Virtuelle Ausstellung
Verletzung, Überwindung und Leben – Ausstellungen von Dagmar Wirth
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Die in Höchberg lebende Künstlerin Dagmar Wirth ist im Raum Miltenberg keine Unbekannte. Mehrfach hat sie seit 2007 hier ausgestellt. Anlässlich ihrer neuen und besonderen Ausstellung im Rahmen der Kulturtage des Landkreises Würzburg haben wir sie interviewt, - und bringen parallel dazu hier bei meine-news.de eine virtuelle Ausstellung zu ihrer Werkreihe „Brandmale“. Das Interview führte der Miltenberger Künstler Mapec.
Mapec: Du bist Kunsttherapeutin und Künstlerin. Bist du durch die Kunst zur Kunsttherapie gekommen? Oder war das umgekehrt?
Dagmar Wirth: Zuerst die Kunst. Ich habe tatsächlich als junges Kind gerne die Motive in den unsäglichen Malbüchern ausgemalt. Etwas anderes hatte ich auch nicht. Eigentlich wird dabei nur die Feinmotorik geschult und das „brave Kind“ gefordert, weil angepasst, nicht darüber raus malen wird belohnt. Als Grundschülerin zeichnete ich Motive - Vögel, Postkutsche etc. - aus dem Heimat- und Sachkundeunterricht in mein Heft. Ich pauste allerdings nicht ab! Als Jugendliche zeichnete ich Architektur und die mich umgebende Natur möglichst realistisch und übte dabei die Anwendung von Perspektive, von Schraffuren, Strukturen. Später stellte ich mir Aufgaben wie Faltenwürfe, alte Wanderschuhe, alltägliche Gegenstände. Lange bevor ich überhaupt etwas über Kunsttherapie erfuhr, ging ich zur Malerei über und experimentierte mit Farben. Seit einigen Jahren kombiniere ich das Zeichnerische, Grafische mit dem Malerischen und finde darin meine eigene künstlerische Sprache.
Mapec: Wie entstehen deine Bilder?
Dagmar Wirth: Am Besten und am Liebsten arbeite ich, indem ich mich auf den Prozess des Sich-Entwickelns eines Bildes einlasse und alle Pläne loslasse. Dann bin ich im Flow, dann läuft es und macht Spaß und befriedigt am Ende, weil die Gestaltung in tiefer Verbindung mit meinem momentanen Sein entstanden ist. Als ich vom Zeichnerischen zum Malerischen wechselte, überlegte ich: Was will ich den Menschen mit meinen Bildern sagen und war damit sehr bei inhaltlichen, auch politischen Themen. Das war sehr verkopft und funktionierte bei mir nicht. Gleichwohl können Bilder heute politische, gesellschaftliche Aussagen haben, weil all das zu meinem Leben gehört, weil es Fragen sind, mit denen ich mich als Mensch und als Künstlerin beschäftige.
Mapec: „Brandmale“ heißt die neue virtuelle Ausstellung von dir. Der Titel passt ausnahmsweise sehr gut, man sieht die Brandspuren tatsächlich, nicht nur symbolisch. Das ist man bei Kunstausstellungen nicht immer gewohnt. - Warum Brandspuren?
Dagmar Wirth: Auch das habe ich mir nicht vorher überlegt. Ich vermute, die Idee passte einfach sehr gut zu meiner damaligen Phase. Die Bilder entstanden im Zeitraum 2016 bis 2022, einer Zeit, in der ich mich intensiv mit einigen persönlichen Themen beschäftigte, mit Verletzungen und Schmerz, sowohl psychischem als auch physischem. Und da war plötzlich der Wunsch, mit Feuer zu experimentieren. Ich war fasziniert von den Spuren des Rauches, die ich oft als Ausgangspunkt nahm. Teilweise wurden die Löcher sehr groß und stellten mich vor die Herausforderung, was damit machen? Wie kann ich sie gestalten. Dabei geht es auch um Heilung, um Überwindung und den Umgang mit Schmerzen und Verletzungen.
Mapec: Was bedeutet das Gold in einigen der eingebrannten Löcher?
Dagmar Wirth: Ich habe manche Löcher mit Silber- oder Goldfolie hinterlegt. Die Silberfolie ist sehr hübsch, sie glitzert je nach Lichteinfall in verschiedenen Farben, - das bedeutet für mich Leben und Lebendigkeit. Das Gold symbolisiert Heilung, Überwindung.
Mapec: Gibt es eine lineare Entwicklung innerhalb der Werkreihe Brandmale?
Dagmar Wirth: Nein, es gibt keine lineare Entwicklung z.B. von einer dunkleren Farbpalette hin zu einer helleren. Und in allen Bildern, auch in den dunkelsten, kann man Hoffnung erkennen.
Mapec: Die kleinsten Bilder aus der Reihe Brandmale sind nur ca. 16 x 10 cm groß, die größten 60 x 60 bzw. 50x70 cm. Das ist doch ein enormer Unterschied. Welche Rolle spielt das Format in dieser Werkreihe?
Dagmar Wirth: Da gehe ich sehr von meinem Bedürfnis an diesem Tag aus. Aber auch ganz praktische Überlegungen spielen natürlich eine Rolle. Z.B. meine Aufbewahrungsmöglichkeiten für Bilder, die Größe meines Arbeitsplatzes und meines Transportmittels (lacht), irgendwie müssen die Bilder ja zu Ausstellungen gebracht werden.
Mapec: Wenn wir schon bei künstlerisch-technischen Fragen sind: Welche Materialien hast du bei dieser Werkreihe verwendet?
Dagmar Wirth: Ich liebe es, verschiedene Materialien zu kombinieren, ihre Wirkung aufeinander zu studieren. Hier habe ich auf verschiedenen Papieren und auf Leinwänden gearbeitet. Ich habe Styropor, Gipsbinden, Filz, Fäden, Folien etc. eingearbeitet und Acrylfarben, Tinte, Tusche, Pastellkreiden, Aquarellstifte usw. verwendet.
Mapec: Arbeitest du öfter in Werkreihen?
Dagmar Wirth: Ja, das kommt öfter vor. Weil mich der jeweilige Prozess gerade interessiert und fasziniert, und ich ihn weiter ausleuchten möchte. Es gibt z.B. noch eine Reihe kleinerer Werke mit Tusche, Tinte, Aquarellstiften und teils mit Texten. Manche Themen tauchen immer wieder auf, z.B. Landschaften. Und natürlich sind da im Laufe der Jahrzehnte einige entstanden. Ob man das dann eine Werkreihe nennt?
Mapec: Und zum Abschluss die Frage: Hast du neue Projekte?
Dagmar Wirth: Ich bin im März erst umgezogen, und rasch war da der Wunsch, in meinem neuen Umfeld eine Ausstellung zu machen, um in Kontakt mit den Menschen vor Ort zu kommen und heimischer zu werden. Da bot es sich an, wieder einmal am Kulturherbst des Landratsamtes Würzburg teilzunehmen. D.h. man wird die Bilder hautnah ansehen können. Ich stelle teilweise in meiner Wohnung, aber auch auf den kleinen Außenflächen aus, weshalb das Projekt mit dem Titel „Querschnitt – Malerei hautnah“ wetterabhängig ist.
Mapec: Herzlichen Dank für das Interview und die Bereitschaft, bei meine-news.de eine virtuelle Ausstellung anzubieten! Und viel Erfolg für deine Ausstellung in Höchberg!
Termine von „Querschnitt – Malerei hautnah“:
3. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Ersatztermin bei schlechtem Wetter: 10. Oktober
4. Oktober, 10 bis 16 Uhr, Ersatztermin: 11. Oktober
Ort: Höchberg bei Würzburg, Rübezahlweg 31
Kontakt zur Künstlerin: 01577 30 80 671 oder wirthdagmar@web.de
Fotos: 20 Werke aus der Reihe "Brandmale"
Bildrechte: Dagmar Wirth und Mapec
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