Immer mehr Verpackungsmüll
Abfall vermeiden: In Zukunft ohne Plastikgabel

Die Corona-Krise hat die Verpackungsflut zumindest bei den Privathaushalten deutlich ansteigen lassen.
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  • Die Corona-Krise hat die Verpackungsflut zumindest bei den Privathaushalten deutlich ansteigen lassen.
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Der Verbrauch von Verpackungen in Deutschland nimmt weiter zu. Im Jahr 2018 fielen 18,9 Millionen Tonnen an Abfällen an - rechnerisch 227,5 Kilogramm pro Kopf. Der Anstieg auf diesen bisher höchsten Wert ist vor allem auf veränderte Lebensbedingungen und die damit verbundenen Konsumgewohnheiten zurückzuführen. Als einen Grund nennt das Umweltbundesamt den Trend, Essen und Getränke unterwegs zu konsumieren. Außerdem gibt es mehr Single- und Seniorenhaushalte, die kleinere Packungen kaufen. Und auch der rasant wachsende Online-Handel führt zu immer mehr Verpackungsmüll. 

Recycling allein reicht nicht

Deutschland gilt als Vorreiter beim Recycling - doch nur ein geringer Anteil der hiesigen Plastikabfälle wird wieder verwertet. Der Großteil des Plastikmülls wird noch immer verbrannt, ein weiterer Teil geht ins Ausland. Nur rund 16 Prozent unserer Plastikabfälle werden innerhalb Deutschlands recyclet. Diese Zahlen gehen aus dem Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung hervor. Die Gründe dafür sind vielfältig... Einige Plastikstoffe werden von den Sortieranlagen nicht erkannt. Verpackungen aus mehreren Materialien lassen sich nicht trennen und sind daher nicht zum Recycling geeignet. Um einen echten Kreislauf herzustellen, müssten die Abfälle als das wiederverwendet werden, was sie ursprünglich waren. Da aus dem Müll in der gelben Tonne aber oft nur minderwertige neue Kunststoffe entstehen, sind diese für die Herstellung von Lebensmittelverpackungen nicht geeignet. Trotzdem bleibt die Mülltrennung auch weiterhin ein wichtiges Thema. Denn schließlich ist auch wenig recyceltes Plastik besser als gar keine Wiederverwertung.

Abfälle richtig zu entsorgen und zu trennen ist eine wichtige Voraussetzung, um Ressourcen zu schonen. Beim Recycling von Kunststoffen gibt es jedoch Verbesserungspotenzial.
  • Abfälle richtig zu entsorgen und zu trennen ist eine wichtige Voraussetzung, um Ressourcen zu schonen. Beim Recycling von Kunststoffen gibt es jedoch Verbesserungspotenzial.
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Änderungen im Verpackungsgesetz

Das Bundeskabinett hat eine Erneuerung des Verpackungsgesetzes beschlossen, die unter anderem Mehrweg-Alternativen für Plastikbecher oder Styroporschalen ab 2023 vorsieht. Laut Umweltministerin Svenja Schulze sollen durch das neue Gesetz Mehrwegboxen und Mehrwegbecher für unterwegs bald der neue Standard werden. Die Ministerin ist überzeugt, dass „viele gute Lösungen entstehen, auch für die Lieferdienste“. Außerdem soll die Pfandpflicht auf alle Einwegplastikflaschen und Getränkedosen ausgeweitet werden. Beim Einwegpfand gab es bisher Ausnahmen, zum Beispiel für Saft. So konnte es vorkommen, dass für die gleiche Verpackung je nach Inhalt mal Pfand gezahlt werden musste, mal nicht - damit soll nun Schluss sein. Auch auf anderen Wegen werden Kunststoffabfälle eingedämmt. Ab Mitte 2021 ist in der EU der Verkauf von Besteck, Tellern, Trinkhalmen und einigen weiteren Wegwerfprodukten aus Plastik verboten, denn dafür gibt es längst Alternativen. Das Kabinett hatte das Aus für Standardtüten an der Ladenkasse schon im letzten Jahr beschlossen.

Um Plastikabfälle zu verringern und das Recycling zu stärken hat die Bundesregierung ein neues Verpackungsgesetz auf den Weg gebracht.
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Was Verbraucher tun können

Im Kampf gegen Plastikmüll ist auch Eigeninitiative gefragt. Jeder kann zum Beispiel darauf achten, Obst und Gemüse lose zu kaufen und Produkte mit unnötigen Verpackungen zu meiden. Nachfüllbeutel für Seifen oder Reinigungsmittel reduzieren ebenfalls das Verpackungsaufkommen, da die Verpackungen der Nachfüllbeutel meist weniger aufwendig sind. Beim Einkauf an der Frischetheke bieten immer mehr Supermärkte Mehrwegboxen an oder die Option eigene wiederverwendbare Behälter mitzubringen. Dadurch können Einwegverpackungen vermieden werden. Die mitgebrachte Dose stellt der Kunde einfach auf ein Tablett, welches die Mitarbeiter hinter die Theke nehmen und wiegen. Die Lebensmittel werden direkt in die Dose gepackt, in die sie zu Hause ohnehin gekommen wäre. Das Tablett geht anschließend wieder zurück zum Kunden, der die Dose selbst verschließt und das Etikett selbst aufklebt. Dieser Trend wurde von den Unverpackt-Läden angestoßen, die es mittlerweile in vielen Großstädten gibt. Aber auch auf Wochenmärkten besteht die Möglichkeit, unverpackte Lebensmittel einzukaufen. Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass hierdurch regionale Hersteller unterstützt werden.

Bei "Unverpackt Aschaffenburg" wird es bald verpackungsfreie Lebensmittel geben. Der Laden befindet sich derzeit noch im Aufbau.
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Lebensmittel gänzlich ohne Verpackungen einkaufen - wie geht das? Dazu ein Interview mit Stefan Kistner, Mitglied bei ADAM FAIRkaufen e.G. in Aschaffenburg:

Welche Idee steht hinter dem Unverpackt-Laden?
"Es geht darum möglichst viel Verpackungsmüll, hauptsächlich Plastikmüll, zu vermeiden. Die Produkte in unserem Laden sollen immer unter fairen Bedingungen hergestellt und zu einem fairen Preis von den Produzenten erworben werden. Neben der Möglichkeit unverpackt einkaufen zu können, möchten wir es unseren Kunden erleichtern, Produkte aus der Region und Saison zu kaufen. Kurze Wege und saisonales Obst und Gemüse sind wichtige Säulen des ökologischen Fußabdrucks. Gleichzeitig können wir dadurch unsere Region und auch kleine Betriebe stärken."

Wie funktioniert das Einkaufen in einem solchen Laden?
"Die Produkte werden in größeren Gebinden bezogen und in Lebensmittelspendern
angeboten, um Verpackungsmaterial zu sparen. Die Kunden können die gewünschte Menge in ein mitgebrachtes Gefäß abfüllen und das Produkt nach Gewicht bezahlen. Bei Bedarf können sie entsprechende wiederverwendbare Gefäße (Gläser, Stoffbeutel, Flaschen etc.) auch im Laden erwerben. Dieses Konzept hilft zudem, Lebensmittelverderb vorzubeugen und ressourcenschonend zu wirtschaften, da die Kunden die individuell benötigte Menge eines Produkts erwerben können und nicht auf eine vorgegebene Verpackungsgröße beschränkt sind."

Was ist die „ADAM FAIRkaufen e.G.?
"Wir möchten mit unserem Laden auch eine Plattform für Menschen bieten, die Interesse an einer nachhaltigen Lebensweise, Freude an hochwertigen Lebensmitteln und am Kontakt mit anderen haben. Die genossenschaftliche Struktur hat den Vorteil, dass sich möglichst viele Menschen mit den Themen Umweltschutz, Müllvermeidung und Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Wir haben jetzt 175 Mitglieder und mit jedem Mitglied steigt unsere Sichtbarkeit in der Stadt und der Region Aschaffenburg. In der jetzigen Phase (Suche und Eröffnung des Ladens) ist jegliche Mithilfe sehr willkommen."

Autor:

Katja Bergmann aus Niedernberg

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