Nicht von Pappe:
Papier wird zur Mangelware

„Was du schwarz auf weiß hast, kannst du getrost nach Hause tragen“, heißt es in Goethes Faust. Papier ist seit jeher der Stoff, auf dem sich Nachrichten, Kunst und Wissenschaft verbreiten, in den man aber auch gerne seinen Fisch einwickeln darf. Begeisternd und banal zugleich – je nach Verwendung - und am Ende bestenfalls gut für die blaue Tonne. Corona hat dafür gesorgt, dass Papier plötzlich einen ganz neuen Wert erfährt, denn es wird zur Mangelware. Wir möchten Ihnen die Hauptgründe für die neue Papierknappheit erklären.

Wenig Altpapier + wenig Zellstoff = knappe Rohstoffe für die Papierherstellung

Papier wird zu 75 bis 80 Prozent aus Altpapier hergestellt. Altpapier wird nicht produziert, sondern fällt an – siehe oben. Durch die Pandemie-Beschränkungen erschienen weniger und dünne Zeitungen, es fehlten Veranstaltungsflyer oder Werbebeilagen der Unternehmen und des Handels. Somit kam auch weniger Altpapier zusammen. Eine weitere wichtige Papier-Zutat ist Zellstoff. Er wird überwiegend außerhalb Europas aus Holz und Holzresten gewonnen. Der anhaltende Bauboom und die weltweite Nachfrage nach Holz sorgen hier ebenfalls für eine Verknappung.

Mehr Online-Handel => mehr Herstellung von Kartonagen anstelle von Papier = Papiermangel

Kartons allerorten sind ein Sinnbild dafür, was Verbraucher heute schätzen: den schnellen Online-Einkauf, möglichst frei Haus und mit Rücksendegarantie. Was bequem und Corona-konform daherkommt, hat einen rasant wachsenden Verbrauch an Verpackungsmaterial zur Folge. Dementsprechend gehen die Produktionsmengen an Kartonagen nach oben, während mangels Bedarf an grafischem Papier dessen Herstellung abnimmt. Diese Entwicklung hält an, mittlerweile fehlt es bereits an Fachpersonal und Produktionskapazität für Papier.
Druckereien und Verlage spüren die Auswirkungen unmittelbar. Hersteller stornieren ihre Lieferzusagen kurzfristig mit dem Hinweis auf „höhere Gewalt“, eine zuverlässige Einkaufsplanung ist kaum mehr möglich, Lagerbestände sind verbraucht. Dazu kommen wachsende Herstellungs-, Energie- und Transportkosten durch unterbrochene Lieferketten oder fehlende Schiffscontainer oder knappe Rohstoffe - siehe oben.

News Verlag Geschäftsführer Charles Henri Rüttiger:
„Die Entwicklung des Papiermarktes bereitet unserer Branche große Sorgen, denn ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Für uns als Verlag hat die Papierknappheit natürlich direkte Auswirkungen auf die Zeitungsherstellung. 
Auch der Umweltgedanke beschäftigt uns natürlich. Unser Druckpartner für die Wochenzeitungen Schaufenster und Wochenblatt verwendet Zeitungspapier, das fast ausschließlich aus Altpapier hergestellt wird. Zudem deckt er durch eine eigene Photovoltaikanlage rund 15 % seines Stromverbrauchs und spart zusätzlich darüber zirka 350 Tonnen CO2 ein.

Die "Litfaß-Säule Buchen" drucken wir z. B. auf Steinbeis Silk, einem Papier aus 100 % Altpapier, ausgezeichnet mit dem Blauen Engel und dem EU Ecolabel. Wir möchten unsere Produkte auch weiterhin in der gewohnten Papierqualität herausgeben, sind aber jetzt eventuell gezwungen, nach Alternativen zu suchen
.

Und es zeigt sich wieder einmal, wie das weltweite Verbraucherverhalten sich auswirkt und letztendlich an der eigenen Haustüre wieder aufschlägt. Wer möglichst vor Ort einkauft, Verpackungen einspart oder zumindest richtig entsorgt, hilft Ressourcen zu sparen und damit letztendlich auch Geld. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, bewusst zu konsumieren und wo immer es geht, den regionalen Wirtschaftskreislauf zu stärken.“

"Ist das Papier das neue Gold?" - ein Beitrag von Galileo - hier anschauen!

Autor:

meine-news.de Redaktion aus Miltenberg

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