Präzision und Sicherheit
THW Miltenberg meistert komplexe Gebäudesicherung mit modernster Technik
- Ein Wanddurchbruch wird hergestellt.
- Foto: THW-Miltenberg
- hochgeladen von Stefan Wolf
Die Ausbildung „Gebäudeabsicherung“ begann mit der sorgfältigen Gebäudeansprache von oben. Die Einsatzkräfte inspizierten die Dachhaut auf Schäden und potenziell absturzgefährdete Gebäudeteile wie Kamine oder Photovoltaikanlagen. Zur besseren Übersicht wurde Drehleiter, Telelader sowie Drohnenbilder eingesetzt. Diese Technik ermöglichte eine präzise Gebäudegliederung und Identifikation von Gefahrenstellen.
„3D-Scan“ des Gebäudes durch Einsatzkräfte
Im weiteren Verlauf der Übung stand die Analyse der Gebäudestruktur im Fokus. Die Einsatzkräfte und der Leitung von Zugführer Michael Zipf legten Bezeichnungen mit Ortsbezug fest, um eine klare Kommunikation zu gewährleisten. Sie untersuchten die Bauweise und die verwendeten Materialien, um Gefährdungs- und Beschädigungsklassen zu ermitteln. Zugangsmöglichkeiten wie Treppenhäuser wurden geprüft und dokumentiert. Diese sorgfältige Analyse erfolgte sowohl von vorne als auch von hinten und umfasste auch die Seitenbereiche des Gebäudes.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Untersuchung des Gebäudes von unten. Hier wurden Unterkellerungen, Lichtschächte und tieferliegende Gebäudeteile auf ihre Sicherheit hin überprüft.
Die Medienversorgung des Gebäudes wurde ebenfalls gründlich untersucht. „Mit Medien sind alle Zu-/Ableitungen zum Gebäude, wie Energie-, Wasser- und Heizsystemen gemeint“, so Baufachberater Thomas Frieß in seiner Erläuterung, „Alle Medienanschlüsse müssen abgesperrt und laufend kontrolliert werden, um Risiken zu minimieren.“
Augenmerk auf Einsatzstellenhygiene
Ein besonderes Augenmerk lag auf den Gefahren durch Staub. Die Einsatzkräfte wurden für die Risiken durch Baustäube sensibilisiert. Kontaminierte Baustoffe oder Tierkot können gesundheitsschädlich sein, daher wurden Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Schutzanzügen, Handschuhen, Atemmasken und Schutzbrillen strikt eingehalten, um eine Kontaminationsverschleppung zu verhindern.
Ein zentraler Teil der Übung waren Deckendurchbrüche. Nach einer gründlichen Erkundung wurden Standorte für Deckendurchbrüche festgelegt. Die Durchbrüche wurden so klein wie möglich gehalten, um die Stabilität des Gebäudes nicht zu gefährden. Zudem wurde darauf geachtet, Staubbildung zu verhindern und Brandgefahren zu minimieren.
Außenwanddurchbrüche wurden erschütterungsfrei hergestellt. Hierzu kam ein Kernbohrgerät, das den Einsatzkräften freundlicherweise von der Firma Wirl zur Verfügung gestellt wurde zum Einsatz. „Das Kernbohrgerät wird häufig in der Bau- und Elektroinstallation verwendet, um präzise Löcher in verschiedene Materialien wie Beton, Mauerwerk oder Gestein zu bohren. Aber auch im Einsatzfall können auf diese Weise Durchbrüche erschütterungsfrei hergestellt und Zugänge zu verschütteten realisiert werden.“, so Frieß.
Einsatzstellen-Sicherungssystem in der Praxis
Während der Ausbildung wurde durch die beiden Baufachberater ein Teil des Einsatzstellen-Sicherungssystem (ESS) des Landkreises in Betrieb genommen. Mit Hilfe von Vermessungsgeräten sowie Prismen war es damit möglich, Bewegungen von Gebäudestrukturen millimetergenau zu messen. Zusätzlich wird das ESS durch Zubehör wie Alarmsysteme ergänzt, die bei Überschreitung von Toleranzwerten Warnsignale auslösen, um Einsatzkräfte rechtzeitig zu warnen. Dazu testeten die Einsatzkräfte mit Hilfe von Simulationen Bewegungen und Vibrationen an Außen- und Innenwänden. Dies ermöglichte ein besseres Verständnis für die Auswirkungen von Abbrucharbeiten.
Autor:Stefan Wolf aus Miltenberg |
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