Eine neue Heimat finden

Eine richtige Feier für alle, die am Tisch sitzen. Flüchtlingsfrauen haben für ein Treffen des Cafés Essen aus ihrer Heimat zubereitet.
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Situation der Flüchtlinge und Asylbewerber in der Region ist entspannter geworden – Integration ist eine große gesellschaftliche Aufgabe

Sie kommen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Armenien oder Äthiopien. Viele haben unendliches Leid mit Verfolgung, Krieg oder Tod erfahren. Flucht war oft die einzige Möglichkeit, um zu überleben. Die Flüchtlinge und Asylbewerber, die seit 2015 im Landkreis Miltenberg angekommen sind, erhoffen sich hier eine bessere Zukunft und neue Perspektiven für ihr Leben.

Verlässliche Prognosen schwierig

„Im Vergangenen Jahr und in den letzten Monaten ist es deutlich ruhiger geworden“, stellt Landrat Jens Marco Scherf fest. „Seit Januar dieses Jahres hatten wir Zugänge von 79 Personen. Davon sind 49 Personen derzeit in dezentralen Unterkünften, 22 Personen sind ehemalige unbegleitete minderjährige Ausländer, die wir aus der Jugendhilfe übernommen haben. Verlässliche Prognosen über weitere Zuwanderungen kann angesichts der Entwicklung in Afrika und in Afghanistan derzeit niemand abgeben.“

Viele engagierte Menschen

„Die Integration der vor allem 2015 nach Deutschland gekommenen Menschen auf der Flucht ist auch im Sommer 2017 noch immer eine große gesellschaftliche Aufgabe“, so Landrat Scherf weiter. „Staatliche und kommunale Behörden kümmern sich gemeinsam mit vielen engagierten Menschen aus Verbänden, Initiativen und kirchlichen Kreisen um die Integration. Nach dem Erlernen der Sprache rücken derzeit die berufliche Integration und das Wohnungsproblem der anerkannten Flüchtlinge in den Fokus. Sehr erfreulich waren dagegen die vielen erfolgreichen jungen Migrantinnen und Migranten an unserer Berufsschule und den weiterführenden Schulen. Diese Erfolge haben Vorbildfunktion und machen Mut. Bei der Schaffung von Wohnraum danke ich den vielen engagierten Kommunen und den Menschen, die Wohnraum vermieten.“

Helferkreise setzen sich für Menschen ein

Um Fremde in eine Gemeinschaft mit hineinwachsen zu lassen, bedarf es Menschen, die sich kümmern, anleiten und geduldig sind. Im Landkreis gibt es viele Ehrenamtliche, die genau das tun. Es sind stille Helfer, die ohne großes Aufsehen einen wertvollen Beitrag leisten.

Für Sport begeistern

In Freudenberg arbeiten Vereine, der Helferkreis, die Gemeinde und deren Integrationsbeauftragte gemeinsam daran, Flüchtlingen beim An- und Zurechtkommen zu helfen. Wo wird was gebraucht? Vom Alltagsleben bis hin zu rechtlichen Dingen – Mitarbeiter und Helfer sind aktiv und setzen sich für die verschiedensten Belange ein. „Was können wir tun? Diese Frage haben wir uns gestellt,“ erzählt Michael Lazarus, Vorstand vom Sportverein Freudenberg. „Sobald Flüchtlinge angekommen sind, haben wir sie angesprochen. Wir versuchen, sie für Sport zu begeistern und lassen sie beitragsfrei mitmachen, besorgen auch mal Fußballschuhe oder Trainingsanzüge. Wir gehen auf sie zu und holen sie ab. Das funktioniert.“

Langfristig einbinden

Traudel Fuchs, Koordinatorin vom Helferkreis in Collenberg, sagt: „Das Thema Integration ist für uns nach wie vor sehr aktuell, auch wenn die Aufgaben für den Helferkreis sich verändern. Waren es am Anfang die Hilfen zur täglichen Lebensbewältigung, so ist es heute eher konkrete Hilfe bei Wohnungssuche, Praktikumsvermittlung, Lehrstellen- oder Arbeitssuche.“ Das Engagement des Collenberger Helferkreises macht es den Ankömmlingen leichter, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. Der Helferkreis ist eine Gruppe von ca. zehn Frauen und Männern, die seit Februar 2015 etwa 70 Flüchtlinge betreuen. Der Helferkreis wird von Petra Scheumann-Rieder von der Caritas in Miltenberg begleitet. Bürgermeister Karl-Josef Ullrich unterstützt und fördert den Kreis.

Konkrete Hilfen für den Alltag

Die Flüchtlinge sollen mit dem Leben, den Festen und Traditionen in Deutschland vertraut werden. Jedes Jahr wird mit den Kindern für Ostern, Muttertag und Weihnachten gebastelt. Die Helfer veranstalten Nikolaus- und Weihnachtsfeiern, sowie Sommer- oder Grillfeste. „Wir nehmen die Flüchtlinge zu den im Ort stattfindenden Festen mit und vermitteln Kontakte zu den Vereinen. Einige Kinder und Väter spielen im örtlichen Fußballverein“, so Traudel Fuchs. In der ehemaligen Kleiderfabrik Karwig ist ein Sozialladen untergebracht, der von Traudel Fuchs, Anni Wolf, Christa Ziegeler, Angelika Snieschek und Corinna Spielmann betreut wird. „In unserem Laden können sich sowohl Flüchtlinge, als auch bedürftige Familien aus Collenberg, Dorfprozelten, Stadtprozelten und Faulbach, die im Besitz der blauen ´Martinsladen-Karte´ der Caritas in Miltenberg sind, mit Bekleidung eindecken. Wir haben 14-tägig mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet oder auch nach Bedarf. Außerdem geben wir auch Geschirr, Bettwäsche, Schultaschen und was sonst noch gebraucht wird unentgeltlich ab. Alle Waren sind Sachspenden. Wir sind sehr froh, dass die Bevölkerung uns so großzügig unterstützt“, so Traudel Fuchs dankbar. Die Helfer aus Collenberg bieten außerdem ein Begegnungscafé für Frauen sowie eine Begegnungsrunde für Männer an. „In unterschiedlichem Rhythmus bieten wir am Samstagnachmittag in der Alten Schule in Collenberg ein Gesprächscafé für Frauen mit wechselnden Themen an. Dazu gibt es Kuchen, Tee und Kaffee. Da wir anfangs auch Männer bei unserem Café dabei hatten und wir feststellen konnten, dass es sicher gut ist, auch getrennt für Frauen und Männer Themen zu behandeln, bieten Dr. Kunze und Helmut Fuchs nun auch die Begegnungsrunde für Männer an. Diese findet jeden Dienstag von 20 bis 22 Uhr im Aufenthaltsraum in einem unserer ´Flüchtlingshäuser´ statt.“

Intensive Betreuung

Die Collenberger Helfer betreuen intensiv. Herr Rüger kümmert sich um die Belange der Flüchtlingsfamilien, die Kindergarten- oder Schulkinder in Collenberg haben, Herr Lüders unterstützt beim Ausfüllen von Formularen. Durch den leidenschaftlichen und bisweilen täglichen Einsatz von Helfer-/innen wie Frau Mank und Frau Pirr sprechen einige Familien bereits sehr gut Deutsch und befinden sich auf einem guten Weg in ein selbstständigeres Leben. Roland Weber hält zu den Schulen in der Umgebung Kontakt und geht, wenn nötig, auch als Begleiter der Eltern mit zu Lehrergesprächen. Er kümmert sich mit den Schulen um die Weiterbildung und den weiteren Schulbesuch der jeweiligen Kinder sowie um Praktikums- und Lehrstellen. Herr Weber bemüht sich, die älteren Flüchtlinge durch seine guten Kontakte in der Umgebung in Firmen unterzubringen. Er hat bereits im September 2015 das erste Fahrradtraining zur Verkehrssicherheit der Flüchtlinge in Collenberg und Umgebung mit der Polizei in Miltenberg organisiert. „Wie überall“, sagt Traudel Fuchs, „werden Angebote mal mehr, mal weniger angenommen. Das hat immer auch sehr unterschiedliche Gründe. Waren es anfangs oft die Verständigungsprobleme und auch die Traumatisierung mancher Flüchtlinge, sind es heute eher die Unterschiede in den Charakteren. Der oder die Eine lernt gerne und schnell, manch Andere/er tut sich schwer oder ist auch einfach nicht interessiert an dem, was wir anbieten. Folglich würde ich sagen unterscheiden sich die Flüchtlinge nicht von den deutschen Bürgern – zu Veranstaltungen verschiedener Vereine kommen auch meist die gleichen Leute.“

Vorbehalte abbauen

Offen auf Flüchtlinge zugehen, auch das trägt zur Integration bei. „Wenn Nachbarn eine Flüchtlingsfamilie zum Straßenfest oder zu Kaffee und Kuchen einladen würden, das wäre schön und würde helfen, Vorbehalte abzubauen“, meint die Koordinatorin vom Collenberger Helferkreis, die selbst auch schon ärgerliche Erfahrungen machen musste, z.B. bei offensichtlichem Missbrauch des Asylrechts. „Sicher sind manche Helferinnen und Helfer etwas frustriert von manchmal negativen Erlebnissen mit Flüchtlingen verschiedener Nationen. Trotzdem hat sich aus unserem Kreis noch niemand endgültig zurückgezogen. Wir haben aber auch von Anfang an immer darauf geachtet, auch für uns Helferinnen und Helfer Grenzen zu setzen, das heißt, dass wir uns nicht komplett vereinnahmen haben lassen. Ich denke, sich immer wieder abzugrenzen ist sehr wichtig, damit man nicht irgendwann ausgebrannt aufgeben muss“, erzählt Traudel Fuchs. Trotz Tiefschlägen in der ehrenamtlichen Arbeit „macht es doch auch viel Freude zu sehen, wie die Menschen, die so viel durchgemacht haben, langsam wieder Fuß fassen und beginnen, ihr Leben zu meistern.“ Drei der ehemaligen Flüchtlingskinder aus Collenberg, die jetzt in Bürgstadt wohnen, gehörten zu den vier besten Absolventen der Hauptschule. „Eine grandiose Leistung dieser Kinder, die erst seit zwei Jahren in Deutschland sind“, findet Traudel Fuchs stolz. Wichtig wäre, sagt Traudel Fuchs weiter „wenn nicht alle möglichen Institutionen oder Einrichtungen aneinander vorbei Kurse anbieten würden, sondern dass das an einer Stelle koordiniert werden würde. Leider erleben wir immer wieder, dass es oft ein Durcheinander von Angeboten an Deutschkursen gibt. Ebenso fehlt es oftmals an Integrationslehrern an den Schulen und die Flüchtlingskinder müssen dann auf zusätzlichen Deutschunterricht verzichten.“

Viel Engagement auch in Miltenberg

Dass gute Nachbarschaft und freundliche Gespräche mit Flüchtlingen sehr wichtig sind, dieser Ansicht ist auch Helga Neike aus Miltenberg. Mit einem Team aus Ehrenamtlichen bietet sie im neuen Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Miltenberg ein Frauencafé für Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder an, welches 14-tägig freitags, mit Unterbrechung während der Schulferien, stattfindet. Für die Kinder gibt es eine extra Spiele- und Bastelecke, bei gutem Wetter geht eine Helferin mit ihnen auf den Spielplatz. Vorbereitet werden Kaffee, Tee, Getränke und Kuchen, den die Helferinnen des Teams selbst backen. „Von Zeit zu Zeit beteiligen sich die Flüchtlingsfrauen am Angebot“, sagt Helga Neike, „und bereiten typisches Essen aus ihrer Heimat zu. Das ist immer eine richtige Feier für alle, die gerade um den Tisch sitzen!“ Zustande kam das Frauencafé anfangs des Jahres 2015. „Wir wurden auf Flüchtlinge aus Aserbeidschan, Armenien, Iran und Irak aufmerksam, meist Muslime. Ein Teil suchte Hilfe, weil sie Christen waren, ein Teil wollte Christ werden“, erzählt Helga Neike. „Erika Kraft sprach mich auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Hilfe an, Elke Clausmeier schloss sich an. Wir drei arbeiteten bereits in den 80er Jahren in der Asylarbeit zusammen. So bat ich den Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Gemeinde um ideelle Unterstützung und um die Möglichkeit, in den Räumen des neuen Gemeindehauses dieses Café zu unterhalten. Der Kirchenvorstand sagte gerne zu, das verantwortliche Team war vorhanden, es konnte losgehen! Inzwischen kamen weitere Helferinnen hinzu, die dieses Engagement wichtig finden und ihren wertvollen Beitrag leisten.“

Frauencafé findet großen Anklang

Wie wichtig diese Idee und deren Umsetzung war, zeigte sich wenig später. „Im Frühsommer 2015 war es nur eine kleine Gruppe, die uns besuchte, meist sehr junge Frauen mit Babys und Kleinkindern, die in verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften oder schon privat eine Wohnung gefunden hatten. Nach der Sommerpause 2015 sah es anders aus. In die Notunterkunft der Turnhalle der Realschule waren viele Flüchtlinge, insbesondere aus Syrien, einige aus Afghanistan, Irak, Iran, eingewiesen worden. Wir hatten auch dort eine Einladung ausgehängt auf deutsch und arabisch. Am Tag vorher war ich persönlich noch einmal in der Notunterkunft, fand die christliche Frau aus Syrien, die schon zuvor in unserer Kirche am Gottesdienst teilgenommen hatte und bat sie, auch die anderen Frauen zum Café einzuladen. Anfangs waren es ca. 15 Frauen verschiedenen Alters. Nach und nach kamen gruppenweise weitere Frauen mit Kindern – wir schätzten zum Schluss, dass es gegen 100 Erwachsene gewesen waren. Sie hatten sich wohl per WhatsApp verständigt und fanden den Weg von der Realschule zu unserer Kirche und zum Gemeindehaus. Kuchen musste nachgekauft, schließlich rationiert werden, um wenigstens jedem ein Stück anbieten zu können. Diese Situation hat sich allerdings binnen kurzem geändert. Durch die Umverteilung in die Notunterkunft nach Kleinheubach kamen nur noch wenige von dort. Diese Notunterkunft wurde ebenso bald wieder aufgelöst und die Menschen wohnen nun in Gemeinschaftsunterkünften, bzw. zogen, wenn sie als Flüchtlinge anerkannt wurden, um in andere Städte oder fanden auch hier in der Gegend eine eigene Wohnung“, berichtet Helga Neike. „Handys sind für sie überlebenswichtig, wie wir gemerkt haben. Mit dem Handy können sie mit ihren Verwandten kommunizieren, auch wenn diese weit weg wohnen oder manche im Heimatland zurückblieben. Einige Tage vor jedem ´Frauencafé´ lade ich die Frauen per WhatsApp dazu ein. Meist antworten sie auch, dass sie kommen. Regelmäßig kommen ca. 14 Frauen, die jungen Frauen haben meist 2 – 3 Kinder.“

Zuhören bei familiären oder anderen Problemen

„Eine Zeitlang wurde ein Nähkurs für die Frauen angeboten, bei dem sie einfache Dinge nähen lernten, oder ihnen beim Nähen geholfen wurde. Viele Stoffe waren gespendet worden, auch elektrische Nähmaschinen zur Verfügung gestellt. Manchmal spenden uns Mitbürger Kleidung für die Frauen und Kinder, manchmal sogar Dinge aus einer Haushaltsauflösung. Dies wird gerne angenommen, nur Weniges bleibt liegen. Das Wichtigste in den zwei Stunden, in denen sich die Frauen und das Team treffen, sind die Gespräche. Durch die Unterhaltung lernen die Frauen Deutsch, sie können ihre Nöte vortragen und finden immer auch Hilfe durch das Team oder das Team vermittelt Hilfe“, so Helga Neike. Von Arztfahrten über Gespräche mit Behörden oder dem Jobcenter bis hin zur Wohnungssuche oder Möbelbeschaffung, die Helferinnen des Frauencafés unterstützen bei vielen Dingen des alltäglichen Lebens. „Immer noch ist ein großer Kreis freiwilliger Helfer/-innen vorhanden, der meist unspektakulär einen Beitrag zur Integration leistet. Für einige wurde ihr eigener Einsatz nach einiger Zeit zu kräfte- und zeitraubend, so dass sie sich etwas zurückzogen, was verständlich ist. Als sehr wichtig sehe ich die ´Patenschaften´ für Familien an.“

Betreuung auf dem Weg

In Amorbach hat sich ein sehr aktiver Helferkreis gebildet. Karin Pavlicek, Lehrerin in einer Mittelschule, ist dort die Koordinatorin und Ansprechpartnerin: „Wir bekamen direkt vor Weihnachten am 22. Dezember 2014 die ersten Flüchtlinge zugewiesen. Zunächst wussten wir gar nicht, wie wir das Ganze angehen sollten und haben spontan gehandelt. Doch durch die Hilfe der Caritas, insbesondere durch Wolfgang Härtel, wurden wir allmählich zu Spezialisten. Dort bekamen wir immer Hilfe, Fortbildungen und seelischen Beistand. Alles in allem ist es ein interessanter Job. Mittlerweile haben wir über 100 Personen ein Stück ihres Weges betreut, manche intensiver, manche nur wenig. Zurzeit stellt sich die Situation so dar, dass die ersten Flüchtlinge eigene Wohnungen bezogen haben, in ihren Jobs Fuß fassen und eigene Wege gehen. Unsere Hilfe wird immer weniger und die Eigenständigkeit wächst. Momentan begleiten wir eine somalische Frau mit einem wenige Monate alten Baby, deren Partner es durch die Flucht nach Holland verschlagen hat, und helfen ihr. Die Caritas versucht, die Familie zusammenzuführen.“

Unterschiedliche Erfahrungen

Durch ihre Helfertätigkeit bei der Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern machen die ehrenamtlichen Mitarbeiter ganz unterschiedliche Erfahrungen. „Ich stelle immer wieder fest, dass jüngere Kinder sich sehr schnell integrieren“, erläutert Karin Pavlicek. „Durch Kindergarten und Schule lernen sie die deutsche Sprache schnell. Da kommen manche Eltern nicht mit. Sie tun sich unendlich schwer. Teilweise sind diejenigen, die zu uns kommen, auch sehr stark traumatisiert. Sie können ihr Leben nicht so ohne weiteres wieder selbst in die Hand nehmen. Generell bin ich sehr froh, dass hier in Deutschland so viele Menschen für diese Menschen eingesprungen sind. Das war auch bei uns im Kreis der Fall. Landratsamt, Ämter, Schulen – die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert. Besonders glücklich bin ich über die Caritas, die als Instanz geleitet und koordiniert hat.“ Eine besondere Herausforderung stellen, so hat es Karin Pavlicek erfahren, die jugendlichen Flüchtlinge und Asylbewerber dar. „Es ist wahnsinnig schwierig, diese jungen Menschen in eine Ausbildung oder Arbeit zu vermitteln. Alles ist geregelt, es gibt so viele Formulare. Dazu kommt, dass sich Arbeitgeber scheuen, diesen Menschen eine Chance zu geben. Das finde ich schade. Aber hier sind uns Grenzen gesetzt.“

Freundschaften entstehen

Ihren Job möchte Karin Pavlicek nicht tauschen. „Ich habe so fantastische Menschen kennengelernt“, sagt sie. „Daraus sind Freundschaften fürs Leben entstanden. Es bleibt stets spannend, denn man weiß nie, wer kommt. Es ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nicht, was darin ist und wie sie schmecken.“ Eines liegt Karin Pavlicek noch am Herzen: „Auch wenn das Thema derzeit scheinbar nicht mehr so sehr im öffentlichen Interesse steht und viele es nicht mitkriegen, brauchen wir immer Menschen, die sich für die Sache einsetzen. Derzeit suchen wir ein oder zwei Frauen, die bereit sind, Deutschunterricht für Flüchtlingsfrauen direkt in der Unterkunft der Asylbewerber abzuhalten. Die Zeiten können frei gewählt werden. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich gerne bei uns melden.“

Großer Zusammenhalt in Kirchzell

Die kleine Kommune im Odenwald hat im Januar 2016 nach einem Infoabend der Gemeinde und der Pfarrei beschlossen, aktiv zu werden und einen Helferkreis gegründet. In einem schönen Haus im Ort sind vier Flüchtlingsfamilien untergebracht. Die Unterstützung der Helferinnen und Helfer umfasst alles, was an sie herangetragen wird: Fahrdienste, Behördengänge, Arztbesuche, die Beschaffung von Rädern, Deutschkurse und vieles mehr. „Die Familien sind sehr gut aufgenommen worden“, sagt Margarete Pfaff, Koordinatorin vom Helferkreis in Kirchzell. „Sachspenden kommen sofort von der ganzen Dorfgemeinschaft, egal was gebraucht wird. Die Kinder sind im Fußball-oder Turnverein und haben Freunde in der Schule.“ Margarete Pfaff weiß, dass die Grundvoraussetzung für eine gelingende Integration das Erlernen der deutschen Sprache ist. „Eine Familie ist mittlerweile sehr selbstständig“, so die Koordinatorin. „Vater und Mutter sind berufstätig und das Kind besucht die zweite Klasse der Grundschule.“

Deutsch lernen

Deutsch lernen ist der erste Schritt, das macht auch Frau Mechthild Betz von der VHS Miltenberg deutlich. Ein wichtiges bundesweites Projekt ist „Einstieg Deutsch“ zur sprachlichen Erstförderung von Geflüchteten, welches auch in Freudenberg und Kleinheubach angeboten wird. Unterrichtet wird von qualifizierten Lehrkräften der VHS, Ehrenamtliche üben und vertiefen das Gelernte mit den Schülern. Die VHS Miltenberg sucht die Zusammenarbeit mit den Gemeinden.

Autoren: Andrea Kaller-Fichtmüller und Marlene Deß

Autor:

meine-news.de Redaktion aus Miltenberg

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