publikum umspringt, macht es einfach nur noch riesigen Spaß.“

Eine Lehrkraft der Musikschule:
„Die präzise Dynamik, besonders bei den Klavierduos, ist das Ergebnis monatelanger harter Arbeit. Wenn man dann sieht, mit welcher technischen Reife und Spielfreude die Jugendlichen das auf die Bühne bringen, macht mich das als Lehrerin unglaublich stolz.“

Roland Schönmüller

Foto-Bildunterschrift:

BU 1: Harmonie und Präzision am Klavier: Carina Guskow und Greta Schilling überzeugten beim Sommerkonzert mit Francis Poulencs Sonate für Klavier zu vier Händen durch ihr perfekt austariertes Zusammenspiel. Foto Roland Schönmüller

BU 2: Mit anspruchsvollen Pop-Arrangements, jazzigen Rhythmen und mitreißenden Musical-Melodien entfalteten die Ensembles ihre immense stilistische Bandbreite. Hier v. l. Liam O’Neill, Nika Karian und Daria Kokoariev beim Gesang von John Denvers „Leaving on a Jet Plane“ mit Sonja Freitag am Klavier. Foto Roland Schönmüller

B 3: Spätestens als das Schlagzeug („Rockin‘ Me“ von Gert Bomhof, temperamentvoll dargeboten von Solist Jonathan Freudenberger), sowie anschließend die Ensembles mit Violinen, Gesang, Saxophon-Instrumenten sowie die Rock-Band abwechselnd die akustische Regie übernahmen, sprang der Funke endgültig auf die Ränge über. Foto Roland Schönmüller

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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