Bildergalerie und Essay
Zuckerrüben warten
- Bei Richelbach
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Zuckerrüben mit Fernweh – das Herbstfest der Erdknollen.
Die Zuckerrüben feiern Herbstfest. Nicht mit Blasmusik und Bierzelten, sondern mit Matsch, Muskelkraft und einem Hauch von Logistikdrama.
Rund um Richelbach und der hiesigen Region liegen die Knollen bereit – frisch geerntet, erdverkrustet und voller süßer Ambitionen.
Die Ernte war wie jedes Jahr ein Fest für Rücken, Reifen und Rübenromantik.
Traktoren röhrten, Maschinen tanzten und die Landwirte verwandelten sich in Ackerathleten mit Hang zur Bodenakrobatik.
Wer hier mitmacht, braucht kein Fitnessstudio – nur Gummistiefel und Geduld.
Jetzt beginnt die zweite Disziplin: das große Warten.
Die Rüben ruhen am Feldrand wie VIPs mit Fernweh, bereit für die Reise zur Zuckerfabrik.
Doch die LKWs kommen im Takt der Fabriklogistik – und manchmal auch im Takt der Bürokratie.
Funklöcher, Fahrpläne und Fabrikslots machen aus der süßen Fracht ein Geduldsspiel mit Erdanschluss.
„Die Rübe hat Vorrecht“, heißt es unter den Bauern – nicht ganz ironiefrei.
Denn wenn der LKW endlich auftaucht, wird’s eng auf dem Feldweg.
Spaziergänger, Radfahrer und Wildtiere: bitte rechts ran! Hier rollt die süße Elite.
Manche Rüben liegen so lange, dass sie anfangen, über ihre Bestimmung zu philosophieren.
Bioethanol? Plätzchenzutat? Oder doch lieber ein Leben als dekorative Knolle im Dorfladen?
Andere träumen von einer Karriere als Glühweinveredler oder Lebkuchenleim.
Und doch: Die Zuckerrübenernte bleibt das wahre Herbstfest der Agrarwelt – mit mehr Matsch, weniger Musik, aber genauso viel Stolz.
Denn wer hier mitmacht, macht Zukunft aus Erde.
Und wer wartet, wartet nicht umsonst.
Er wartet auf Süße, auf Wirtschaftskraft – und auf den LKW mit Vorrecht.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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