Bildergalerie und Essay.
Wie Eichenbühls Feuerwehrjugend den Kaltenbach bändigte.
- Was dem unbedarften Spaziergänger im wildromantischen Odenwaldtal zunächst wie eine hitzeerprobte, kollektive Bachüberquerung im Dienste der Abkühlung erschien, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als strategisches Manöver von erfrischender Professionalität. Ein dickes, unüberhörbares Lob gebührt hierbei vor allem den aktiven jungen Feuerwehrfrauen.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Die große Flutung von Pfohlbach.
Pfohlbach/Eichenbühl. Wenn im hochsommerlichen Juli des Jahres 2026 die Idylle des Erftals von martialischem Motorengeheul und dem süßlichen Duft von frischem Nadelholz durchbrochen wird, brennt meistens nichts – es wird geübt.
Unweit des örtlichen Epizentrums der Holzverarbeitung, dem Traditionsbetrieb Gustav Konrad Holztechnik, versammelte sich die florierende ländliche Avantgarde: Die Jugendfeuerwehren aus sämtlichen Gemeindeteilen Eichenbühls probten den Ernstfall am und im Kaltenbach.
Was dem unbedarften Spaziergänger im wildromantischen Odenwaldtal zunächst wie eine hitzeerprobte, kollektive Bachüberquerung im Dienste der Abkühlung erschien, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als strategisches Manöver von erfrischender Professionalität. Ein dickes, unüberhörbares Lob gebührt hierbei vor allem den aktiven jungen Feuerwehrfrauen.
Fast todesmutig und resolut stiegen sie in die Fluten des Kaltenbachs, um die Saugkörbe zu fixieren. Es hatte beinahe schon etwas von einer modernen Loreley-Erzählung – nur dass diese fünf furchtlosen Nymphen der Brandbekämpfung die vorbeifahrenden Schiffer (hier Radler und Autofahrer) nicht ins Verderben stürzten, sondern mit perfekter Knotenkunde und Schläuchen bewaffnet das Element Wasser absolut im Griff hatten.
Ein wahrlich sagenhafter Einsatz! Von wegen „trockene Übung“ – hier wurde das Element nass auf nass bezwungen, während das Sägewerk der Familie Konrad im Hintergrund sicherheitshalber staubtrocken blieb.
Doch wer glaubt, nach dem erlösenden „Wasser halt!“ begänne direkt der gemütliche Teil der dörflichen Existenz, verkennt das unbarmherzige Pflichtbewusstsein der Wehr. Vor dem Vergnügen stand die kathartische Reinigung.
In den heimischen Feuerwehrgerätehäusern wartete die grimme Realität der Aufräumarbeiten. Schläuche mussten gerollt, Stiefel geschrubbt und die Gerätschaften wieder in jenen Zustand akribischer Ordnung versetzt werden, der die bayerische Provinz so verlässlich macht.
Als der letzte Tropfen Schlamm aus den Hallen gekehrt war, drängte jedoch die Zeit. Denn am späten Sonntagnachmittag und -abend wartete das absolute Kontrastprogramm auf die erschöpfte, aber stolze Truppe: das große WM-Endspiel.
In Windeseile wurde die Schutzkleidung gegen das Fantrikot getauscht. Ob beim Public Viewing bei den Sommerevents in Eichenbühl oder beim Fachsimpeln im nahen Miltenberg – nach diesem epischen Einsatztag am Bach hatten sich die jungen Retter das kollektive Daumendrücken vor der Leinwand mehr als verdient.
Ein würdiger Ausklang für eine Jugend, die bewiesen hat: Sie kann nicht nur den Bach zähmen, sondern danach auch die Feste feiern, wie sie fallen.
Mit t aktuellen Aufnahmen aus Eichenbühl und Miltenberg.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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